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Praxis 30. Juni 2005

Heilsame Imagination

Über die Rückmeldung biologischer Signale lernen, sich selbst in einen entspannten Zustand zu bringen - so kann das zentrale Heilungskonzept von Biofeedback umschrieben werden, das in Wien bei einem Seminar genauer vorgestellt wurde.

Manchmal stimmt zwischen zwei Menschen, wie man in der Alltagssprache gerne sagt, einfach die Chemie nicht. Das trifft auch auf die Arzt-Patient-Beziehung zu. Jeder Arzt kann gewiss auf Anhieb ein paar Klienten anführen, "mit denen er nicht kann? Kommen die in seine Sprechstunde, verziehen sich automatisch seine Mundwinkel nach unten, wenn sich nicht gar sein ganzer Körper versteift. Was kann da helfen? "Stellen Sie sich die Situation bereits im Voraus vor Ihrem inneren Auge vor, atmen Sie dabei tief aus und wünschen Sie jenem Patienten nur das Beste.?

Selbsterfahrung und -therapie

Allein durch diese rituelle Übung könne der Arzt bereits viel Spannung in sich selber abbauen. Das meint jedenfalls Erik Peper, der Professor und Direktor des Institutes für Holistic Healing Studies an der San Francisco State University gab diesen Tipp bei einem von ihm geleiteten Seminar zu "Stressmanagement?in Wien. (Veranstalter: Wiener Internationale Akademie für Ganzheitsmedizin zusammen mit dem Institut Holistic Learning).
Über zwei Tage ging das Seminar, das sich vor allem an Ärzte und Therapeuten richtete. Im Mittelpunkt stand dabei mit Biofeedback (nicht zu verwechseln mit Bioresonanz!) eine Therapieform, die dem klassischen Heilungsschema nicht ganz entspricht, da sie vor allem den Aspekt der Selbsterfahrung und -therapie betont. Motto: Nicht auf fremde Hilfe von außen, sei sie auch medikamentöser Art, hoffen, sondern die Macht der Imagination, allgemeiner: des Geistes dazu nutzen, selbst in die eigenen inneren Prozesse regulatorisch einzugreifen. Denn wie sagte schon Paracelsus: "Die Macht der Imagination ist ein bedeutender Faktor in der Medizin.?br> Es ist geradezu ein Wesensmerkmal amerikanischer Universitätsprofessoren, dass sie, im Gegensatz zu ihren europäischen Kollegen, sich in ihren Vorträgen weniger um ihre akademische Reputation sorgen als vielmehr darum, dass sie ihre Zuhörerschaft langweilen könnten. Auch bei Peper fiel auf, dass er bei seinen Ausführungen nie den Unterhaltungswert zu kurz kommen ließ. Einmal zeigte er auch die Videoaufzeichnung eines indischen Yogis, der sich Nadeln durch Hals und Zunge sticht, ohne Schmerzen dabei zu empfinden und ohne dass es auch nur zu einem Tropfen Blut kommt. Diese Art Trance-Zustand ist freilich erst durch jahrelanges Training zu erreichen.

Die Kraft des Willens

Die Seminarteilnehmer orientierten sich an vergleichsweise bescheideneren Zielen. Etwa darauf zu achten, in schwierigen Situationen nicht instinktiv den Atem anzuhalten, sondern im Gegenteil tief durchzuatmen. Und es sich überhaupt zur Gewohnheit werden zu lassen, tiefer in den Bauchraum hinein zu atmen, was, wie bei dem Seminar mittels Messung demonstriert wurde, unmittelbar zu einer Beruhigung des Herzschlags führt.
Nicht zuletzt ging es bei dem Seminar auch darum, die eigene Muskelspannung besser kontrollieren zu lernen. Dieser Wert (EMG) wurde, mit Sensoren am Unterarm gemessen, grafisch auf dem Computerbildschirm dargestellt. So konnte der Teilnehmer sehen, dass sich mit jeder Spannungsänderung auch der abgebildete Kurvenverlauf ändert. Die unmittelbare Rückmeldung ist in der Biofeedback-Therapie eine große Hilfe für den Klienten, innerhalb kurzer Zeit zu lernen, allein mit der Kraft des Willens den eigenen Spannungszustand zu regulieren. Und darum geht es auch zentral bei diesem Heilungskonzept: um das Steuern von Körperfunktionen, die dem autonomen Nervensystem unterliegen und dadurch normalerweise dem Willen entzogen sind. Jeder soll - innerhalb gewisser Grenzen - seiner Gesundheit eigener Schmied sein.

Info: Wiener Internationale Akademie für Ganzheitsmedizin, SMZ Baumgartner Höhe, Sanatoriumstr. 2, 1140 Wien, Tel: 01/6887507, www.gamed.or.at 

Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 40/2003

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