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Praxis 5. November 2012

SVA Urbefragung

118.600 abgegebene Fragebögen entsprechen einer Beteiligung von 21,8 Prozent.

„Wir haben die SVA-Versicherten zur Mitgestaltung eingeladen und ich bin sehr stolz, dass so viele dieses Angebot angenommen haben“, berichtet SVA-Obmann Christoph Leitl anlässlich der Ergebnispräsentation der SVA-Urbefragung. Die Versicherten deponierten ihre Meinungen zu den Themen Gesundheitsprävention und Eigenverantwortung, dem Selbstbehalte-System, der Zukunft des solidarischen, einkommensabhängigen Beitragssystems und zu den Dienstleistungen der SVA.

Die österreichischen Selbstständigen müssen im Gegensatz zu Angestellten bei Arztbesuchen zusätzlich in die Tasche greifen und einen Selbstbehalt von 20 Prozent bezahlen. Wer am neuen Präventionsprogramm „Selbständig Gesund“ teilnimmt, bei dem es darum geht, mit dem Arzt festgelegte Gesundheitsziele zu erreichen“, kann bei Erreichung der Ziele davon die Hälfte einsparen. Demzufolge werde das freiwillige Präventionsprogramm nicht nur akzeptiert, sondern mit 58,3 Prozent Zustimmung an erster Stelle der Themenpriorisierung gereiht. Daher wird das bisherige Pilotprojekt nun in den Regelbetrieb übergeführt und als fixe Leistung der SVA angeboten, basierend auf Freiwilligkeit und mit einem Bonussystem.

Bereits im ersten Halbjahr 2012 gab es im Vergleich zur Vorjahresperiode eine Zunahme der Gesundenuntersuchungen um 46 Prozent. „Vorsorge ist besser und billiger als heilen. Die SVA-Pionierfunktion in Österreich sollte ganz auf Linie des Gesundheitsministers liegen“, sagte Leitl. Ein sehr klares Votum ergab das Thema Eigenverantwortung: 82,9 Prozent sind für die Beibehaltung des Selbstbehaltes und gegen eine Beitragserhöhung. Auch die Frage nach einer stärkeren Umverteilung brachte ein eindeutiges Ergebnis: 79,5 Prozent sind für Versicherungsbeiträge, die nach dem Einkommen gestaffelt sind.

Top 3-Wünsche der Versicherten

Nach dem Wunsch für geringere Beiträge/Selbstbehalte für gesunden Lebensstil (58,3%) wünschen sich 29 Prozent eine Vereinfachung von Ausnahmemöglichkeiten von der Pflichtversicherung bei geringen Einkünften und bei den Mehrfachversicherungen. Schließlich sind 25,4 bzw. 23,3 Prozent für die schrittweise Senkung der Mindestbeiträge und einen größeren gesetzlichen Spielraum für Hilfe bei individuellen Zahlungsschwierigkeiten.

Für die Geringverdiener unter den Selbstständigen ist vor allem der Mindestbeitrag zur Sozialversicherung ein Problem. Das sind rund 2.000 Euro im Jahr, die auf jeden Fall bezahlt werden müssen – auch bei niedrigem Einkommen. Dazu sagte der stellvertretende SVA-Obmann Wilhelm Turecek: „Um 1,5 Euro am Tag sind Neugründer bei der SVA krankenversichert, um drei Euro pensionsversichert. Wenn Sie Ihre Kfz-Versicherung nicht bezahlen, nimmt man Ihnen die Nummerntafel weg, bei uns erhält man nur einen eingeschriebenen Brief.“

„Einen ersten großen Erfolg können wir bei einer weiteren zentralen Forderung unserer Versicherten verbuchen“, berichtet der stellvertretende SVA-Obmann Peter McDonald. „Bei der Frage nach Krankengeld für Selbständige und Verbesserung bei Wochen- und Kinderbetreuungsgeld spricht sich mit 48,4 Prozent der Frauen eine große Zahl direkt Betroffener für Verbesserungen aus.“ Und genau in diesem Bereich konnte man schon einen großen Schritt machen und eine völlig neue Unterstützungsleistung bei längerer Krankheit auf den Weg bringen.

Turecek berichtet von drei wichtigen Servicethemen, auf die sich die Befragten festlegten: „Mehr Transparenz bei der Beitragsvorschreibung (50,8%), Ausbau der individuellen Beratung (33,4%) sowie der Informationsausbau im Internet (23,6%).

Kritiker fühlen sich bestätigt

„Die Präsentation der Ergebnisse der SVA-Urbefragung bestätigt unsere Befürchtungen. Sie hat sich als Alibi-Aktion entpuppt, denn sie ist weder repräsentativ noch können aufgrund der Fragestellungen qualitative Rückschlüsse gezogen werden“, kritisiert die Wirtschaftssprecherin der Grünen, Ruperta Lichtenecker. Es sei lächerlich und anmaßend zu glauben, die Sorgen und Bedürfnisse der Selbständigen auf Basis eines einseitigen Fragebogens mit vier Suggestivfragen zu erheben. So sei die wichtige Frage der Unternehmensgröße nicht beantwortet worden. Rund 250.000 Selbständige – das sind rund die Hälfte aller Unternehmer – hätten im Vorjahr ihre Beiträge nicht pünktlich bezahlen können und mussten daher Verzugszinsen von 31,8 Millionen Euro an die SVA entrichten. „Die Lösungsvorschläge liegen bereits alle auf dem Tisch, dafür hätte es die Alibi-PR-Aktion, die Zeit und Geld der Versicherten verschlugen hat, nicht gebraucht“, betonte Lichtenecker. Es gelte vielmehr eine ernsthafte Diskussion über die Zusammenlegung und Vereinfachung des Sozialversicherungssystems zu führen, denn die Fragmentierung nach Berufsgruppen sei ungerecht, intransparent und teuer.

„Dass nur ein Fünftel der Versicherten an der Befragung teilnahm, hängt mit der katastrophalen Vorgangsweise wie dem Datentransfer zwischen SVA und Junger Wirtschaft zusammen“, kritisierte Christoph Matznetter, Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes. Gleichzeitig fordert er eine Abschaffung von Selbstbehalten. Die Umfrage sei „eine Beleidigung all jener, die mit niedrigen Einkommen auskommen müssen“.

„Die Urbefragung liefere das gewünschte Sensationsergebnis in fast nordkoreanischen Dimensionen“, kommentierte Volker Plass, Bundessprecher der Grünen Wirtschaft das Ergebnis. Eine technisch äußerst mangelhafte und tendenziöse Befragung werde jetzt auf zynische Art zur Abstimmung einer Minderheit über die Mehrheit uminterpretiert, so Plass. Schließlich bemängelte die IG Autoren die eingeschränkten Antwortmöglichkeiten und demagogischen Fragestellungen. Man werde auf reine Beitragszahler reduziert, deren Bedürfnisse keiner gesonderten Betrachtung bedürften“, hieß es.

Über die SVA

Die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) ist der Sozialversicherungsträger für Österreichs Unternehmer. In ihrer Zuständigkeit für die gesetzliche Krankenversicherung der Selbständigen betreut die SVA rund 700.000 Kunden (davon 340.000 Aktive, 130.000 Pensionisten und 230.000 Angehörige), in ihrer Zuständigkeit für die gesetzliche Pensionsversicherung etwa 360.000 Anspruchsberechtigte (davon 300.000 Gewerbetreibende und 60.000 Freiberufler).

Quelle: Pressekonferenz SVA-Urbefragung Ergebnispräsentation, 17. Oktober 2012, Wien

M. Strausz, Ärzte Woche 45/2012

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