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Praxis 27. August 2012

Verstehen Sie Gesundheit?

„Die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken“ lautet eine der 10 Rahmengesundheitsziele.

Knapp ein Viertel der Bevölkerung tut sich schwer zu verstehen, was ihr Arzt ihnen sagt und ein Drittel hat Schwierigkeiten, Informationen in den Medien darüber, wie sie ihren Gesundheitszustand verbessern können, zu verstehen, so die Ergebnisse einer EU-Studie, die Im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt wurden.

Im Rahmen dieser in acht europäischen Ländern durchgeführten Studie wurde erhoben, wie kompetent sich die Befragten punkto Gesundheit selbst einschätzen. In Österreich wurde diese von einem Team unter der Leitung von Prof. Jürgen Pelikan, vom Ludwig-Boltzmann-Institut für Gesundheitsförderungs-Forschung, wissenschaftlich betreut.

Erhoben wurde die Selbsteinschätzung der Gesundheitskompetenz für verschiedene Aufgaben und Situationen aus drei Themenfeldern: 1. der Krankheitsbewältigung, 2. der Prävention und 3. der Gesundheitsförderung. Die zentralen Ergebnisse, so Pelikan: „Gesundheitskompetenz und Gesundheit hängen in Österreich deutlich zusammen. Im Vergleich zu sieben anderen europäischen Ländern schneidet Österreich punkto Gesundheitskompetenz allerdings unterdurchschnittlich ab. Mangelnde Gesundheitskompetenz ist generell für die Mehrheit der Bevölkerung ein Problem und bei Personen aus sozial schwächeren Gruppen noch häufiger.“

Konkrete Detailergebnisse der Umfrage in Österreich

Auf die Frage „Wie einfach ist es Ihrer Meinung nach …“ antworten die in Klammer in Prozent genannten Anteile mit „ziemlich schwierig“ bzw. „sehr schwierig“:

• … Vor- und Nachteile von verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu beurteilen? (57 Prozent)

• ...Angaben auf Lebensmittelpackungen zu verstehen? (51 Prozent)

• … aufgrund von Informationen aus den Medien zu entscheiden, wie Sie sich vor Krankheiten schützen können? (48 Prozent)

• … Informationen darüber, wie Sie psychisch gesund bleiben können, zu verstehen? (33 Prozent)

• … mithilfe der Informationen, die Ihnen der Arzt gibt, Entscheidungen bezüglich ihrer Krankheit zu treffen? (32 Prozent)

• … Informationen in den Medien darüber, wie Sie ihren Gesundheitszustand verbessern können, zu verstehen? (31 Prozent)

• … Entscheidungen zu treffen, die Ihre Gesundheit verbessern? (30 Prozent)

• … zu verstehen, was ihr Arzt Ihnen sagt? (22 Prozent)

• … zu beurteilen, welche Alltagsgewohnheiten mit Ihrer Gesundheit zusammenhängen? (21 Prozent)

• … Informationen über gesundheitsfördernde Verhaltensweisen, wie Bewegung und gesunde Ernährung zu finden? (18 Prozent)

Die Gesundheitskompetenz der Jugendlichen unterscheidet sich dabei wenig von der der Gesamtbevölkerung. „Es ist daher besonders wichtig, schon frühzeitig anzusetzen und Kinder und Jugendliche zu befähigen, ihre Alltagsentscheidungen zu gesunden Entscheidungen zu machen. Denn was in frühen Jahren erlernt wird, prägt ein Leben lang.“ so Stefan Spitzbart vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Mit Projekten wie „Gesunde Schule“ oder „Richtig Essen von Anfang an“ setzt der Hauptverband bereits erste Schritte, um die Gesundheitskompetenz von Kindern und Eltern nachhaltig zu stärken.

Gesundheitskompetenz – ein Rahmengesundheitsziel

Als Auftrag für die Politik versteht das Bundesministerium für Gesundheit die Umfrageergebnisse. Mit den 10 Rahmen-Gesundheitszielen wurden jüngst richtungsweisende Vorschläge für ein gesünderes Österreich beschlossen. Eine der Rahmen-Gesundheitsziele lautet „Die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken“. Dazu sind Ansätze auf zwei Ebenen notwendig: Das Gesundheitssystem selbst muss verständlicher werden und die Bevölkerung befähigt werden, mit gesundheitsrelevanten Informationen besser umzugehen. Folgende Maßnahmen sind dabei zentral:

• Die Vermittlung einfacher und verständlicher Information (Broschüren, Beiträge in Medien, Beipackzettel, Lebensmittelinformationen, ...)

• Die gesundheitsfördernde Gestaltung von Lebenswelten (Betriebe, Kindergärten, ...)

• Hürden bei der Nutzung von Gesundheitsdienstleistungen verringern (Verbesserung der Kommunikation bei der Ausbildung von Medizinberufen, Wegweiser für die Nutzung des Gesundheitswesens).

• Besondere Maßnahmen für benachteiligte Zielgruppen (Zielgruppenauswahl, Wegweiser für Hilfestellungen in sozialen Notlagen, Broschüren in Sprachen der wichtigen Migranten-Gruppen)

Quelle: Presseaussendung Fonds Gesundes Österreich

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