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Praxis 30. Juni 2005

Ärzte sprechen etwa 11 Minuten mit Patienten

Gent. Das Gespräch des Hausarztes mit seinem Patienten dauert in Deutschland durchschnittlich 7,6 Minuten. Dies sind Ergebnisse einer im "British Medical Journal" (Bd. 325, S. 472) veröffentlichten Studie belgischer Wissenschaftler. Die Forscher haben die Länge der Patientengespräche bei 190 Hausärzten in Deutschland, Spanien, Großbritannien, Belgien, der Schweiz und den Niederlanden gemessen und Bestimmungsgründe für deren unterschiedliche Länge untersucht. Dazu nahmen die Wissenschaftler Gespräche mit 3.674 Patienten auf Video auf. Zusätzlich befragten sie Ärzte und Patienten über den Gesprächsverlauf. Die durchschnittliche Dauer einer Konsultation beim Hausarzt beträgt 10,7 Minuten.

Am längsten sprechen Ärzte in der Schweiz (15,6 Minuten) und in Belgien (15,0) mit ihren Patienten. Die Niederlande (10,2) und Großbritannien (9,4) bilden die Mittelgruppe. Am kürzesten dauern die Gespräche in Spanien (7,8) und in Deutschland (7,6). Die Wissenschaftler konnten eine Reihe von Bestimmungsgründen für die unterschiedliche Gesprächsdauer feststellen:

  • Patientengespräche dauern bei einem Hausarzt in der Stadt 1,5 Minuten länger als in der Landarztpraxis. 
  • Die Konsultation einer Patientin nimmt eine Minute mehr in Anspruch als bei einem Patienten. 
  • Werden zwischen Arzt und Patient neue Beschwerden besprochen, dauert das Gespräch 51 Sekunden länger als bei bereits bekannten Problemen. 
  • Wichtigen Einfluss auf die Gesprächslänge hat der Eindruck des Arztes, dass den Beschwerden ein psychosoziales Problem zugrunde liegt. Dann dauert die Konsultation 50 Sekunden länger als im Durchschnitt. Nicht untersucht wurde, welchen Einfluss unterschiedliche Vergütungssysteme in den Ländern auf die Gesprächsdauer haben. Dxie Autoren erklären lediglich, die Bezahlung des Arztes durch Patienten im Anschluss an die Behandlung befördere eine Haltung des "time for money" und könne die langen Gesprächszeiten in Belgien und der Schweiz erklären. 

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