zur Navigation zum Inhalt
© kk-artworks / Fotolia.com
© Doug Cannell / iStockphoto.com
 
Praxis 16. Jänner 2013

Heimische Analysten verschreiben CEE-Pharmaaktien

Positive Aussichten für Health Care-Sektor mit Egis, Gedeon Richter und Krka.

Moderate Bewertungen und der Mangel an attraktiven Alternativen sollten 2013 einen Anstieg der globalen Aktienindizes unterstützen. Daher werden Firmen mit einem hohen Grad an geografischer Diversifikation und einer breiteren Kundenbasis auf eine bessere Cash-Flow-Generierung verweisen können. „Anleger sollten Investitionen in Telekommunikations- und Versorgeraktien meiden, während wir den CEE-Gesundheitssektor zum Kauf empfehlen“, erklärte Erste Group-Chefanalyst Friedrich Mostböck anlässlich eines Pressegesprächs.

Insbesondere seit der Jahrtausendwende haben Aktien des Gesundheitssektors gezeigt, dass sie in turbulenten, volatilen Börsenphasen geeignet sind, zu einer gewissen Stabilisierung des Portfolios beizutragen. So legte der Stoxx Europe 600 Health Care-Index in den letzten fünf Jahren um rund 13 Prozent zu, während der breite Stoxx Europe 600-Index um mehr als 29 Prozent an Wert einbüßte.

Laut einer Studie des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts aus dem Vorjahr zählt die Gesundheitsbranche dank der sehr günstigen Angebots- und Nachfrageperspektiven zu den interessantesten Wachstumsmärkten. Gleichzeitig sprechen mehrere Fundamentaldaten für eine langfristig prosperierende Entwicklung dieses Sektors: Die Weltbevölkerung ist weiterhin im Steigen begriffen, gleichzeitig wird im Westen und in Japan die Bevölkerung im Schnitt immer älter und die Gesundheitsausgaben nehmen überproportional zum Einkommen zu. Darüber hinaus besteht in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern ein enormer Nachholbedarf an medizinischer Grundausstattung sowie an Geräten und Medikamenten, während in Industrieländern die Nachfrage in den Bereichen Prävention und Wellness (2. Gesundheitsmarkt) zunimmt. Somit wird künftig nicht nur die Nachfrage nach Pharmazeutika zur Behandlung von Krankheiten und gesundheitlichen Beschwerden zunehmen, sondern auch nach Vorsorgeprodukten wie Nahrungsergänzungsmittel, Vitaminpräparaten und funktionellen bzw. prophylaktisch wirkenden Produkten steigen. Davon dürfte besonders die CEE-Pharmabranche profitieren.

Krka-Aufwärtspotential intakt

„Wir erwarten, dass die slowenische Krka mit ihrer Unternehmenszentrale in Nove Mesto (nach Umsätzen weltweit der sechstgrößte Generika-Konzern), die in ihrer Branche hervorragend positioniert ist, dem Preisdruck der Branche durch weitere Expansion in den westeuropäischen Märkten und durch Ausweitung der Produktionskapazitäten in Slowenien und Russland trotzen wird“, betont CEE-Pharmaanalyst Daniel Damaska von der Raiffeisen Centro Bank (RCB). Die Aktie sollte weiters vom erwarteten Launch der neuen Krebs-Generika wie Temozolmide und Imatinib sowie des Antirheumatikums Celecoxib profitieren. Am 3. Jänner 2013 notierte die Aktie bei 52 Euro. „Wir empfehlen, den Titel zum Kauf mit einem Kursziel von 69,50 Euro“, ergänzt Erste CEE-Analyst Henning Esskuchen.

Für Krka spricht weiters die hohe Innovationskraft, die Qualität der Forschungs- und Entwicklungsabteilung und der steigende Umsatz in den westeuropäischen Märkten. Insgesamt erwarten die Analysten für heuer Umsätze von 1,2 Milliarden Euro. Rund die Hälfte ihrer Umsätze generiert die Krka im Herz-Kreislauf-Sektor, gefolgt von 16 Prozent im Bereich entzündungshemmende Substanzen.

Kaufempfehlung für Gedeon Richter

Der ungarische Pharmakonzern Gedeon Richter verfügt über vier Produktionsstätten und Niederlassungen in 30 Ländern weltweit. Der Konzern ist spezialisiert auf die Generikaproduktion mit Fokus auf den Bereich Zentralnervensystem, Onkologie und Immunologie. In Zukunft will man sich verstärkt Originalpräparaten widmen, die ersten Produkteinführungen im Bereich antipsychotische Medikamente wird im kommenden Jahr erwartet. „Richter ist der einzige Zentraleuropäische Pharmakonzern, dem es gelingen könnte (in Kooperation mit dem US-Konzern Forrest Laboratories), ein Originalpräparat auf den Markt zu bringen“, betont Vladimira Urbáncová, CEE-Pharmaanalystin der Erste Group. Es handelt sich dabei um ein Antidepressivum, das auf dem Molekül „Cariprazine“ basiert.

Gedeon Richter zählt auch für die institutionellen Investoren zu den interessantesten Aktien der Budapester Börse. Daher sollte die Aktie von der erwarteten Verbesserung der politischen und makroökonomischen Aussichten des gesamten Landes als eines der ersten Unternehmen profitieren. Sowohl die RCB als auch die Erste Group geben daher für Richter Kaufempfehlungen ab.

Am 3. Jänner notierte die Aktie bei 37.160 Forint, das Kursziel der Erste Group beträgt 50.200 Forint. „Wir erwarten eine weitere Erholung von Gedeon Richter, wobei die Verdoppelung der Dividende besonders positiv zu bewerten ist, während die Renditen nach wie vor niedrig sind“, so Urbánková.

Egis profitiert von „Biosimilars“

Die ungarische Egis befindet sich zu 51 Prozent im Besitz des französischen Servier-Konzerns. Weiters besteht eine strategische Partnerschaft mit der Südkoreanischen Celltrion-Gruppe. In Kürze wird das Unternehmen das zweite von geplanten acht Biosimilar-Produkten auf den Markt bringen.

Das Unternehmen verfügt in Zentraleuropa und in Russland über einen ausgezeichneten Ruf und konzentriert sich auf die Herstellung von modernen Generika-Produkten in den Bereichen Herz-Kreislauf, Zentralnervensystem und Atemwegserkrankungen. „Unter der Annahme, dass beide Biosimilars über ein Marktpotenzial von 30 Mllionen US-Dollar verfügen“, haben wir unsere mittelfristige Umsatzwachstums-Prognose von drei auf sieben Prozent erhöht“, erklärt RCB-Analyst Damaska. Daher bestätigt die RCB ihre Kaufempfehlung für Egis, das aktuelle Kursziel lautet 22.400 Forint.

Die zehn CEE-Top-Empfehlungen

„Wir sehen besonders die CEE-Autoproduktion als Wachstumstreiber. Jedes vierte in der EU produzierte Auto wird das Schild `Made in CEE´ tragen“, erklärt Mostböck. Die ehemalige Tschechoslowakei ist mit geschätzten zwei Millionen PKW´s im Vorjahr der zweitgrößte Autoerzeuger Europas nach Deutschland. Die Autoherstellung in dieser Region gewinnt kontinuierlich Marktanteile und profitiert von ihren kompetitiven Arbeitskosten und der starken Präsenz von deutschen (VW, Skoda) und asiatischen Herstellern (Kia, Hyundai, Toyota). „Das Wachstum sollte daher 2013 in CEE stabil bei zwei Prozent bleiben, 2013 rechnen wir mit einer Beschleunigung“, prognostiziert Mostböck. Dies düfte auch dem globalen Wachstum einen dringend benötigten Impuls geben, speziell den Exporten der Eurozone. Vor diesem wirtschaftlichen Hintergrund lauten die aktuellen CEE-Top-Picks der Erste Group für das 1. Quartal 2013: Semperit, Polytec und Verbund an der Wiener Börse, sowie Akfen, Turnular REIT, Halkbank und Isbank (Türkei). „Bei den beiden türkischen Banken gefällt uns ihr Engagement im Retailgeschäft“, betont Esskuchen. An der Rumänischen Börse hat es der Versorger-Titel Fondul Proprietatea in die Top Ten geschafft und Kursgewinne verbucht. Das Kursziel beträgt 0,65 Rumänische Leu. Dazu kommen die oben erwähnten Pharmatitel Krka und Gedeon Richter.

M. Strausz, Ärzte Woche 3/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben