zur Navigation zum Inhalt
© babsi_w / fotolia.com
Scharfe oder spitze medizinische Instrumente bergen eine Verletzungsgefahr.
 
Praxis 28. Jänner 2013

Nadelstichverordnung veröffentlicht!

Bis spätestens 11. Mai 2013 müssen „Sichere Instrumente“ durch den Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden.

Scharfe oder spitze medizinische Instrumente wie Injektionsnadeln, Blutentnahmekanülen, Pen-Nadeln und Skalpelle stellen in stressreichen Situationen eine Gefahr für Mitarbeiter im Gesundheitswesen dar. Dabei kommt es regelmäßig zu Verletzungen mit erheblichen Folgen. Auch der Arbeitgeber ist durch Kostenbelastungen für Arbeitsausfälle und Vertretungsregelungen unmittelbar betroffen. Schutz vor solchen Verletzungen bietet die „Nadelstichverordnung“, die am 7. Jänner 2013 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde und am 11. Mai in Kraft tritt. Sie verpflichtet Arbeitgeber im Gesundheitswesen zur Umstellung auf sichere Instrumente.

Bei allen Tätigkeiten mit Infektions- oder Verletzungsgefahr an scharfen oder spitzen medizinischen Instrumenten sind spätestens ab dem 11. Mai 2013 „Sichere Instrumente“ durch den Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen sowie für deren Verwendung zu sorgen. Dabei ist dem Grundsatz zu folgen, niemals davon auszugehen, dass kein Risiko besteht. Dies ist eine der Kernaussagen der aktuell veröffentlichten Nadelstichverordnung, die nun die entsprechende EU-Richtlinie 2010/32/EU zur Vermeidung von Verletzungen durch scharfe/spitze Instrumente im Krankenhaus- und Gesundheitssektor in österreichisches Recht umsetzt. Die darin geforderten „Sicheren Instrumente“ verfügen über eine integrierte Schutzvorrichtung, die ein versehentliches Stechen oder Schneiden nach Gebrauch verhindert. Das Wiederaufsetzen der Schutzkappe auf die gebrauchte Nadel (Recapping) ist laut Nadelstichverordnung verboten.

Entsorgung von scharfen oder spitzen Instrumenten

Auch sind sichere Verfahren für die Entsorgung von scharfen oder spitzen medizinischen Instrumenten festzulegen und umzusetzen. Die Entsorgung hat in stich- und bruchfesten, flüssigkeitsdichten, fest verschließbaren und undurchsichtigen Behältern zu erfolgen, die so nahe wie möglich am Anwendungsort aufzustellen sind.

Darüber hinaus verpflichtet die Verordnung Arbeitgeber dazu, ihre Mitarbeiter in der korrekten Verwendung von medizinischen Instrumenten mit integrierten Schutzmechanismen zu schulen und über deren Entsorgung zu unterrichten. Zudem müssen Arbeitgeber über Verletzungsrisiken und entsprechende Schutzmaßnahmen, wie sichere Arbeitsverfahren und Schutzimpfungen, aufklären. Die entsprechende Unterweisung der Mitarbeiter muss stets vor Aufnahme der Tätigkeit erfolgen und ist regelmäßig zu wiederholen. Ferner müssen erforderliche Maßnahmen für den Fall einer Verletzung festgelegt und den Mitarbeitern vorgestellt werden. Hierzu gehören beispielsweise die Beurteilung des Infektionsrisikos, die Postexpositionsprophylaxe und eventuell erforderliche Nachuntersuchungen. Eine Übersicht über entsprechende Maßnahmen ist auf der Homepage der Initiative SAFETY FIRST! unter www.nadelstichverletzung.at zu finden. Dies gilt auch für Subunternehmen und deren Mitarbeiter, die im Namen von Hospitälern, Pflegeeinrichtungen, etc. arbeiten.

„Es freut uns, dass die aktuelle Fassung der Nadelstichverordnung nun ausdrücklich eine Unterweisung der Mitarbeiter über die Gefahren von scharfen oder spitzen medizinischen Instrumenten vorsieht. Diese positive Konkretisierung wird das Bewusstsein über die Konsequenzen von Nadelstichverletzungen verstärken“, betont Dr. Stephan Konzett, Mitglied der Initiative SAFETY FIRST Österreich sowie Arbeitsmediziner und Hygienebeauftragter Arzt im Krankenhaus Feldkirch. „Zudem begrüßen wir die Verpflichtung zu systematischen Meldeverfahren“, ergänzt Leopold Karner, Mitglied der Initiative SAFETY FIRST Österreich sowie Hygienefachkraft am Landesklinikum Krems. Mit der Meldepflicht, auch von Beinahe-Unfällen, soll dabei keinesfalls individuelles Fehlverhalten an den Pranger gestellt werden, sondern durch das Aufdecken von systemischen Fehlern gilt es, künftige Risiken zu vermeiden.

Quelle: SAFETY FIRST! Österreich

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben