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Vermutet man Non-Compliance, ist es sinnvoll, den Patienten darauf anzusprechen.
 
Praxis 16. September 2012

Die Anzeichen von Non-Compliance

Ob sich Patienten therapietreu verhalten, ist für Ärzte nicht immer einfach zu erkennen. Es gibt aber Anzeichen, wenn sich der Patient nicht daran hält.

Wie erkennt man Non-Compliance? Dazu sei es nötig, detaillierte Infos zu den Einnahmegewohnheiten der Patienten zu bekommen, so Linda Krolop und Professor Ulrich Jaehde vom Bereich Klinische Pharmazie der Universität Bonn (Internist 2012, DOI 10.1007/s00108-011-2951-z).

Das aber ist gar nicht so einfach. Es gebe zwar viele Erkennungs- und Messmethoden. Sie seien aber nur bedingt praxistauglich. Ärzte sind also auf ihre eigene Einschätzung angewiesen. Zwei Triggerfaktoren geben aber Hinweise auf Non-Compliance: Die Therapie spricht nicht an oder der Patient erscheint einfach nicht zu vereinbarten Terminen, ohne abzusagen.

Am besten den Patienten direkt ansprechen

Vermutet man Non-Compliance, ist es sinnvoll, den Patienten darauf anzusprechen. Allein durch die Befragung könnten über die Hälfte der nicht therapietreuen Patienten entdeckt werden.

Krolop und Jaehde schlagen vor, konkret zu fragen: „Haben Sie in der vergangenen Woche Ihre Medikamente zu einem oder mehreren Zeitpunkten nicht eingenommen?“ Die vergangene Woche ist eine überschaubare Zeit, an die man sich gut erinnern sollte. Jeder noch so kleine Hinweis auf ausgelassene Dosen weist dann auf mangelnde Compliance hin.

Eine einfache und kostengünstige Methode sind Patiententagebücher und -fragebögen. Allerdings sind sie leicht zu manipulieren und geben deshalb die Compliance meist allzu positiv wieder.

Aussagekräftig sind Medikamentenprofile. Dabei werden in einer chronologischen Arzneimittelhistorie über einen bestimmten Zeitraum alle Medikamente eines Patienten aufgeführt. Das funktioniert jedoch nur, wenn die eingelösten Verordnungen lückenlos und zentral dokumentiert werden. Möglich ist die Zusammenarbeit mit einer Apotheke.

Compliance wird regelmäßig überschätzt

Schließlich gibt es elektronische Beobachtungssysteme wie das „Medication Event Monitoring System“ (MEMS). Sie sind präzise und nicht so leicht zu beeinflussen. Dabei werden Tabletten und Kapseln in der Arztpraxis oder in der Apotheke in ein Plastikbehältnis gefüllt. Der Deckel der Dose speichert über einen integrierten Mikrochip Datum und Uhrzeit der Öffnung.

Diese Daten können dann über ein Lesegerät und eine spezielle Software auf den Computer übertragen und ausgewertet werden. Nachteil ist, dass nicht die Arznei-Einnahme, sondern nur die Öffnung der Dose dokumentiert wird. Dennoch gilt diese Methode als die exakteste, um die Compliance zu erfassen. Wie auch immer man vorgeht, man sollte sich keine Illusionen machen. Denn, so ein Merksatz von Krolop und Jaehde: „Die Compliance wird regelmäßig überschätzt.“

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