zur Navigation zum Inhalt
© frank peters/fotolia.com
Perspektiven für das neue Jahr 2013
 
Praxis 13. Jänner 2013

Finanzmarktausblick 2013: Europa verlässt die „Intensivstation“

Die Attraktivität der Aktien steigt, Anleihen der Peripherieländer bleiben interessant.

Nach Analystenansicht hat Europa bei Bewältigung der Staatsschuldenkrise 2012 Fortschritte erzielt, dennoch sitzen die Probleme tief. Immer wichtiger wird das „Stock picking“, denn in den einzelnen Wirtschaftssektoren findet sich ein breites Bewertungsspektrum.

„Die jüngsten geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Fed haben die Lage an den internationalen Finanzmärkten deutlich stabilisiert und das Anlegervertrauen verbessert“, erklärte Fidelity-Fondsmanager Mat Siddle. Angesichts der trüben Aussichten der globalen Konjunktur werden aber Gewinne und Rentabilität vieler Unternehmen leiden. „Daher rechne ich auch 2013 mit einer schwachen Konjunktur und volatilen Börsen“. Ungeachtet der konjunkturellen Entwicklung gibt es in Europa jedoch viele Firmen, die im historischen Vergleich und auch verglichen mit anderen Anlageklassen außerordentlich günstig bewertet sind. Besonders interessant sind multinationale Unternehmen mit robusten Geschäftsmodellen und gesunden Bilanzen, die gut positioniert sind, um vom Konsumhunger der Emerging Markets zu profitieren. Gewinne versprechen vor allem Unternehmen mit genügend Preismacht, die etwaige Preiserhöhungen an ihre Kunden weitergeben können. „Daneben halte ich günstig bewertete Titel aus dem zyklischen Konsumgüter- und Mediensektor für vielversprechend. Auch der Energiesektor profitiert von einem starken Nachfrageausblick“, ergänzte Siddle.

CEE gegenüber Westeuropa bevorzugt

Eine Hürde bei der Krisenüberwindung werden Griechenland, Spanien und Italien bleiben. Daher bleibt AXA-Investmentstratege Franz Wenzel für das erste Halbjahr 2013 zurückhaltend pessimistisch. Vorerst werde Europa in der Rezession bleiben, erst ab dem dritten Quartal sei mit einer Erholung zu rechnen: „Wenn wir eine schwarze Null im Wachstum der Eurozone bekommen, dann müssen wir froh sein“, sagte Wenzel.

„Bevorzugt bleiben innerhalb Europas die Zentral- und Osteuropäischen Länder (CEE), betont Erste Bank Chef-Analyst Friedrich Mostböck. Hier werde auch im kommenden Jahr das Thema Rezession keine Rolle spielen. Dafür gäbe es zwei Hauptgründe: eine deutlich geringere Verschuldung – die meisten CEE-Länder mit Ausnahme Ungarns liegen unter 60 Prozent Verschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) und ein gegenüber den meisten westlichen Industriestaaten positives Wachstum zwischen 1,2 bis 1,5 Prozent.

Der internationale Kreditversicherer Coface rechnet für das kommende Jahr in der CEE-Region sogar mit einem durchschnittlichen Wachstum von 1,8 Prozent, wobei Ungarn mit einem Prozent und Tschechien mit 1,5 Prozent Wachstum unter dem Schnitt der Region liegen.

Aufgrund des krisenbedingten Aufholbedarfs werden den baltischen Staaten wie Litauen (+3,5%) und Lettland (+3,6%) das größte Wirtschaftswachstum vorhergesagt. Zum Vergleich wird das Wirtschaftswachstum laut Coface in Österreich bei 1,7 Prozent liegen. „CEE ist eine vielfältige Region, die sich dynamisch entwickelt. Gerade deshalb ist es besonders wichtig, die einzelnen Märkte möglichst präzise und differenziert zu beobachten“, erklärte Katarzyna Kompowska, Executive Managerin Coface Europe.

Aktien schlagen Anleihen

Durch die gesetzten Schritte zur Überwindung der Eurokrise sowie der zyklischen Konjunkturerholung bleiben Aktien auch 2013 interessant. „Die von uns bevorzugten Qualitätsunternehmen mit langfristig verteidigbaren Wettbewerbsvorteilen und einer soliden Bilanz sind im Schnitt leicht unterbewertet und bieten nach wie vor attraktive Chancen“, betonte Robert Karas, Asset Management Direktor der Schöllerbank. Relativ gesehen hat die Aktie an Attraktivität gegenüber Alternativen im festverzinslichen Bereich gewonnen. Dem Deutschen Aktienindex (DAX) gibt Wenzel für 2013 ein Potenzial von 15 Prozent, dem US-Aktienindex Dow Jones zehn Prozent.

Besonders attraktiv seien Aktien aus den Schwellenländern, insbesondere in Asien. Für die USA bleibt Wenzel neutral, für Japan und Großbritannien empfiehl er eine Untergewichtung. „Bei der Wiener Börse rechnen wir 2013 mit einem Wachstum im zweistelligen Bereich“, prognostizierte Mostböck. Das Raiffeisen Research prognostiziert für das Ende des 1. Quartals 2013 einen ATX-Stand von 2.480 Punkten und für das Ende des ersten Halbjahres 2.500 und gegen Jahresende 2600 Punkte. Noch optimistischer ist man bei der Erste Bank: Mostböck prognostiziert einen ATX-Jahresendstand von 2.700 Punkten. „Unsere Top-Aktienempfehlungen lauten: RHI, CA Immo, voestalpine und Rosenbauer sowie Lenzing und Wienerberger als Verlierer des abgelaufenen Aktienjahres“, so Stefan Maxian, Research-Leiter der Raiffeisen Centro Bank.

Das Fondsmanagement der DWS Investments sieht die Anleihemärkte weiterhin von politischen Entscheidungen dominiert, auch wenn die Sorge um eine Eskalation der Verschuldung aktuell etwas in den Hintergrund getreten ist. „Der Euro-Geldmarkt antizipiert weitere Leitzinssenkungen“, prognostizierte Stefan Kreuzkamp, Leiter des Rentenfondsmanagements der DWS in Europa. „Die angestrebte Nullzins-Politik der vier großen Zentralbanken lässt die Gefahr negativer Zinsen weiter steigen.“

Bundesanleihen, für viele Investoren ein „Hort der Sicherheit“, kosten unter Berücksichtigung der Inflationsrate bereits Geld und bringen somit negative Realrenditen. „Höhere positive Renditen sind nur noch bei Carry-Währungen oder bei Peripherie-Staatsanleihen und Covered Bonds zu erzielen“, warnte Kreuzkamp. Attraktiv erscheinen insbesondere Staatsanleihen der Peripherieländer Portugal, Irland, Spanien und Italien. Erstens sichere das Anleihen-Kaufprogramm der EZB das Risiko nach unten ab und zweitens wurde der Großteil der wachstumsbremsenden Sparmaßnahmen in diesen Ländern bereits 2012 umgesetzt. Das beste Chancen-Risikoverhältnis bieten dabei Papiere mit einer Restlaufzeit von rund fünf Jahren.

Aufwärtstrend bei Gold intakt

Auch 2012 setzte Gold im elften Jahr hintereinander seinen Höhenflug fort und legte um mehr als zehn Prozent zu. 2.900 vom Finanzdienst Bloomberg befragte Analysten prognostizieren für das vierte Quartal 2013 einen Goldpreis von 1.925 US-Dollar pro Unze. Die Deutsche Bank rechnet bereits im ersten Halbjahr mit einem Testen der 2.000 Dollargrenze. „Die Einflussfaktoren für Gold sind weiterhin positiv, wie die negativen Realzinsen, ein schwaches Angebotswachstum und die erwartete Wirtschaftserholung in China“, rechnete Volksbank Rohstoff-Analyst und Fondsmanager Ullrich Baumann 2013 mit einem Ansteigen des Goldpreises um 15 bis 20 Prozent. Angesichts des niedrigen Anteils, welchen die Zentralbanken beispielsweise in China halten (2% der Reserven), während in USA, Deutschland und Frankreich der Anteil bei 70 Prozent liegt, besteht auch von dieser Seite eine reelle Chance, dass die Zentralbanken sowohl 2013 als auch in den kommenden Jahren als Nettokäufer von Gold auftreten werden.

Noch positiver sieht der Rohstoff-Experte die Preisentwicklung für Silber. Aufgrund des engeren Marktes und der höheren Preissensibilität könnte der Anstieg bei Silber bis zu 25 Prozent ausmachen. „Ich persönlich bevorzuge Silber und erwarte ein 1,5 Mal so starkes Silberwachstum im Vergleich zu Gold“, so Baumann abschließend.

M. Strausz, Ärzte Woche 1/2/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben