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Prof. Dr. Reinhold Kerbl, Vorstand der Abteilung für Kinder und Jugendliche des LKH Leoben: ganz förmlich, sportlich oder im Comic-T-Shirt.
 
Praxis 29. Oktober 2012

Dressed to heal

Ein buntes Outfit macht Kinderärzte sympathischer und führt bei Eltern nicht zu Vertrauensverlust.

Weißer Mantel, leger mit Poloshirt oder lieber lustig: Das Outfit von Ärzten im Spital lässt Kinder bis zu sechs Jahren unbeeindruckt, ältere Kinder und Jugendliche bevorzugen jedoch einen bunten, lustigen Dresscode. Und ein solcher Auftritt führt weder bei den jungen Patienten noch deren Eltern zu einem Vertrauensverlust, wie eine Studie der MedUni Graz am LKH Leoben-Eisenerz belegt.

Julia Hofmann wollte in ihrer Diplomarbeit herausfinden, ob und welchen Einfluss die Kleidung des Kinderarztes im Spital auf die Wahrnehmung von Kindern und Eltern hat. Untersucht hat sie unter anderem, ob bunte Kleidung einen Kinderarzt sympathischer für die Kinder macht und ob Eltern einem leger gekleideten Arzt dasselbe Vertrauen schenken. Dazu wurden drei Kleidungsstile ausgewählt: förmlich mit Krawatte und Mantel, leger mit Poloshirt und betont heiter mit buntem T-Shirt. Die Befragung von 107 Kindern und 72 Eltern erfolgte im Anschluss an die Visite.

Bestnoten für T-Shirt

Die Auswertung der Ergebnisse zeigte, nicht unerwartet, dass das „bunte Outfit“ von den Kindern eindeutig favorisiert wird. Bei den sechs- bis 18-Jährigen wählten 100 Prozent der Kinder, die das bunte Outfit gesehen hatten, die beste Note für dieses Outfit aus. Kinder, die den Mediziner in formeller Kleidung sahen, bewerteten diesen nur zu 41 Prozent mit der Note Eins, der halbförmliche Auftritt wurde von knapp zwölf Prozent der Kinder mit der Bestnote bedacht.

Interessant ist, dass auch die Eltern das bunte Outfit bevorzugten: 95,45 Prozent der Eltern, denen der Arzt in der Visite so gegenüber getreten war, gaben die Note Eins. Für den Arzt im Poloshirt gaben nur 58 Prozent der Eltern die Höchstnote, dem krawattentragenden Arzt gar nur 31 Prozent. In allen drei Gruppen meinten die Eltern zu mehr als 75 Prozent, dass die Mediziner bunte Kleidung tragen sollten.

Kein Vertrauensverlust

Ein weiteres überraschendes Ergebnis: Sowohl die kleinen Patienten als auch deren Eltern haben zum „bunten Arzt“ am meisten Vertrauen. 95,45 Prozent der befragten Eltern bekundeten ihm höchstes Vertrauen, in der „förmlichen Gruppe“ waren es nur 84,6 Prozent.

Völlig unbeeindruckt von der Bekleidung des Arztes blieben Kinder unter sechs Jahren. Jedenfalls konnte die Autorin durch Verhaltensbeobachtung keine veränderten Reaktionen auf unterschiedliche Outfits feststellen.

Quelle: Hofmann J et al.: How to dress as a paediatrician?; Acta Paediatrica 2012; DOI:10.1111/apa.12020

apa/MUG/CL, Ärzte Woche 44/2012

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