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Günstige Fremdwährungskredite verlockten zum Immobilienkauf.
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Die Entscheidung muss individuell getroffen werden.

 
Praxis 24. September 2012

Sorgenkind Fremdwährungskredit

Eine generelle Empfehlung zur Konvertierung ist aufgrund individueller Faktoren nicht möglich.

Viele Österreicher finanzierten in den vergangenen Jahren ihre Immobilien mit zinsgünstigen Krediten in Schweizer Franken (CHF) oder japanischem Yen. Finanzkrise und Euro-Schwäche durchkreuzten jedoch den Traum vom kostengünstigen Eigenheim.

Österreichische Privatkunden waren per Ende des ersten Halbjahres mit umgerechnet 35,6 Milliarden Euro in Fremdwährungen verschuldet, mehr als 93 Prozent davon in CHF. Seit Ende 2011 geht die Stärke des Franken zulasten der Kreditsumme. Diese Entwicklung verunsichert viele Kreditnehmer und wirft die Frage auf, wie sie mit ihren aushaftenden Krediten umgehen sollen. Einerseits erleben wir eine als nachhaltig eingestufte Abschwächung des Euro gegenüber den Kreditwährungen CHF, Yen und US-Dollar, andererseits sind die Renditechancen der Kredittilgungsträger durch ein allgemein niedrigeres Zinsniveau deutlich gesunken. Beides zusammen ergibt einen gesteigerten Handlungsbedarf für die Kreditnehmer, um aus den geänderten Verhältnissen die sich bietenden Chancen zu nutzen.

Erste Bank empfiehlt einen Kurswechsel

Seit Herbst 2011 rät die Erste Bank Kunden, die einen CHF-Kredit haben zu einem Kurswechsel vom schwankenden Frankenkredit in einen fix verzinsten oder gedeckelten Euro-Kredit. „Motivation dafür war und ist, das doppelte Risiko der Zins- und Währungsschwankungen zu vermeiden“, erklärt Reinhard Aumann, Leiter der Vertriebsdirektion Wohnbau der Erste Bank. In der Zwischenzeit haben bereits über 2.500 Kunden den Weg aus der Fremdwährungsfinanzierung gewählt. Das entspricht einem Kreditvolumen von rund 400 Millionen. Euro. Zusätzlich haben rund 1.500 Fremdwährungskreditnehmer die Umstellung vom endfälligen in einen tilgenden Kredit vorgenommen (270 Millionen Euro), um so die Risiken der Kredittilgungsträger hinsichtlich der Performance zu verringern.

Aufgrund des aktuell niedrigen Zinsniveaus bietet die Erste Bank nun ein neues Konvertierungsangebot. Dabei handelt es sich um einen 10-jährigen Fixzinskredit mit 2,9 Prozent jährlicher Zinszahlung. Die Kreditumstellung auf das neue Produkt ist Spesen- und gebührenfrei möglich. Neben dem niedrigen Zinsniveau ist es vor allem der Mindestwechselkurs des CHF, der sich bald nachteilig für die Fremdwährungskreditnehmer auswirken könnte.

Dies wurde auch bereits durch den Schweizer Nationalbank-Präsidenten Thomas Jordan bestätigt: „Weitere Erschütterungen an den Finanzmärkten könnten Auswirkungen auf die Durchsetzung des Mindestkurses haben.“ Damit könnte der Euro/Franken-Wechselkurs aller Voraussicht nach deutlich unter die derzeit bestehenden Kurs von 1,20 fallen. Daher sieht die Erste für CHF-Kreditnehmer derzeit einen günstigen Zeitpunkt in den Euro zu konvertieren, weil nicht absehbar ist, wie lange die 1,20 noch halten werden. „Daher sehen wir uns verpflichtet, auf das Risiko hinzuweisen, und ein gutes Angebot zum Kurswechsel zu legen“, erklärt Erste Bank Privat- und Firmenkundenvorstand Peter Bosek. „Weiters rate ich jedem Kunden seinen Tilgungsträger regelmäßig zu überprüfen und über eine Umstellung vom endfälligen auf einen tilgenden Kredit nachzudenken.“ In der Erste Bank haben rund 14.000 Privatkunden einen Fremdwährungskredit mit einem aushaftenden Volumen von rund zwei Milliarden Euro. Das durchschnittlich aufgenommene Kreditvolumen pro Person lag umgerechnet bei rund 150.000 Euro.

Bank Austria mit fixem Alternativprodukt

Die Bank Austria verfügt über rund 58.000 Fremdwährungskreditnehmer (rund. 5,5 Prozent der Gesamtkredite). Die Unicredit-Tochter hat auf die aktuelle Marktsituation reagiert und bietet seit Ende Juli ein neues Fixzinskreditangebot als Alternative zu bestehenden Fremdwährungskrediten: 2,875 Prozent Fixzinssatz auf zehn Jahre und für fünfjährige Laufzeiten einen Zinssatz von 2,5 Prozent, und zwar gebührenfrei bei Konvertierung in Euro-Kredite. „Wichtig ist es zu betonen, dass wir unseren Kunden alle Handlungsoptionen aufzeigen, die Entscheidung liegt beim Kunden selbst“, betont Rainer Hauser, Privatkundenvorstand der Bank Austria. Es werde keinerlei Druck zur Konvertierung ausgeübt, weil es mehrere Alternativmöglichkeiten gebe: Konvertierung, Teilkonvertierung, Aufstockung, Wechsel des Tilgungsträgers oder Umstieg vom endfälligen Kredit auf eine tilgende Variante. Die Entscheidung sei immer individuell zu treffen, je nach dem, mit welchem Kurs der Kunde eingestiegen ist, wie lange der Kredit läuft und die persönliche finanzielle Situation. „Wer konvertiert, befindet sich jedenfalls im sicheren Hafen des Euro und hat sein Risiko reduziert. Es bedeutet aber gleichzeitig bei der Konvertierung Verluste zu realisieren“, so Hauser. Rund 20 Prozent der Kunden haben bisher risikoreduzierende Maßnahmen ergriffen. Neben den Konvertierungsangeboten bietet die Bank Austria auch gebühren- und spesenfreie zusätzliche bzw. alternative Tilgungsträgerangebote an.

BAWAG P.S.K. rät zur Kontaktaufnahme

„Eine generelle Empfehlung zur Konvertierung ist aufgrund individueller Faktoren wie Einstiegszeitpunkt, Finanzierungsform (endfällig oder tilgend), Restlaufzeit etc. nicht möglich“, erklärt Michael Bauer, Leiter der Gruppe Finanzierung in der BAWAG P.S.K. Allgemeine verfüge man über einen geringen Marktanteil bei Fremdwährungskrediten, weil die Vergabe in der Vergangenheit sehr restriktiv verfolgt worden sei. Daher empfehle man den Kunden mit ihrem jeweiligen Berater in Kontakt zu treten, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Folgende Alternativen bestehen:

• Wechsel des Gesamtkreditbetrages in EUR und/oder Umstellung auf Abstattungskredit

• Fortführung des Fremdwährungs-Kredites und Laufzeitverlängerungen

• Änderung der Ansparleistung bzw. Tausch des Ansparproduktes oder

• Sondertilgungen

Für Kunden, die eine endgültige Konvertierung in Euro anstreben und allfällige Entgelte im bestehenden Vertrag vereinbart wurden, bietet die BAWAG P.S.K. folgende Alternativen an:

• Verzicht auf Umstiegs- und Konvertierungsentgelt (400 €)

• Verzicht auf Bearbeitungsentgelt für Vertragsnachtrag (300 €)

• Kostenlose Kurssicherung bis zum nächstmöglichen Tranchentermin für einen Währungswechsel

• Gleicher Aufschlag wie ursprünglich vereinbart

RLB NÖ-Wien verspricht günstige Konditionen

„Die Vorteile, die man in der Vergangenheit bei den Fremdwährungsfinanzierungen mit den Tilgungsträgern gesehen hat, wie Zinsvorteil und kalkulierbares Währungsrisiko sind heute nicht mehr gegeben“, erklärt Raiffeisen Landesbank NÖ-Wien Vertriebsleiter Manfred Aschauer. Viele Kunden der RLB NÖ-Wien haben daher die Gelegenheit wahrgenommen, völlig spesenfrei in den sicheren Hafen einer Euro-Finanzierung zurückzukehren. „Nach dem Motto: `Tausche Risiko gegen Sicherheit` können wir unseren Kunden aktuell außergewöhnlich günstige Euro-Zinssätze anbieten, sowohl für variable als auch für fixe Zinsvereinbarungen“, betont Achauer. Diese Konditionen können auch für die gesamte Kreditrestlaufzeit (bis 20 Jahre) individuell vereinbart werden.

Quelle: Verein für Konsumenteninformation

So funktionieren endfällige Fremdwährungskredite

Der Kreditnehmer nimmt ein Darlehen in der gewünschten Währung auf (CHF oder Yen), der Kredit wird in Euro umgerechnet und bereitgestellt. Parallel dazu wird ein sogenannter Tilgungsträger, meist in Form einer fondsgebundenen Lebensversicherung oder eines Fondssparplans, angespart. Zum Kreditlaufzeitende wird der Tilgungsträger in Schweizer Franken gewechselt und damit der Kredit auf einen Schlag getilgt. Viele Kunden griffen begeistert zu, weil das Zinsniveau in der Schweiz deutlich niedriger war als in der Euro-Zone: Zwischen 2000 und 2008 lagen Darlehen in Schweizer Franken im Schnitt um 1,5 bis 2 Prozentpunkte unter denen von Euro-Krediten. Bei einem Darlehen von umgerechnet 100.000 Euro brachte das einen jährlichen Zinsvorteil von 1.500 bis 2.000 Euro. Wenn der Schweizer Franken, wie in den letzten Jahren an Wert zulegt und/oder der Euro im Wert fällt, geht die Rechnung nicht mehr auf. Dann muss – in Euro – deutlich mehr hingelegt werden, um den CHF-Kredit letztlich auf gleich zu stellen.

M. Strausz, Ärzte Woche 39/2012

  • Frau Vorstandsvorsitzende Bettina Rackowitz, 20.08.2013 um 08:49:

    „Hilfe bei Fremdwährungskredite

    Wer einen Fremdwährungskredit laufen hat, ist derzeit nicht zu beneiden. Den Kopf in den Sand zu stecken ist die schlechteste Lösung. Wir sagen Ihnen, was Sie tun können, um Schlimmeres zu verhindern oder um Rückerstattungsansprüche in nicht unerheblicher Höhe zu realisieren. Viele Verträge wurden im Widerspruch zur geltenden Rechtsprechung vermittelt.
    Hier gibt es sehr gute Chancen für eine Rückabwicklung, wobei ein Rückerstattungsanspruch im 6 stelligen Bereich keine Seltenheit ist. Der gemeinnützige Verbraucherschutzverein LIQUIKON hat es sich zur Aufgabe gemacht, kostenlos für seine Mitglieder Darlehensverträge und Konten zu prüfen und aufzuzeigen wie man erfolgreich aus dieser Miesere wieder herauskommt.

    Mit allerbesten Grüßen aus Osnabrück
    Bettina Rackowitz, 1. Vorstandsvorsitzende“

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