zur Navigation zum Inhalt
Das neue Lagersystem ermöglicht einen direkten Zugriff auf einzelne Proben, die Anzahl der bewegten Proben wird minimiert und Temperaturschwankungen fast vollständig eliminiert.
 
Praxis 13. Juli 2012

Einfacheres Handling von Kryoproben

Ein neues System erspart das Heben schwerer Racks und reduziert den Kontakt mit flüssigem Stickstoff. 

Die Med Uni Graz verfügt über eine der größten Biobanken Europas. Die Sammlung mit rund 4,5 Millionen Proben umfasst biologisches Material wie Gewebe, Blut und andere Körperflüssigkeiten sowie Zellen und DNA. Um eine Vielzahl an Untersuchungen durchführen zu können, ist eine hochwertige Lagerung dieser Proben besonders wichtig. Lagersysteme müssen die Qualität und Integrität der eingelagerten Proben langfristig sicherstellen sowie gut und einfach zu bedienen sein. Anforderungen, die herkömmliche Kryo-Lagersysteme nur bedingt erfüllen.

Gefahren reduziert

Das nun von der Med Uni Graz und M&R Automation GmbH entwickelte Lagersystem setzt neue Maßstäbe für die Gewährleistung der Qualität von kryo-gelagerten biologischen Materialien. Herkömmliche Lagersysteme sind meist dadurch charakterisiert, dass man gesamte Racks mit allen darin eingelagerten Proben aus der schützenden Atmosphäre des Tanks herausnehmen muss, um einzelne Proben ein- bzw. auszulagern. Das Handling der Racks, Boxen und Proben mit Schutzhandschuhen ist umständlich und zeitaufwändig, was in der Folge unvermeidlich zu Vereisung und größeren Temperaturschwankungen in den Proben im entnommenen Rack führt.

Das neue Lagersystem hingegen ermöglicht einen direkten Zugriff auf einzelne Proben, die Anzahl der bewegten Proben wird somit minimiert und Temperaturschwankungen werden fast vollständig eliminiert. Weiters kommt es zu einer Erleichterung und Vereinfachung der Arbeitsschritte für die Forscher. Es müssen keine schweren Racks mehr gehoben werden, auch auf dicke Schutzhandschuhe kann verzichtet werden, weil keine tiefgekühlten Objekte direkt angefasst werden müssen und die Gefahren des Hantierens mit flüssigem Stickstoff werden drastisch reduziert.

Kompatibles System bald erhältlich

Neben qualitativen Vorteilen hat das neue Lagerungssystem auch wirtschaftlichen Nutzen. So können die Proben-Einlagerungs- und Entnahmeprozesse aufgrund des direkten Probenzugriffs schneller durchgeführt werden.

Kürzere Deckelöffnungszeiten und die Tatsache, dass keine Racks aus dem Tank entnommen werden müssen, führen zu geringerem Kälteverlust, zu verringertem Stickstoffverbrauch und damit zu einer signifikanten Betriebskostenersparnis. Das neuartige System ist mit herkömmlichen am Markt erhältlichen Lagersystemen kompatibel und soll bereits in einem halben Jahr auf dem Markt erhältlich sein.

Über das K-Projekt BioPersMed

Das K-Projekt „BioPersMed“, welches unter der Leitung der Medizinischen Universität Graz vor über einem Jahr gestartet wurde und weitere 18 industrielle und akademische Partner umfasst, führt neben neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen auch zu wirtschaftlich direkt nutzbaren Ergebnissen – wie man es am Beispiel des neuartigen Lagersystems sieht. Dieses Projekt zeigt auch, dass sich die Vernetzung am Humantechnologie-Standort Steiermark bezahlt macht. Die Kooperation zwischen den Mitglieds-Organisationen des Humantechnologie-Clusters M&RAutomation GmbH und Medizinischer Universität Graz schafft den vielfach angestrebten Mehrwert zwischen Wirtschaft und Academia.

Im K-Projekt "BioPersMed" wird nach Biomarkern geforscht, um in Zukunft Diagnostik und damit auch Behandlungen individueller gestalten, also „personalisieren“ zu können und so die Treffsicherheit und Wirkung der Therapien zu verbessern. 

Med Uni Graz, springermedizin.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben