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© Briana Pfaffel
© Bordeaux-Traders
 
Praxis 11. Dezember 2012

Mehr „Lebenswasser“ ins Depot

Immobilien sind teuer, die Sparzinsen am Boden. Wie wäre es mit einer flüssigen Alternative?

Whisky mausert sich in den letzten Jahren zu einer lukrativen Geldanlage.

Whisky, abgeleitet vom gälischen Begriff „uisge beatha“ – Wasser des Lebens – wird in Schottland seit Jahrhunderten gebrannt und kann im teuersten Fall den Preis einer Wohnung erreichen. Im September 2012 wurde im Duty-Free des Changi Airports Singapur eine Flasche „Dalmore Single Malt 1962“ für 145.000 Euro verkauft. Vor zehn Jahren hatte die Flasche nur ein Fünftel gekostet. Bei Sotheby´s erzielte ein „Macallan 1964“ im November 2010 sogar 460.000 US-Dollar. Whisky als Anlagemöglichkeit erscheint auf den ersten Blick dennoch ziemlich exotisch. Bisher hatten Bordeaux-Weine, die man bei negativer Preisentwicklung wenigstens austrinken konnte, als Investmentobjekt eindeutig die Nase vorne, wie zahlreiche Auktionen bei Sotheby´s und Christie´s beweisen. Doch in den letzten Jahren mausert sich der Getreidebrand, der von den Iren oder Schotten erfunden wurde, zu einer lukrativen Geldanlage. So legte der Wert renommierter Single Malts (Bowmore, Port Ellen) in den letzten 30 Jahren um das Fünf- bis Zehnfache zu.

Das „Gold Schottlands“ als Objekt der Begierde

„Nur rund zehn Prozent aller verkauften Whiskys sind Single Malts, jene hochwertigen Produkte, deren weltweite Reputation allenfalls von Cognacs der Spitzenklasse erreicht wird“, berichtet der österreichische „Whisky-Papst“, Dr. Mario Prinz. Als Single Malts werden Whiskys bezeichnet, die folgende Voraussetzungen erfüllen: Sie stammen aus einer einzigen Brennerei, sind also kein Blend aus mehreren Whiskysorten. Zweitens wird dieser Whisky ausschließlich aus gemälzter Gerste nach dem Pot-Still (Brennblasen) -verfahren hergestellt. Single Malts sind besonders hochwertig und zeichnen sich durch ihre lange Lagerfähigkeit (10 bis 30 Jahre +) aus. „Single Malts werden in Schottland noch in rund 85 Distilleries produziert“, erzählt Prinz. In einigen bereits geschlossenen Brennereien („lost Distilleries“) liegen größere Mengen an einzigartigen Malts auf Lager. „Unter Investmentgesichtspunkten sind die Single Malts aus lost Distilleries (Port Ellen, Glenlochy, Banff, Glenury, North Port Brechin, Littlemill, Rosebank, Linllithgow, Coleburn, Convalmore, Pittyvaich etc..) besonders interessant. Wenn keine weiteren Fässer für die Abfüllung zur Verfügung stehen, dann sind in fünf bis zehn Jahren bei aktuellen Flaschenpreisen von 300 bis 600 Euro bis zu 1.000 Euro drinnen“, betont Prinz.

Das Wertsteigerungspotenzial bestehender Brennereien sei hingegen wesentlich schwerer zu beurteilen. „Da gehört viel Fingerspitzengefühl und Produktkenntnis dazu und selbst dann ist die Wahrscheinlichkeit einer Wertsteigerung häufig eine Glückssache“, warnt Prinz vor übertriebener Goldgräberstimmung. Die Produkte mit hohem Steigerungspotenzial sind rar, weil die Zuteilung pro Land oft nur zwölf oder weniger Flaschen betrage. Eine Einzelfassabfüllung umfasse oft nur etwas mehr als 100 Flaschen und die werden dann weltweit vermarktet. Da bekomme der Einzelne gerade eine Flasche ab. Dennoch gelten limitierte Auflagen oder Sonderabfüllungen als Sammlerstücke mit Potenzial.

„Ein weiterer Investmenttipp sind Erstabfüllungen“. Beispielsweise wurde die Erstabfüllung der Kilchoman-Distillery vor drei Jahren um 55 Euro verkauft, mittlerweile zahlen Sammler bereits das Sechsfache dafür. Besonders in Russland, Asien und Indien erfreuen sich Whiskys wachsender Beliebtheit, was angesichts des geringen Angebots an Single Malts mittelfristig zu weiteren Preissteigerungen führen dürfte. Wichtig ist es, die begehrten Sammlerstücke im Stehen und an einem trockenen und kühlen Ort zu lagern und den Kaufbeleg aufzuheben.

Vom Mälzen zur Reifung

Sowohl das Wasser, die Mälzungsart der Gerste, Konstruktion und Beschaffenheit des Pot Stills, Dauer der Lagerung, Fassqualität und geografische Besonderheiten beeinflussen das Produkt. Whiskeys aus den vier klassischen Whisky-Regionen (Lowlands, Islands, Speyside und Highlands) weisen jeweils einen ausgeprägten speziellen Charakter auf. Gemäß EU-Verordnung muss Whisky einen Alkoholgehalt von mindestens 40 Prozent aufweisen. Anders als Blended-Whiskys wird Single Malt pur oder mit weichem Quellwasser und bei Zimmertemperatur genossen, um die in der Regel sehr komplexen Geschmacksusancen wahrnehmen zu können. Zum Mälzen wird die Gerste 48 bis 60 Stunden in Quellwasser eingeweicht und anschließend auf ebenen Flächen (Mälzböden) ausgebreitet und in acht bis zehn Tagen regelmäßig gewendet. Die Gerste beginnt zu keimen und die im Korn vorhandenen Enzyme werden aktiviert, welche die Stärke in verschiedene Doppel- und Einfachzucker umwandelt. Die Gerste wird in einer Darre (Trocknungsvorrichtung) ausgebreitet und durch den Rauch und die Hitze des Feuers getrocknet. Wird zur Feuerung Torf verwendet, erhält das Gerstenmalz seinen torfig-erdigen Geschmack. Das Gerstenmalz wird gereinigt, zu Schrot gemahlen, in Maischebottiche gefüllt und mehrfach mit erhitztem Quell- oder Moorwasser übergossen. Dabei lösen sich Zucker und andere Malz-Bestandteile, wobei die unerwünschten Fette und Eiweißstoffe abgeseiht werden. Die Würze wird zur Abtötung unerwünschter Mikroorganismen aufgekocht, in große Gärbottiche gefüllt und nach Abkühlung durch die Zugabe von speziellen Hefen 40 bis 72 Stunden zum Gären gebracht. Die entstandene Gärbrühe (wash) hat einen Alkoholgehalt von 6 bis 10 Prozent. Die folgende Destillation findet in Kupfer-Brennblasen statt, wo die wash erhitzt und zum Sieden gebracht wird. Die aufsteigenden Dämpfe werden durch den Kühler aus wassergekühlten Kupferschlangen geleitet, wo sie zum Rohbrand mit rund 18 bis 24 Prozent Alkohol kondensieren. Danach wird der Rohbrand in eine zweite, kleinere Brennblase gepumpt, abermals erhitzt und kondensiert. Vor- und Nachlauf werden vom Brennmeister abgetrennt. Der Mittellauf genannte Teil des Kondensats mit 65 bis 70 Vol.-% Alkohol wird gesammelt und zur Whiskyherstellung weiter verwendet.

Die Fassreifung

Anschließend erfolgt die mindestens drei Jahre lang dauernde Reifung in (gebrauchten Bourbon- oder Sherry) -Eichenfässern, die für rund 60 bis 80 Prozent des Geschmackerlebnisses verantwortlich zeichnen. Hierbei sind die Holzart, Vornutzung des Fasses, die Lage des Fasskellers, das Mikroklima und die Reifedauer die wichtigsten Faktoren. Pro Jahr verdunstet über die Poren der geschlossenen Fässer etwa 0,5 bis 1 Prozent des Destillats, der so genannte „Angels share“. Das häufig verwendete schottische Hogshead-Fass hat einen Inhalt von 250 Litern. Manche Single Malts erreichen ihren ersten Höhepunkt nach 10 bis 15 Jahren, viele auch wesentlich später. Für die Abfüllung in Flaschen wird dem Whisky Wasser hinzugefügt, um auf eine gebräuchliche Trinkstärke von 40 bis 46 Prozent zu kommen. Unverdünnte Abfüllungen, die direkt in Fassstärke abgefüllt werden und erst vom Konsumenten auf Trinkstärke verdünnt werden, erfüllen sich zunehmender Beliebtheit, weil sie intensiver und komplexer im Aroma sind.

Weininvestment-Tipp

Weinbroker Robin Khanna (www.bordeaux-traders.at) rät Privatkunden angesichts der gesunkenen Investmentgrade-Weinpreise rund 20.000 Euro in folgende Weine zu investieren (Anlagehorizont drei Jahre). Eine Kiste Château Lafite Rothschild 2009. Preis: 10.000 Euro. Dieser Wein ist mit 99+ Parkerpunkten bewertet. Für 9.000 Euro ist eine Kiste Château Mouton Rothschild 1986 (100 PP) erhältlich. Es sind weltweit nur mehr wenige Kisten verfügbar und der Preis ist zuletzt deutlich gefallen. Die restlichen 1.000 Euro empfiehlt der Weinexperte in Subskriptionsweine (Wein-Futures) zu investieren, aber damit bis Frühjahr 2013 zu warten, um in die En-Primeurs 2012 zu investieren. „Weitere Schnäppchen sind derzeit der Lafite 2009 und der Mouton 1986“, so Khanna abschließend.

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