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Praxis 2. November 2012

Ethisch-nachhaltige Geldanlage verspricht „doppelte Dividende“

Nachhaltige Anlageformen sind moralisch und finanziell erfolgreich.

Per 30. Juni 2012 waren laut Sustainable Business Institute (SBI) in Österreich, Deutschland und der Schweiz 380 nachhaltige Publikumsfonds mit einem Volumen von 34 Milliarden Euro zum Vertrieb zugelassen. Das ist ein Plus von 13,33 Prozent gegenüber dem Jahresende 2011.

Was genau als „nachhaltig“ gilt, da scheiden sich freilich die Geister, weil Nachhaltigkeit in vielen Bereichen und in unterschiedlichem Ausmaß wirksam werden kann.

Bei der Geldanlage werden darunter meist ökologische und soziale Aspekte eines Produkts und die Art und Weise der Herstellung aber auch soziale und moralische Unternehmensführung zusammengefasst. In der Praxis bedeutet dies, dass jede Kapitalanlagegesellschaft (KAG) für sich selbst festlegt, welche Kriterien einen „sauberen“, ethisch vertretbaren Fonds ausmachen.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat in seinem jüngsten Test sieben heimische KAG´s (Erste Sparinvest, Bawag PSK Invest, Kepler Fonds, Gutmann, Schellhammer & Schattera, Sparkasse OÖ und 3-Banken-Generali Investment) um ihre Angebote und entsprechendes Informationsmaterial ersucht. Ausgewählt wurden nur solche Fonds, die den Eurosif (European Sustainable and Responsible Investment Forum)-Transparenzrichtlinien entsprechen oder das österreichische Umweltzeichen tragen (www.umweltzeichen.at).

Zwei Strategien, eigene Bedürfnisse abzudecken

Die Ausgabenaufschläge der getesteten 25 Fonds lagen zwischen 2,5 Prozent (Ausnahme Geldmarktfonds) und 5 Prozent, die laufenden Kosten bei 0,59 bis 2,87 Prozent. Fonds der Volksbank KAG wurden nicht berücksichtigt, weil keine Informationen beim VKI eintrafen. „Um einen Fonds zu finden, der den eigenen (ethischen) Werten am ehesten entgegenkommt, bieten sich zwei Strategien an: Entweder die Wahl eines Fonds mit Unternehmen, die nachhaltiges Wirtschaften fördern (beispielsweise alternative Energien, Wasserversorgung- und Aufbereitung) oder den Ausschluss von Branchen, Unternehmen und Ländern, denen man aus persönlicher Überzeugung kein Kapital zur Verfügung stellen möchte – meistens in Kombination mit der Auswahl von Unternehmen, die in ökologischer, sozialer und ethischer Hinsicht die besten Standards anstreben“, erklärte der VKI. Erstere sind dünn gesät, weil sie für Publikumsfonds häufig nicht die notwendigen Volumina erreichen.

Aufgeweichte Ausschlusskriterien

Beim zweiten Auswahlverfahren wird es allerdings rasch kompliziert, denn wenn die Zusammensetzung eines Fonds den ökologischen und ethischen Kriterien entspricht, können solche Unternehmen über Kapitalverflechtungen oder Zulieferverträgen mit ganz und gar nicht ökologischen Betrieben verbunden sein. „Was wäre Ihre Einschätzung bei einem Unternehmen, das Solarpaneele herstellt, aber eine 100-Prozent-Tochter eines Atom- oder Ölkonzerns ist – nachhaltig oder nicht`?“, fragt der VKI.

Auch die Ausschlusskriterien der einzelnen Fonds halten nicht immer, was ihr Name verspricht. Zwar sind Atom- und Rüstungskonzerne bei allen Anbietern ein absoluten No-Go, allerdings für die eine KAG nur ab einem bestimmten Umsatzanteil, für eine andere, wenn eine Firma auch „verwerfliches“ Kriegsmaterial wie Landminen herstellt.

Bei den großen Publikumsfonds sind die Produkte häufig so gestaltet, dass sie für möglichst viele Interessenten die richtigen Schlagworte bieten. Um nicht unwissentlich eine Firma zu kaufen, die man persönlich ablehnt, sollten die Ausschlusskriterien und die Anlegerinformationen daher sehr genau studiert werden. Auch die Verschiebung von „Image schädigenden“ Bereichen auf ausgelagerte Unternehmen ist ein Fallstrick. „Informationen dazu finden sich wohl kaum in den Unternehmensunterlagen, daher muss auf eigene Faust recherchiert werden, etwa über die Websites der jeweiligen Unternehmen, auf denen auch Töchter und Subunternehmen zu finden sein sollten“, warnt der VKI.

Fortlaufende Beobachtung notwendig

Das Interesse an den ausgewählten Fonds sollte mit dem Abschluss nicht vorbei sein. Zwar halten die KAG´s ihre Anleger mit regelmäßigen Berichten auf dem Laufenden – die Erste Sparinvest informiert beispielsweise in einem monatlichen Bulletin über Umschichtungen, die aufgrund von Nachhaltigkeitsüberprüfungen notwendig wurden, doch wer diese Information ungeöffnet wegwirft, darf nicht automatisch davon ausgehen, dass die eigene Vorstellung von Nachhaltigkeit über die gesamte Laufzeit eingehalten wird.

Und natürlich sollte man die Entwicklung der Kapitalmärkte immer im Auge behalten. Die nachhaltigen Fonds schneiden sehr oft besser ab, als ihnen nachgesagt wird, und liegen bei Performance-Vergleichen über alle Fondskategorien immer wieder im Spitzenfeld.

Die international renommierte Nachhaltigkeitsratingagentur „oekom research“ hat in Kooperation mit der deutschen Performancemessungsgesellschaft Renditen und Risiko der von oekom mit „Prime“ bewerteten Großunternehmen mit der Entwicklung des MSCI World Total Return Index vergleichen – mit sehr positivem Ergebnis: Zwischen 31. Dezember 2004 und 31. Dezember 2011 erreichte das oekom Prime Portfolio „Large Caps“ eine um 15,3 Prozent bessere Rendite als die konventionelle Benchmark.

Diese Studie bestätigt somit die Ergebnisse ähnlicher Vergleiche: Nachhaltige Investoren können im Sinne einer „doppelten Dividende“ eine mindestens markgerechte Rendite erwirtschaften und gleichzeitig soziale, umweltbezogene und ethische Ziele verfolgen. „Aber es kann auch anders laufen, und dann muss jeder Anleger in Eigenregie die richtigen Schritte setzen und zu gegebener Zeit zu einem anderen Fonds wechseln oder ganz aussteigen“, empfiehlt der VKI.

Auf ethisch-nachhaltige Geldanlage setzen

Das Bankhaus Schellhammer & Schattera will den Anteil ethisch-nachhaltiger Anlagen vor allem im Geschäftsfeld „Private Banking“ weiter ausbauen. Der Anteil ethisch verwalteter Gelder (Fonds der KAG, Nostro Portfolio, Spareinlagen, Depotverwaltung) konnte im 1. Halbjahr 2012 um 50 Millionen. Auf rund 485 Millionen Euro gesteigert werden. Der Löwenanteil entfällt auf die KAG, bei der über 90 Prozent des Fondsvolumens von 350 Millionen Euro (Publikums- und Spezialfonds) ethisch veranlagt ist, wobei die sechs Publikumsfonds (Superior 2-6 und Superior Ethik Renten) zu 100 Prozent ethisch-nachhaltig sind.

Ethiksparbuch

Den jüngsten Schritt setzte die Bank mit der Einführung des Ethiksparbuches, wodurch eine konsequente, ethische Veranlagung gewährleistet wird. Ziel ist es, den Kunden in allen Geschäftsbereichen eine ethisch-nachhaltige Produktalternative anzubieten: „Wir bieten sowohl ethische Termineinlagen und Festgelder an, auch im Bereich Mikrokredite verfügen wir über eine attraktive Angebotspalette, wobei wir nicht nur auf Eigenprodukte, sondern auch auf Top-Produkte am Markt zurückgreifen“, betont der Vorstandsvorsitzende Michael Martinek. „Neben der Tatsache, dass sich für Anleger ethisch-nachhaltige Anlageformen in einem Vergleich mit konventionellen Produkten zumindest ebenbürtig zeigen, hat ethisch-nachhaltige Geldanlage letztendlich auch einen nicht unbeträchtlichen Lenkungseffekt bei Unternehmen, Gesellschaften und Ländern. Sukzessive Verbesserungen im Sinne der Nachhaltigkeit werden gefördert und im Sinne einer positiven Aufwärtsspirale auch eingemahnt“, so Martinek abschließend.

M. Strausz, Ärzte Woche 44/2012

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