zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 28. September 2012

ESMO 2012: Was Krebspatienten am meisten belastet

Aktuelle Studie über die Belastungssituation von Krebspatienten – Bessere Arzt-Patient-Kommunikation gefordert.

Für Patienten belastende Themen werden möglicherweise von behandelnden Ärzten zu wenig angesprochen, so eine beim Europäischen Krebskongress in Wien präsentierte Studie.



Menschen mit Krebs leiden am meisten unter Schwäche, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Zukunftsängsten und therapiebedingtem Haarausfall. Als belastend werden auch Einschränkungen des Sexuallebens, soziale Probleme, Depressionen, Angstzustände, Sorgen und Schlaflosigkeit angesehen: Allerdings gaben hier nur 16 bis 46 Prozent der Patienten an, dass ihre Ärzte diesen Problemen genug Aufmerksamkeit widmen. „Diese Themen werden im Arzt-Patienten-Gespräch offenbar nicht adäquat berücksichtigt“, konstatiert Dr. Felix K. Tauchert (Universitäres Centrum für Tumorerkrankungen in Frankfurt/Main). Er und seine Co-Autoren haben in einer Studie rund 1.300 Krebs-Patienten zu ihren Problemen und ihrer Zufriedenheit mit dem Arzt-Patient-Gespräch befragt, die Ergebnisse werden auf dem Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO 2012) vorgestellt. In Wien kommen zwischen 28. September und 2. Oktober mehr als 16.000 Teilnehmer aus über 120 Ländern zusammen.

Der Hintergrund

Pro Jahr gibt es weltweit rund 12,7 Millionen Krebs-Neudiagnosen und jährlich 7,6 Millionen Todesopfer. Das bedeutet, dass viele Millionen Menschen unter Therapie, in Nachbeobachtung und zum Teil im Ungewissen über ihre Zukunft sind. Doch die Situation der Betroffenen ist über die Zeit hinweg nicht statisch. Dr. Tauchert: „Die meisten krebsspezifischen Fragebogen gehen davon aus, dass Abgeschlagenheit, Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen die wichtigsten Symptome sind. Doch in den vergangenen 20 Jahren gab es deutliche Verbesserungen bei der Begleittherapie, zum Beispiel gegen Übelkeit und Erbrechen bei Chemo- und/oder Strahlentherapie. Das könnte die Bedeutung dieser Symptome geändert haben.“

Hier müsse ein Umdenken stattfinden, dass in der Arzt-Patient-Kommunikation zu einem stärkeren Ernstnehmen von Themen wie sexuelle Probleme, soziale Probleme, Depressionen, Angstzustände, Sorgen und Schlaflosigkeit führt.

Dr. Tauchert und die Co-Autoren erhoben die belastenden Faktoren mit einem umfassenden Fragebogen. Die rund 1.300 Befragten waren im Durchschnitt 63 Jahre alt (51,7 Prozent Frauen). Mit 211 Fällen war Brustkrebs am häufigsten vertreten, gefolgt von Dickdarmkrebs (153), Lymphomen (98) und das Lungenkarzinom (88). 67 Prozent der Patienten erhielten eine Chemo- oder eine Strahlentherapie, 16 Prozent hatten eine solche Therapie hinter sich oder befanden sich bereits in Nachbeobachtung. 17 Prozent bekamen eine andere Behandlung.



F.K. Tauchert et al: Quality of Life incriminating Symptoms in Cancer Patients and their Weight in the Doctor-Patient-Talk: A Survey of the Quality of Life-Working Group of the "Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie" (AIO): A Preliminary Analysis

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben