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© Jonathan Ross/panthermedia.
Beim Lösen von Problemen sind Teams eher ineffizient.
 
Praxis 4. September 2012

Versteckter Müßiggang

Teamarbeit – und ihr „Gegenspieler“: soziales Faulenzen.

Teamgeist ist gefragt – und sei die Einheit der zusammenarbeitenden Menschen auch noch so klein! Allerdings ist Teamarbeit kein „Allheilmittel“, der Mythos der gewinnbringenden Zusammenarbeit hat schon lange einen Knacks bekommen.

Denn die „soziale Trägheit“, auch „soziales Faulenzen“ genannt, ist im Team möglich. Das nutzen einige Menschen gerne aus, und spätestens dann wird Teamarbeit ineffizient.

Die Arbeit im Team hat nicht unbedingt Vorteile

„Wir ziehen alle an einem Strang“ - welcher Mitarbeiter in der Zahnarztpraxis würde diesen Satz nicht sofort unterschreiben? Beliebt sind Teams, also Gruppen, die ein gemeinsames Ziel haben, weil sie in einem hohen Maße soziale Bedürfnisse erfüllen. Sie verringern Unsicherheiten, machen Spaß und tragen zur Arbeitszufriedenheit und zum Wohlbefinden der Mitarbeiter bei – Aspekte die erstrebenswert und wichtig sind.

Allerdings: Weit verbreitet ist die Annahme, dass Teamarbeit im Vergleich zur Einzelarbeit Vorteile hat, oft verknüpft mit dem Wunsch nach höherer Leistung. Häufig ist dem aber nicht so, denn es gibt Gegenspieler der Teamarbeit.

Verborgene Leistung

Der Mehrwert bestimmter Teamarbeit ist wissenschaftlich widerlegt. Das Problem bei mehreren Menschen, die einen Arbeitsauftrag haben: Der Einzelne in der Gruppe kann sich und seine Leistung verbergen. Dieser Prozess kann ganz bewusst genutzt werden, oft sind es jedoch unbewusste psychische Vorgänge. Die Person erlebt sich als „normales“ Mitglied der Gruppe und empfindet ihre Anstrengungen durchaus als angemessen. Untersuchungen zeigen jedoch: Die Leistung wurde reduziert. Ein solcher als „sozialer Müßiggang“ oder auch als „soziales Faulenzen“ bezeichneter Effekt tritt dann auf, wenn die Einzelleistung nach außen nicht mehr identifizierbar und nachprüfbar ist.

Kompliziert wird es beim Austausch von Argumenten

Besonders beim Lösen von Problemen sind Teams sehr fragwürdig. Bei schwierigen Problemen zeigt sich häufig, dass eine Person, die meint, die richtige Lösung zu kennen, lediglich versucht die anderen zu überzeugen. Speziell dann, wenn sie von einer weiteren Person dabei unterstützt wird. Ein Meinungsaustausch im Sinne einer Informationsvielfalt und eines anschließenden offenen Meinungsbildungsprozesses ist damit nicht mehr gegeben.

Lösung liegt in der bewussten Auswahl der Möglichkeiten

.Auch bei Teamarbeit muss die Leistung des Einzelnen also erkennbar bleiben, diese Steuerung ist in der Zahnarztpraxis dann Aufgabe der Führungskraft. Bestimmte Aufgaben sollten besser gar nicht – oder nur nach vorgegebenen Strukturen in Teams behandelt werden. Bei kreativen Lösungstechniken wie dem Brainstorming gelten daher klare Regeln – jeder darf alles sagen, um die gruppendynamischen Prozesse zu steuern. Weitere Möglichkeiten bieten natürlich Teambildungsprozesse und die Zusammenstellung der Mitarbeiter, beispielsweise innerhalb von Projektarbeit.

Einzelleistung ist höher

„An einem Strang ziehen“ bekommt dabei noch eine „reale“ Bedeutung, denn in dem Ursprungsversuch ließ man zunächst Pferde - an einem Strang – eine Kutsche ziehen. Ergebnis: Die Leistung zweier Pferde beim Ziehen einer Kutsche ist nicht doppelt so hoch wie die Leistung der einzelnen Pferde. Auch bei Pferden gibt es offenbar „sozialen Müßiggang“! Später zogen dann Menschen an einem Seil – und auch dabei ist die Zugkraft pro Person deutlich geringer, als würde ein Mensch alleine ziehen. Pferd und Mensch sind sich da offensichtlich einig. Ob von diesen Ähnlichkeiten die Bezeichnung „Arbeiten wie ein Pferd“ abgeleitet wurde, ist jedoch nicht bekannt…

Zur Person

Frank Wittke

Frank Wittke arbeitet als Trainer und Autor im Bereich Rhetorik und Führungskommunikation in Dortmund, Deutschland. Er hat Organisationspsychologie und Journalistik studiert und nach mehreren Jahren bei einer mittelständischen Wirtschaftsberatung das Trainingsinstitut „Qualit-Training“ gegründet. www.frank-wittke.de

F. Wittke, Zahnarzt 09/2012

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