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Der asiatische Wirtschaftsraum spielt mittlerweile eine bedeutende Rolle.
 
Praxis 28. Februar 2013

Alternative Asien

Die wirtschaftliche Dynamik hält an.

Die Schoellerbank ist bezüglich Asien – ohne Japan – sehr zuversichtlich gestimmt. Die Bewertungen der dortigen Aktienmärkte sind mit wenigen Ausnahmen vielversprechend.

So beträgt das KGV an der Börse Shanghai 11,3 und für Südkorea 10,5. „Im asiatischen Schnitt liegen die Bewertungen leicht über diesen Werten, erscheinen aber vor allem im historischen Vergleich attraktiv“, sieht Bernhard Spittaler, Fondsmanager der Schoellerbank Invest AG großes Potenzial für die asiatischen Börsen. Auf Preis-Buchwert-Basis ist vor allem Südkorea mit rund 1,2 attraktiv bewertet.

Zunehmende Unabhängigkeit

Vor 20 Jahren war die asiatische Wirtschaft in hohem Maße von den westlichen Wirtschaftsnationen abhängig. Heute ist dies in wesentlich geringerem Ausmaß der Fall. Ein Blick auf die Exportquote von Indonesien zeigt beispielsweise, dass derzeit 65 Prozent der Ausfuhren innerhalb Asiens verbleiben und rund 20 Prozent in die USA bzw. Europa gehen und sich der Rest auf übrige Länder verteilt. Ähnliche Daten werden auch aus Singapur, Malaysia, Thailand und den Philippinen gemeldet.

Ein Blick auf die Devisenreserven (China: 3.285 Mrd. US-Dollar) zeigt, dass viele asiatische Länder, beispielsweise Taiwan (403 Mrd. Dollar) und Südkorea (327 Mrd. Dollar), mittlerweile üppiger ausgestattet sind als die USA (50 Mrd. Dollar). Darüber hinaus ist die Bevölkerungspyramide in den meisten asiatischen Ländern (Ausnahme: China) günstig. So sind 40 Prozent der Einwohner Indiens und 37 Prozent der Population Südostasiens unter 20 Jahre alt. Daher verlagert sich der Motor der globalen Wirtschaftsleistung zunehmen von den westlichen Industriestaaten in Richtung Asien. Während sich die Industrienationen 2013 mit einem Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 1,5 Prozent zufrieden geben müssen, werden die Schwellenmärkte Asiens heuer schätzungsweise um über 6,5 Prozent zulegen. Damit dürften diese stärker zur weltweiten Wirtschaftsdynamik beitragen als die klassischen Industrienationen.

Dennoch stellen in globalen Aktienindizes, wie dem MSCI AC World nach wie vor die US-Firmen mit einem Gewicht von über 50 Prozent den Hauptanteil. „Hier sollte in den nächsten Jahren eine Verschiebung zugunsten Asiens stattfinden“, prognostiziert Spittaler.

China und Honkong

Der Aktienmarkt am chinesischen Festland blieb zuletzt deutlich hinter den Erwartungen zurück. „Daher erscheint in diesem Segment aufgrund der attraktiven Bewertungen (KGV: 11,3; Preis/Buchwert: 1,7) ein günstiger Einstiegszeitpunkt gegeben zu sein“, so Spittaler. „Vor allem dank der anhaltend lockeren Geldpolitik hat die Wirtschaft im Reich der Mitte bereits im dritten Quartal letzten Jahres die Talsohle durchschritten. Im vierten Quartal ist das BIP um 7,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Daher mehren sich jetzt die Anzeichen, dass sie langsam, aber beständig wieder an Fahrt aufnimmt und sich 2013 leicht erholen wird“, ergänzt Raymond Ma, Manager des Fidelity China Consumer Fund. Die Shanghia Stock Exchange kletterte zuletzt auf ein 7-Monats-Hoch. Allerdings sind Börse-Transaktionen nur in eingeschränkter Form möglich. Im Auge behalten müssen Investoren die Inflationsrate in China. Die Reflation wirkt sich positiv auf die Wirtschaft und Aktienmärkte aus. Wenn die Inflationsrate aber über das Ziel hinausschießt, kann es gefährlich werden.

Die in Hongkong notierenden Aktien weisen zu Festland-China im Schnitt eine etwas höhere Bewertung auf (KGV: 16,3; Preis/Buchwert: 1,7). Dafür existiert in der Regel ein unbeschränkter Marktzugang. „Unter dem Strich erscheinen mittelfristig beide Märkte interessant, da Investoren auf ihrer Suche nach attraktiven Investmentmöglichkeiten in Asien an China und Hongkong nicht vorbeikommen werden“, so Spittaler.

Südkorea attraktiv bewertet

Die Republik Korea besticht mit ihren 50 Mio. Einwohnern im Vergleich zu den Nachbarstaaten nicht durch ihre geografische Größe, sondern mit einer sehr gut entwickelten nationalen Wirtschaft. Diese Tatsache lässt sich aus dem BIP/Einwohner ablesen, welches bei rund 16.600 US-Dollar liegt (Indien: 1.000 US-Dollar). Südkorea ist vor allem einer der Hauptkandidaten für ausländisches Anlagegeld, da das Land unter den asiatischen Schwellenländern über sehr starke wirtschaftliche Grunddaten und gesunde Staatsfinanzen verfügt. Darüber hinaus erscheint der Aktienmarkt attraktiv bewertet (KGV: 10,5; Preis/Buchwert: 1,2).

Wohlstandsgewinner Indonesien

Mit rund 200 Mio. Moslems stellt Indonesien den Staat mit der größten muslimischen Bevölkerung dar. Sehr beeindruckend war in der Vergangenheit die Entwicklung des BIP: 1993 lag dieses bei 158 Mrd. US-Dollar und stieg bis zum Ausbruch der Asienkrise auf etwa 227 Mrd. Die letzten offiziellen Daten bestätigen ein BIP von 846 Mrd. Dollar. Dies entspricht einem Anstieg von 435 Prozent in den letzten 20 Jahren. Die Dynamik im Konsumsektor ist ebenfalls ungebrochen. So stiegen die Einzelhandelsumsätze von 2006 bis 20012 durchschnittlich um über 12 Prozent im Jahr. Auch die Autoverkäufe sind solide und zogen im Jahresvergleich 2010 zu 2011 um 17 Prozent an. „Daraus lässt sich schließen, dass die Bevölkerung auf breiter Basis rasant an Wohlstand dazugewonnen hat“, so Spittaler. Dementsprechend dynamisch stellt sich die Wertentwicklung der Börse in Jakarte in den letzten zehn Jahren dar. Aufgrund dieser exzellenten Entwicklung der Aktienmärkte erscheint in den Bewertungen (KGV:16; Preis/Buchwert: 3,7) bereits eine gewisse Zukunftsentwicklung eingepreist zu sein. Dennoch werde der Markt mittelfristig zu beachten sein.

Top-Börsen Thailand

Seit Anfang der 90er-Jahre hat Thailand mit 70 Mio. Einwohnern eine rasante wirtschaftliche Entwicklung hinter sich. 1993 lag das BIP bei rund 144 Mrd. Dollar und stieg bis zum Ausbruch der Asienkrise auf etwa 181 Mrd. Die letzten offiziellen Daten bestätigen ein BIP von 345 Mrd. Dollar. Dies entspricht einem Anstieg von 140 Prozent in den letzten 20 Jahren. Das frei verfügbare Haushaltseinkommen hat sich in diesem Zeitraum mehr als verdreifacht. Seit 2001 ist dies auch an den Einzelhandelsumsätzen abzulesen, die um knapp mehr als zehn Prozent pro Jahr zulegten. Der Aktienmarkt kam in der Vergangenheit eher schleppend voran. Dieses Bild hat sich seit 2009 gewandelt. Seitdem zählt der lokale MSCI-Thailand-Index Thailand-Index zu den besten Asiens. Aufgrund der guten Performance der Aktienmärkte erscheinen die Bewertungen (KGV: 16; Preis/Buchwert: 2,6) derzeit fair gepreist zu sein. Sollte Thailand seine bisherige wirtschaftliche Dynamik beibehalten, hat die Börse mittelfristig weiterhin Luft nach oben.

M. Strausz, Ärzte Woche 9/2013

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