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Praxis 21. Juni 2012

Vorbehalte gegenüber Aktien, Anleihen und Fonds

Integral-Studie: Nur jeder zehnte Österreicher will in Wertpapiere investieren.

Sicherheit, Transparenz und Kapitalwerterhaltung sind heimischen Anlegern wichtiger als steigende Erträge. Daher nehmen sie sogar Verluste beim (Bau)-Sparen in Kauf und meiden Wertpapiere wie der Teufel das Weihwasser.

 

„Eigentlich wäre es höchst an der Zeit, sich mit Aktien, Anleihen oder Fonds auseinanderzusetzen, weil die Erträge von Österreichs beliebtestem Buch von der Inflation aufgefressen werden“, bricht Thomas Schaufler, Wertpapierexperte der Erste Group eine Lanze für Wertpapierveranlagungen. Die Realität sieht freilich anders aus, wie eine aktuelle Integral-Studie von Anfang Mai unter 500 Österreichern beweist. Nur jeder zehnte heimische Anleger signalisiert hohe bis mittlere Bereitschaft, in den nächsten zwölf Monaten Wertpapiere zu erwerben. Für den Rest sind Aktien, Anleihen & Co kein Thema.

Die wesentlichen Gründe dafür sind die Unsicherheit durch die Finanzkrise (84 %), zu geringe Information über Wertpapiere (80 %) bzw. die Vermutung, „für diese Anlageform muss man Experte sein“ (79 %). „Besonders die fehlende Information unserer Kunden tut uns als Bank besonders weh. Das ist ein eindeutiger Auftrag, in der Kommunikation mehr auf diesem Sektor zu unternehmen“, räumt Schaufler Versäumnisse im eigenen Haus ein.

Das Sparbuch ist ein Verlustgeschäft

Wenn es um ihr Geld geht, sind die Österreicher bekanntlich eher konservativ veranlagt. Als risikoreichste Anlageformen gelten Aktien (77 %), Fonds (53 %) und Anleihen (44 %). Sparbuch und Bausparen werden hingegen als die sichersten Veranlagungsformen wahrgenommen; nur je fünf Prozent sehen hier ein hohes Risiko. Worauf allerdings vergessen wird, ist, dass sich angesichts der aktuellen Niedringzinsphase bei der Sparbuchveranlagung nur Nominalzuwächse von sechs (5 Jahre) bzw. 13 Prozent (12 Jahre) lukrieren lassen, aber tatsächlich Realverluste entstehen, weil die durchschnittliche Inflation (3,3 % monatliche Preissteigerung im Vorjahr) die bescheidenen Sparerträge mehr als wettmacht.

Eigentlich klingt der Wunsch des durchschnittlichen heimischen Sparers nach Kapitalerhalt bescheiden. Bedeutet dies doch nicht mehr und nicht weniger, als in Zeiten niedriger Zinsen bei geringem Risiko die Inflation zu schlagen, doch die Realität sieht im Nachhinein berechnet ganz anders aus: Zwischen April 2011 und April 2012 lag die durchschnittliche Monatsinflation bei 3,1 Prozent. Wer am 11. April 2011 bei der Erste Bank ein Kapitalsparbuch mit einer Laufzeit von einem Jahr eröffnete, erhielt dafür ein Jahr später 1,625 Prozent Zinsen. Das macht vor Abzug der Kapitalertragssteuer einen realen Wertverlust von minus 1,48 Prozent (siehe Rechenbeispiel).

Gold als Krisengewinner

Laut Integral-Studie erwarten die heimischen Anleger bei Gold und Immobilien (62%) die höchsten Renditen, gefolgt von Wertpapieren, Versicherungen und Sparprodukten, die mit elf Prozent fast gleich auf liegen. Das höhere Risiko bei Wertpapierveranlagungen wird anders als in der Vergangenheit nicht mehr mit höheren Renditen verknüpft. Der Trend zu Gold und Sachwerten ist schon seit einiger Zeit bemerkbar. Daher würden die Österreicher eine Erbschaft zu 26 Prozent in Immobilien und zu 17 Prozent in Gold investieren (Abbildung). „Gold sollte allerdings höchstens als Beimischung im Depot mit einem Anteil von fünf bis zehn Prozent dienen“, sagt Schaufler. Denn bei aller Euphorie dürfe man nicht vergessen, dass die Anleger nur von den Kursanstiegen des Edelmetalls profitieren, aber Gold keine Zinsen abwirft.

„Auch bei Immobilien ist angesichts der mittlerweile teils überzogenen Anschaffungskosten Vorsicht geboten“, warnt der Experte. Auch weniger riskante Alternativen wie Aktien mit hohen Dividendenausschüttungen oder Unternehmensanleihen bekannter Unternehmen sind unter den heimischen Anlegern jedoch derzeit kaum ein Thema.

Krisensichere Strategie

In den zahlreichen Krisen seit 1973 – Ölkrise (1973), Energiekrise (1979/80), Aktiencrash (1987), Asienkrise (1997), Russlandkrise (1998), Internetblase (2000) und 9/11 (Terror-Anschlag New York) – sind jene Anleger am besten unterwegs gewesen, die ihr Vermögen breit gestreut haben. Eine ausgewogene Veranlagung, aufgeteilt auf insgesamt sieben Assetklassen (Öl, Gold, Immobilien, Anleihen, Aktien, Schweizer Franken und US-Dollar) brachte innerhalb von fünf Jahren 46,16 bzw. nach zwölf Jahren 146,98 Prozent Nominalrendite. Da es keine Asset-Klasse gibt, bei der es immer nach oben geht, ist eine möglichst breite Streuung das Geheimnis des Erfolges. „Alles auf eine Karte zu setzen ist immer falsch“, warnt Schaufler. Das gelte sowohl für das Sparbuch als auch für Wertpapiere. Eine gezielte Vermögensverwaltung minimiert das Gesamtrisiko der Veranlagung, reduziert die Wertschwankungen und erhöht das langfristige Erfolgspotenzial.

Seit dem 1. Jänner 2000 ist beispielsweise Öl um 277 Prozent gestiegen. „Das wird von vielen mitverfolgt, aber nicht investiert, weil die Anleger warten, bis es noch besser wird“, sagt Schaufler. Ab einem Veranlagungsvolumen von 20.000 bis 30.000 Euro mache es Sinn, sein Geld auf mehrere Assetklassen aufzuteilen. „Wir gehen davon aus, dass die Zinsen auf die nächsten Jahre niedrig bleiben werden. Wenn man daher nicht mit negativen Realzinsen leben möchte, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich über die Aufteilung seiner Ersparnisse Gedanken zu machen“, so Schaufler. Oberste Priorität habe dabei das Thema Risiko. Die Kunden fragten bei Veranlagungsgesprächen viel häufiger nach, wollten genau verstehen, wie eine Produkt funktioniert, und daher liege es an den Banken, dem Wunsch nach mehr Information Rechnung zu tragen.

„Wie veranlagen Sie 50.000 Euro?“

Würden die Österreicher 50.000 Euro erben, fiele der Veranlagungsmix laut Integral-Befragung wie folgt aus: 43 Prozent des Geldes würden in Gold und Immobilien gesteckt, 24 Prozent in (Bau)-Sparen, 18 Prozent in Versicherungen und bescheidene zehn Prozent (oder 5.000 Euro) in Aktien, Anleihen & Co (Abbildung). Daher empfiehlt der Veranlagungs-Experte, die Anzahl der Assetklassen zu erhöhen: „Eine Veranlagung, die neben zinsgebundenen Produkten (Bausparen, Sparbuch, Anleihen) auch Aktien, Währungen und Rohstoffe abdeckt, bringt gerade in Krisenzeiten die notwendige Stabilität ins Portfolio.“

Von M. Strausz , Ärzte Woche 25 /2012

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