zur Navigation zum Inhalt
© MEDplan
Von Mag. Susanne Glawatsch, MEDplan
 
Praxis 27. August 2012

Spontanbesuche vom Finanzamt

Steuern in der Praxis

Anders als bei Betriebsprüfungen besteht bei einer Nachschau keine Ankündigungspflicht.

Spontanität ist eine gute Sache, sie garantiert Abwechslung von der Routine des Alltags. Freilich gibt es Bereiche, in denen Spontanität ganz und gar unerwünscht ist. Bei Besuchen vom Finanzamt zum Beispiel. Bei unseren Mandanten erleben wir jedoch, dass Spontanbesuche der Finanzbehörde keine Seltenheit sind. Die Finanzverwaltung führt unangekündigtes Nachschauen durch. Sie sollten deshalb in jedem Fall gewappnet sein.

Eine steuerliche Nachschau dient Zwecken der Abgabenerhebung. Die Behörde will damit Sachverhalte feststellen, die erst durch Betreten und Besichtigen von Gebäuden feststellbar sind. Die Amtsträger der Finanzbehörde sind berechtigt, Grundstücke und Räume sowie Schiffe und Fahrzeuge von Personen, denen ein der Steueraufsicht unterliegender Sachverhalt zuzurechnen ist, während der Geschäfts- und Arbeitszeiten zu betreten.

Zu den relevanten Sachverhalten zählen folgende Erhebungen:

• Ob bestimmte Anlagegüter, die steuerliche abgeschrieben werden bzw. zur Deckung des investitionsbedingten Gewinnfreibetrages dienen, vorhanden sind.

• Ob die nach den Abgabenvorschriften zu führenden Bücher oder Aufzeichnungen überhaupt geführt werden.

• Ob bestimmte Geschäftsvorfälle in den Aufschreibungen ihren Niederschlag gefunden haben.

• In welchem Ausmaß eine Wohnung beruflich bzw. privat benutzt wird.

Im Unterschied zur Hausdurchsuchung dürfen allerdings nur offenliegende oder offengelegte Verhältnisse, Umstände und Gegenstände besichtigt werden. Besonders beliebt bei den Beamten: Der Vergleich des Ordinationsinventars mit dem Anlagenverzeichnis sowie dem Verzeichnis für den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag.

Betriebsprüfung versus Nachschau

Im Gegensatz zur ausführlich geregelten Betriebsprüfung finden sich zur Nachschau im Gesetz nur sehr allgemeine Formulierungen. Die Nachschau besteht im Betreten und Besichtigen von Grundstücken, Gebäuden und Betrieben. Für diese Prüfungsart sind weder ein schriftlicher Nachschauauftrag noch eine Rechtsbelehrung bezüglich Selbstanzeige oder eine Schlussbesprechung vorgesehen. Anders als bei Betriebsprüfungen besteht auch keine Ankündigungspflicht.

Der wesentliche Unterschied zwischen Nachschau und Außenprüfung ist, dass die Nachschau der Feststellung einzelner Sachverhalte dient, während eine Außenprüfung eine umfassende Erhebung aller maßgeblichen tatsächlichen wie rechtlichen Verhältnisse darstellt.

Recht auf Auskunft

Im Zuge einer Nachschau ist das Finanzamt jederzeit berechtigt, Auskünfte über alle für die Erhebung von Abgaben maßgebenden Tatsachen zu verlangen, wobei jedermann zur Auskunft verpflichtet ist. Beliebige Dritte sind verpflichtet, mündlich oder schriftlich, durch Vorlage von Unterlagen, Auskünfte auch über fremde Abgabepflichten zu geben. Der Abgabepflichtige soll allerdings zuerst befragt werden. Wird die Einsichtnahme in Dokumente verweigert, kann die Behörde entweder eine Geldstrafe bis EUR 5.000,- vorschreiben oder die Befolgung ihrer Anordnungen nach Erlassung eines Bescheides erzwingen. Eine Hausdurchsuchung ist nicht zulässig. Bestimmte Personen, wie etwa Angehörige, dürfen die Aussage verweigern.

Halten Sie deshalb Ihr Anlagenverzeichnis auf dem Laufenden und stellen Sie sicher, dass alle Anlagenabgänge darin erfasst sind. Vergewissern Sie sich, dass Anlagegüter, die zur Deckung des Gewinnfreibetrages angeschafft wurden, tatsächlich vier Jahre (Behaltefrist) vorhanden sind. Dann kann Sie auch ein spontaner Besuch des Finanzamtes nicht aus der Fassung bringen.

Mag. Susanne Glawatsch ist geschäftsführende Gesellschafterin der Steuer- und Unternehmensberatungskanzlei MEDplan.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben