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Praxis 14. August 2012

Wie Österreich vorsorgt

Österreicher investieren monatlich bis zu 124 Euro für die Vorsorge.

Im Gegensatz zur Altersvorsorge wird das Thema Pflege(vorsorge) hierzulande noch sehr stiefmütterlich behandelt. Das zeigt die aktuelle Studie „Vorsorgetrends 2012“ von GfK Austria im Auftrag von s Versicherung, Erste Bank und Sparkassen.

„Im Großen und Ganzen sind wir zufriedene Menschen, denen eine ausgeglichene Work-Life-Balance und eine abgesicherte Pension wichtig sind. Mit den unangenehmen Themen des Lebens befassen wir uns allerdings nur sehr ungern“, so die Studien-Auftraggeber, Peter Bosek, Privatkundenvorstand der Erste Bank Österreich, und Heinz Schuster, Vorstandsdirektor der s Versicherung.

Finanzielle Vorsorge in erster Linie für das Alter

82 Prozent der Österreicher halten private Vorsorge für ein wichtiges Thema und verstehen darunter vor allem die finanzielle Absicherung für ihre späten Lebensjahre. Für zwei Drittel der 1000 in der Studie befragten Österreicher zwischen 15 und 65 Jahren steht der Erhalt des gewohnten Lebensstandards an erster Stelle, gefolgt von der Sorge, dass die staatliche Pension einmal nicht ausreichen wird (45%). Die Angst, vom Staat im Stich gelassen zu werden, ist bei Männern deutlich ausgeprägter als bei Frauen, umgekehrt vermuten wesentlich mehr Männer (41%) als Frauen (29%), dass sie mit ihrer staatlichen Pension auskommen werden.

Bezieher höherer Einkommen und Menschen mit höherem Bildungsgrad setzen sich erwartungsgemäß besonders stark mit ihrer Privatvorsorge auseinander. Tatsächlich sorgen aber nur 37 Prozent der Österreicher tatsächlich vor. Interessant: Mehr Frauen (40%) als Männer (34%) sichern sich demnach bereits für die Zukunft ab, dafür übernehmen mehr Männer (35%) als Frauen (25%) die Vorsorge für den eigenen Partner.

Luft nach oben vorhanden

Eine deutliche Sprache spricht die durchschnittliche Höhe der Vorsorgebeträge, die monatlich aufgewendet werden: Während die Österreicher monatlich bis zu 183 Euro für die Vorsorge ausgeben möchten, investieren sie tatsächlich nur 124 Euro. Die grundsätzliche Bereitschaft zur finanziellen Vorsorge für den Partner liegt bei 144 Euro monatlich, tatsächlich werden aber nur etwa 81 Euro monatlich aufgewendet. Sind Kinder im Haushalt, sinkt der persönliche Vorsorgebetrag deutlich auf etwa 105 Euro. Bei der finanziellen Vorsorge für den Partner wenden Männer monatlich beinahe doppelt so viel Geld auf wie Frauen (103: 57 Euro). Die Lebensversicherung wird von rund einem Viertel der Befragten als wichtigstes langfristiges Vorsorgeprodukt gesehen, aber am Dauerbrenner Sparbuch wird weiterhin nicht gerüttelt. Für 38 Prozent ist dieses die wichtigste Form der finanziellen Absicherung.

Tabuthema Pflege

Derzeit gibt es in Österreich rund 450.000 Pflegegeldbezieher, die 4,3 Milliarden Euro im Jahr erhalten, bis 2030 sollen die staatlichen Ausgaben für dann 600.000 Personen auf sieben Milliarden Euro steigen. Dennoch denken noch die wenigsten an eine Pflege im Alter, obwohl jeder Fünfte zugibt, davor Angst zu haben. 51 Prozent glauben allerdings, vom Thema Pflege nicht betroffen zu sein und wollen sich derzeit gar nicht erst mit dem Thema befassen. Männer und Frauen denken hier relativ gleich. 30 Prozent hoffen, dass andere sich um ihre Pflege kümmern werden, 14 Prozent nennen dabei den Staat, 16 Prozent ihr familiäres Umfeld. Wenn überhaupt, will die Hälfte der Österreicher zu Hause gepflegt werden und dafür auch Geld einsetzen, allerdings sorgen 58 Prozent für diesen Fall noch gar nicht vor. Nur bis zu 25 Euro monatlich könnten sich die Vorsorgewilligen als Beitrag für ihre Pflegevorsorge vorstellen. Je jünger die Befragten, desto niedriger fällt dieser Betrag aus. Besser Gebildete würden weniger Geld dafür bereitstellen als Personen mit weniger Bildung.

Im Gegensatz zur Altersvorsorge ist die Pflege in Österreich noch ein sehr wenig diskutiertes Thema. Das Risiko, im Alter ein Pflegefall zu werden, steigt aber mit der Höhe der Lebenserwartung. „Wir alle erreichen ein immer höheres Alter und wollen den Ruhestand genießen, das Thema Pflege passt nicht dazu und wird immer noch verdrängt. Gefragt sind daher neue innovative Ansätze, um das Thema Pflegevorsorge menschenwürdig zu gestalten“, verlangt Bosek. Beispielsweise könne er sich ein Pflegevorsorgeprodukt vorstellen, bei welchem den Kunden bei Eintritt der Pflegebedürftigkeit ein Wahlrecht zwischen einer Geldleistung oder „Betreutem Wohnen“ eingeräumt wird. Versicherer und Banken seien aufgerufen, mit ihrer Kompetenz, finanzielle Lösungen auszuarbeiten und die Pflege zum Thema zu machen. „Das ständige Herumdoktern des Staates an bestehenden geförderten Vorsorgeprodukten ist fahrlässig und sicherlich nicht der richtige Weg“, kritisiert der Erste Vorstand.

Jeder Zweite mit Einkommen und Vorsorgevolumen zufrieden

Nach der Höhe seines Einkommens befragt, zeigt sich jeder zweite Österreicher (48%) zufrieden, nur ein Viertel ist aktuell unzufrieden. Frauen sind dabei deutlich unzufriedener (39%) als Männer (55%). Neben den Unterschieden zwischen den Geschlechtern lässt sich auch ein Altersgefälle feststellen: Je jünger die Befragten, desto unzufriedener sind sie. Die Gruppe der älteren Vermögensverwender (im Alter zwischen 49 und 59 Jahren) sind mit 59 Prozent am zufriedensten mit ihrem Einkommen.

Was die Höhe des Ersparten betrifft, so zeigen sich vor allem zwischen den Berufsgruppen Unterschiede: Während Angestellte zu 43 Prozent mit ihrem Sparpolster zufrieden sind, behaupten dies nur 29 Prozent der Arbeiter von sich. Zwischen der Höhe des Einkommens und der Zufriedenheit mit der Höhe des Ersparten gibt es einen positiven Zusammenhang – wer mehr verdient, kann naturgemäß auch mehr sparen.

Mit ihrer finanziellen Vorsorge zeigen sich 43 Prozent der Befragten zufrieden, 20 Prozent sind unzufrieden, 29 Prozent können die Situation nicht abschätzen. Frauen sind dabei leicht unzufriedener als Männer und junge Menschen weniger zufrieden als die, die ihre Pensionen bereits beziehen.

Work-Life-Balance und sicherer Arbeitsplatz

Wichtig sind den Österreichern eine ausgeglichene Work-Life-Balance (60%) und ein sicherer Arbeitsplatz (53%). Erst dahinter rangieren Themen wie „spannende Aufgaben haben“ (41%) oder „Möglichkeit zur Gestaltung des beruflichen Umfelds“ (32%). Den Plan, „reich zu werden“ (26%) oder „befördert zu werden“ (24%), haben nur etwa ein Viertel der Befragten, wobei Männer sich in beiden Bereichen ehrgeiziger zeigen als Frauen. Sind Kinder im Haushalt, werden die Menschen deutlich sicherheitsbewusster, was sich in einem stärkeren Wunsch nach einem sicheren Arbeitsplatz zeigt. „Dies beweist, dass die Österreicher beim Thema Ehrgeiz im mentalen Sparbereich unterwegs sind“, kommentiert Bosek das Studienergebnis. Nur die bis 29-Jährigen zeigen mehr Vorliebe für Unabhängigkeit, spannende Aufgaben und Karriere.

Einsame Entscheidungen bei Finanzen

Finanzielle Entscheidungen treffen Herr und Frau Österreicher meist allein, das gilt für den täglichen Konsum genauso wie für private Vorsorge. Nur größere Anschaffungen werden vor dem Kauf jedenfalls mit dem Partner besprochen. Doppelt so viele Frauen (70%) wie Männer treffen die Entscheidungen beim täglichen Konsum allein, Männer (31%) verlassen sich dabei eher auf die Initiative anderer. Bei Entscheidungen zu den Themen Anlage/Investieren/Vorsorgen haben die Männer die Nase vorn: 51 Prozent der Männer entscheiden unabhängig, aber nur 42 Prozent der Frauen. Wer das Thema Vorsorge als wichtig einstuft, neigt eher dazu, sich beraten zu lassen, und entscheidet nicht allein.

 

Was bedeutet für Sie „Finanzielle Vorsorge“?

(Mehrfachnennungen)


Altersvorsorge: 37 Prozent

Sparen: 19 Prozent

Lebensstandard: 12 Prozent

Absicherung: 12 Prozent

Notgroschen: 11 Prozent

Immobilienerwerb: 8 Prozent

Lebensversicherung: 8 Prozent

Absicherung der Angehörigen (Familie, Kinder): 7 Prozent

Absicherung für Notfälle: 7 Prozent

Urlaub: 5 Prozent



Quelle: GfK Mai 2012, 1.000 Online-Interviews





Was wird für Sie in dennächsten 2 bis 5 Jahren im Berufsleben wichtig sein?



Ausgeglichene Work-Life-Balance: 60 Prozent

Sicherer Arbeitsplatz: 53 Prozent

Spannende Aufgaben haben: 41 Prozent

Möglichkeit zur Gestaltung: 32 Prozent

Reich bzw. wohlhabend werden: 26 Prozent

Beförderung, Weiterentwicklung: 24 Prozent

Weiß nicht: 5 Prozent

Keine Angabe: 4 Prozent


Quelle: GfK Mai 2012, 1.000 Online-Interviews

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