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In Österreich ist ein starker Einbruch in der Selbsteinschätzung des Finanzwissens feststellbar.
 
Praxis 11. Februar 2013

Finanzwissen der Österreicher auf einem Tiefpunkt angelangt

Nur 44 Prozent glauben, sich sehr gut mit Finanzthemen auszukennen.

Das Selbstbewusstsein in puncto Finanzwissen ist eingebrochen und befindet sich auf Vorkrisenniveau des Jahres 2007. Dies geht aus einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage von AXA Investment Managers (AXA IM) in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest in Österreich, Deutschland und der Schweiz hervor.

Gleichzeitig ist der Anteil derjenigen, die sich nach eigenen Angaben wenig im Finanz- und Investmentfonds-Bereich auskennen, von 46 auf 55 Prozent gestiegen. „Die Österreicher kennen sich in Finanzthemen besser aus, als sie selbst glauben. Offenbar ist die Verunsicherung nach Ausbruch der Finanzkrise nicht überwunden“, analysiert Karin Kleinemas, Kommunikations- und Marketingleiterin der AXA IM, die die Umfrageergebnisse präsentierte.

Über ein überdurchschnittliches Finanzwissen verfügen primär Männer, Besserverdiener (Haushaltseinkommen ab 3.000 Euro) und Jüngere (18-39-Jährige). Insgesamt zeigen sich die 1.000 Befragten bei der Beantwortung der Finanzwissensfragen sicherer als in den Vorjahren und sind auch besser in der Lage, richtige Aussagen von unrichtigen zu unterscheiden. So weiß immerhin die Hälfte, dass Rentenfonds in festverzinsliche Wertpapiere investieren. Allerdings glauben 43 Prozent, dass „Rentenfonds für die Absicherung der gesetzlichen Rente sorgen“.

Weiterhin große Wissenslücken

Auch beim Thema „Sicherheit“ gibt es starken Informationsbedarf. Beinahe die Hälfte glaubt, dass Veranlagungen in Investmentfonds genauso riskant sind wie der Kauf einzelner Aktien. Nur knapp über einem Drittel der Bevölkerung ist bekannt, dass das Fondsvermögen im Falle einer Insolvenz des Anbieters geschützt ist, selbst unter den Fondsbesitzern wissen nur 44 Prozent der Befragten über die Tatsache des Insolvenzschutzes Bescheid.

Immerhin ein Viertel der Befragten scheint sich der Auswirkungen ihrer Wissenslücken bewusst zu sein und wäre bereit, für die Verbesserung ihres Finanzwissens zu bezahlen – darunter befinden sich insbesondere Personen, die sich sehr gut mit Finanzthemen auskennen (40 Prozent) und Fondsbesitzer (37 Prozent). Noch nie waren die Österreicher so stark der Überzeugung, dass für die Geldanlage in Fonds vertiefte wirtschaftliche Kenntnisse erforderlich sind. 74 Prozent der Nicht-Fondsbesitzer beantworten diese Frage mit „Ja“, bei der Gesamtbevölkerung liegt dieser Wert noch immerhin bei 70 Prozent. Und selbst 57 Prozent der Fondsbesitzer beantworten diese Frage mit „Ja“.

Die Relevanz der Beratung bei der Geldanlage in Fonds steigt wieder an. 90 Prozent der Bevölkerung stimmen zu, dass eine fundierte Beratung unerlässlich ist. Insbesondere Fondsbesitzer, Besserverdiener sowie Menschen, die sich gut oder besser mit Finanzthemen auskennen, sehen das Vertrauen in den Berater als überdurchschnittlich wichtig an. Ein bedeutsames Kaufkriterium für einen Investmentfonds ist ein namhafter Anbieter (72 Prozent).

Investmentfonds sind altersvorsorgetauglich

Nahezu zwei Drittel der Fondsbesitzer sehen Investmentfonds als für die Altersvorsorge geeignet an, mit steigender Tendenz (+4 Prozent im Vergleich zu 2011). Diejenigen, die bisher noch nicht in Fonds investiert haben, sind kritischer, dennoch sehen auch hier 45 Prozent Investmentfonds als altersvorsorgetauglich an. „Gerade im Hinblick auf die zukünftige Rentenproblematik ist es notwendig, das Vertrauen der Bevölkerung in diese Anlageklasse zurückzugewinnen und weiter auszubauen. Hier sehen wir, dass trotz verstärkter Aktivitäten die Branche weiterhin gefordert ist“, so Kleinemas.

Die Anzahl der Fondsbesitzer liegt in Österreich weiterhin konstant bei 17 Prozent. Vor allem Besserverdiener und Menschen, die sich gut mit Finanzthemen auskennen, sind unter den Fondsbesitzern vertreten. Gefragt nach der Präferenz für eine zukünftige Geldanlage in Investmentfonds zeigt sich ein gestiegenes Bedürfnis nach Sicherheit. So würden sich nur 22 Prozent der Österreicher bei einem zukünftigen Fondsinvestment für Aktienfonds entscheiden. Derzeit sind 46 Prozent in diese Anlageklasse investiert.

Umgekehrt sieht es bei Immobilien aus: 40 Prozent der Österreicher würden bei einer zukünftigen Fondsveranlagung auf Immobilien setzen, tatsächlich investiert ist derzeit rund ein Viertel. Über alle Anlageklassen hinweg würden rund zwei Drittel der Österreicher künftig in europäische Fonds investieren, nur rund ein Viertel in Schwellenländer-Fonds.

Österreich hinkt im Ländervergleich hinterher

Im Ländervergleich Deutschland, Österreich und Schweiz zeigt sich eine Erholung beim Finanzwissen in allen drei Ländern. Während in Österreich ein starker Einbruch in der Selbsteinschätzung des Finanzwissens feststellbar ist, scheint der negative Trend der vergangenen Jahre zumindest in Deutschland und der Schweiz durchbrochen: Mehr als die Hälfte der Befragten dieser beiden Länder stuft ihr Finanzwissen als „gut“ beziehungsweise „sehr gut“ ein. Auch in Hinblick auf den Fondsbesitz zeichnet sich eine leichte Erholung ab. Die Schweizer kehren langsam wieder in den Investmentfonds-Markt zurück (18 Prozent), und auch in Deutschland hat der Anteil an Fondsbesitzern (19 Prozent) gegenüber den Vorjahren zugenommen. Nur in Österreich ist der Anteil der Fondsbesitzer mit 17 Prozent innerhalb der letzten sieben Jahre konstant geblieben.

Bei einer künftigen Veranlagung in Investmentfonds präferieren die Anleger aller drei Länder in erster Linie europäische Investmentfonds. Während die Österreicher eher auf Nummer sicher setzen und Immobilien und Anleihen als Anlageklassen bevorzugen, präferieren die deutschen Privatinvestoren Aktienfonds. Die Schweizer zeigen sich hingegen verstärkt an Immobilien interessiert.

Finanzthemen sollten auf den Schulplan

Über die Hälfte der österreichischen Bevölkerung wünscht sich die Vermittlung von Finanzwissen bereits in der Schulzeit. Diese Forderung ist somit seit Jahren unverändert hoch. „Nur wer sich mit dem Thema Geld bereits als junger Mensch auseinandersetzt, kann später souverän und selbstsicher mit Geldanlagen umgehen“, so AXA IM-Direktor Philipp Baar-Baarenfels. Die zunehmende Forderung von Politikern, Verbraucherschützern und Verbänden, das Thema Finanzen verbindlich für die Schulen zu regeln, sei vor diesem Hintergrund nur zu begrüßen. Derzeit informieren sich die Österreicher vor allem über Gespräche mit Bank-, Versicherungs- und Finanzberatern (52 Prozent) sowie im persönlichen Umfeld und bei Kollegen (41 Prozent). Klassische Printmedien spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Information zu Finanzthemen – rund ein Drittel nutzt Printmedien, um sich über Finanzthemen zu informieren.

Wie erwartet, gewinnt auch das Internet weiter an Bedeutung: Bislang nutzen zwar lediglich ein Fünftel der Österreicher dieses Informationsmedium, mehr als ein Viertel wünscht sich jedoch, künftig mehr Informationen über das Internet zu beziehen. Mit durchschnittlich 2,6 genutzten Quellen informieren sich die Österreicher insgesamt vielfältiger als im Vorjahr (2,4 Prozent).

M. Strausz, Ärzte Woche 7/2013

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