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Praxis 28. August 2012

Goldhunger bleibt bestehen

Gold gehört wegen seiner Save Haven-Funktion in jedes Portfolio.

Begünstigt durch die niedrigen Realzinsen und dem Wunsch nach einer sicheren, nachhaltigen Spar- und Anlagemöglichkeit liegt das Ende des Aufwärtstrends beim Gold in weiter Ferne. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Gold-Report der Erste Group mit dem Titel „In Gold we Trust“.

Nachdem die US-Notenbank ihre Nullzinspolitik nun zumindest bis Ende 2014 fortsetzen wird, sollte dies weiterhin negative Realzinsen und somit ein positives Fundament für weitere Goldpreisanstiege bedeuten. „Seit unserem letzten Goldreport im Juli 2011 stieg der Goldpreis auf Euro-Basis um 27 Prozent (Goldpreis per 7. August: 1.615 USD). Als nächstes 12-Monats-Ziel sehen wir daher eine Marke von 2.000 US-Dollar und am Ende des Zyklus zumindest 2.300 Dollar pro Unze“, erklärt Ronald Stöferle, Analyst der Erste Group und Verfasser des Goldreports.

Die zentrale Frage, ob Inflation oder Deflation das bestimmende Konjunkturumfeld der nächsten Jahre sein wird, bleibt freilich weiterhin unbeantwortet. In inflationären Zeiten sind Sachwerte die bevorzugte Anlageklasse, in der Deflation Cash. Gold ist liquide, teilbar, unzerstörbar und leicht transportierbar. Zudem gibt es einen weltweiten Markt und kein Default (Ausfalls)-Risiko. Gold wird somit als Cash oberster Güte und immer weniger als Rohstoff betrachtet, was seinen Preis seit mittlerweile elf Jahren (mit kleinen Korrekturphasen) nach oben treibt. Der durchschnittliche Goldpreisanstieg pro Jahr liegt seit 2001 bei 13,9 Prozent auf Eurobasis.

Knappheit und Schuldenkrise begünstigen Gold

Die Gründe für die sehr gute Performance von Gold sieht Ronald Stöferle einerseits in der relativen Knappheit des Edelmetalls im Vergleich zu beliebig vermehrbaren Banknoten. „Der jährliche Goldbestand wächst mit rund 1,5 Prozent im Jahr, während die kombinierte Basisgeldmenge der vier wichtigsten Notenbanken um durchschnittlich 15,2 Prozent zunimmt.“ Allein von 2007 bis April 2012 wuchsen die Bilanzen dieser Notenbanken von 3,5 auf 9,0 Billionen Dollar. Das bedeutet, dass die Inflationsgefahr zunimmt.

Andererseits steigt die Attraktivität von Gold als stabiles Sparinstrument gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. „Die Europäische Zentralbank hat zuletzt die Zinsen auf einem historischen Tief bei 0,75 Prozent belassen, wobei dieses tiefe Niveau noch länger bestehen bleiben wird“, prognostiziert Stöferle. Die Durchschnittsperformance von Gold liegt bei einem Zinsniveau zwischen 0 und 3,5 Prozent bei plus 13,1 Prozent, bei einem negativen Realzinsniveau sogar bei 17,3 Prozent. Die aktuell hohe Kaufkraft von Gold veranschaulicht folgendes Beispiel: „Setzt man den Bierpreis in Relation zum Goldpreis, so erhält man dieses Jahr auf dem Münchner Oktoberfest für eine Unze Gold rund 136 Maß Bier. Der historische Mittelwert liegt bei 87 Maß. Der Höchststand wurde 1980 erreicht, wo man 227 Maß bekommen hätte“, rechnet Stöferle vor.

Schwellenländer und Notenbanken als Käufer

Auch der anhaltende Goldhunger der Schwellenländer ist für die Goldpreisentwicklung verantwortlich. Während 1980 in den USA und Europa knapp 70 Prozent des weltweiten Golds nachgefragt wurden, sind es aktuell nur mehr 20 Prozent. Dafür entfallen auf die Emerging Markets derzeit 70 Prozent der Nachfrage und allein für die Hälfte davon sind Indien und China verantwortlich.

Lokale Investoren haben jedoch stark begrenzte Möglichkeiten, was die Verwendung ihrer Ersparnisse betrifft. Gold ist hier ein seit Jahrhunderten bewährtes Wertaufbewahrungsmittel. „Wer davon ausgeht, dass die Einkommen der beiden Länder weiter steigen und die Realzinsen weiterhin niedrig bleiben, wird Gold deshalb zwangsläufig als Nutznießer dieser Entwicklung erkennen“, so der Analyst.

Zusätzlich wird die Kritik an der Dollar-Währungshegemonie zunehmend lauter: viele Nationen wie China, Japan, Russland und Indien wollen sich von der sklavischen Bindung an die US-Währung befreien und fakturieren im bilateralen Handel zunehmend in eigenen Währungen oder in Rohstoffen, um den US-Dollar zu umgehen. Dies sei ein klares Anzeichen für einen Paradigmenwechsel, insbesondere nachdem noch mehr als zwei Drittel aller US-Dollar im Ausland gehalten werden.

Auch die Zentralbanken folgen dem globalen Gold-Trend. Zwar werden gemäß internationalen Währungsfonds (IWF) derzeit 61,7 Prozent der Währungsreserven in Dollar gehalten, 27,5 in Euro und nur 12,6 Prozent entfallen auf Gold. „Dieser Anteil dürfte sich in Zukunft deutlich verändern, kauften doch die Notenbanken im Vorjahr so viel Gold wie zuletzt im Jahr 1964“, vermutet Stöferle. Nach IWF-Angaben beliefen sich die Notenbankkäufe auf 455 Tonnen im Vergleich zu 77 Tonnen im Jahr 2010. Laut einer Online-Umfrage der Financial Times unter 54 Zentralbankern, die für Portfolios im Ausmaß von 6.000 Milliarden Dollar verantwortlich sind, waren 71 Prozent der Meinung, dass Gold im Zuge der Eurokrise klar an Attraktivität zugenommen hätte.

Gold als wirksame Medizin

Obwohl wir mit der höchsten Staatsverschuldung in Friedenszeiten konfrontiert sind, steht eine tief greifende Haushaltskonsolidierung scheinbar derzeit nicht zur Diskussion. Die erforderlichen gravierenden Einschnitte werden weiterhin aufgeschoben. „Eine schmerzlose Therapie der Probleme scheint es nicht zu geben. Wir glauben, dass Gold eine wirksame Medizin ist, weil Gold in Zeiten weltweiter Finanzmarkt-Turbulenzen zweifellos seine Attraktivität als ein ’safe haven-asst‘ wiedererlangt hat“, ist Stöferle überzeugt.

Darunter versteht man ein zuverlässiges Wertaufbewahrungsmittel, das in erster Linie Kapitalerhalt garantieren sollte. Sie agieren laut IWF als „Schmiermittel“ und Vertrauensbeweis bei Finanztransaktionen und dienen zur Stärkung der Kapital- und Liquiditätsbasis.

Gold erfüllt diese Funktion als „sicherer Hafen“ durch sein niedriges Kredit- und Marktrisiko, hohe Marktliquidität sowie niedriges Inflations- und Wechselkursrisiko auf fast perfekte Art und Weise. Gold bleibt daher in aller Munde, aber noch nicht in Aller Depots. Gold ist lediglich in etwa 0,15 Prozent in institutionellen Portfolios gewichtet. „Ich empfehle daher, aufgrund der geringen negativen Korrelation zu anderen Assetklassen, rund fünf bis zehn Prozent eines privaten Anlageportfolios in Gold zu investieren. Wer auf Sicherheit setzt, kauft Gold-Barren oder Münzen, wer kurzfristige Preisrückgänge nicht fürchtet, ist mit Goldminenaktien der Big Four (Barrick, Goldcorp, Newmont, Newcrest) gut bedient“, empfiehlt Stöferle.

Goldaktien seien historisch äußerst günstig bewertet: Die Nettomarge beträgt 30 Prozent, das Kurs-Gewinnverhältnis liegt bei 13,9. Goldminen-Aktien stellten derzeit ein Investment mit hoher Hebelwirkung und attraktivem Chancen-Risiko-Profil dar. „Gemäß Leonardo da Vinci ist Einfachheit die höchste Stufe der Vollendung. Wir glauben, dass Gold ein einfaches, günstiges und verlässliches Instrument ist, um sich gegen die derzeit vorherrschenden systemischen Risiken abzusichern“, so Stöferle abschließend.

Pro Gold

• langfristiger Bullenmarkt intakt, negatives Realzinsniveau als Fundament für weitere Preisanstiege

• Vetrauensverlust an den Kapitalmärkten – Remonetarisierung von Gold

• Globale Geldmengenausweitung als positives Umfeld für Goldinvestments

• Notenbanken sind erstmals seit zwei Dekaden Netto-Käufer

• Ab August beginnt die eigentliche Goldsaison (Hochzeitssaison in China und Indien)

• Attraktives Chance-Risikoprofil

• Langfristiges Kursziel inflationsbereinigtes All-time-High bei 2.300 Dollar/Unze

M. Strausz, Ärzte Woche 34/2012

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