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Praxis 5. Juni 2012

AGES-Produktwarnung vor Kartoffel-Erdäpfel-Creme

Kosmetikum als gesundheitsschädlich eingestuft.

 

Die AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH) gibt im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit bekannt, dass im kosmetischen Mittel "Kartoffel-Erdäpfel Creme" des deutschen Erzeugers Stolz GmbH eine Kontamination mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa festgestellt wurde. Diese Bakterien können bei vorgeschädigter Haut Erkrankungen wie Follikulitis (Entzündung des Haarbalgs) oder Entzündungen des äußeren Gehörgangs verursachen. Der Grenzwert ist deutlich überschritten. Das Produkt wurde daher als gesundheitsschädlich beurteilt, vor einer Verwendung wird ausdrücklich gewarnt.



Das Produkt war vereinzelt auch im österreichischen Einzelhandel (Naturkosmetik) sowie über diverse Veranstaltungen/Messen erhältlich. Aufgrund der langen Mindesthaltbarkeit kann nicht ausgeschlossen werden, dass Produkte bei VerbraucherInnen vorhanden sind.

Bezeichnung der Ware: Kartoffel-Erdäpfel Creme 250 ml

Chargennummer: 0370

Mindesthaltbarkeitsdatum: 30.11.2014

Hersteller: Stolz GmbH, Deutschland

Diese Warnung besagt nicht, dass die Gesundheitsschädlichkeit der Ware vom Erzeuger, Hersteller, Importeur oder Vertreiber verursacht worden ist. Die AGES ersucht VerbraucherInnen, vorhandene betroffene Produkt keinesfalls zu verzehren, sondern umgehend zu entsorgen bzw. in der Verkaufsstelle zu reklamieren. Die amtliche Lebensmittelaufsicht der Länder setzt erforderlichenfalls weitere Maßnahmen.

Was ist Pseudomonas?


Die Bakterien aus der Familie der Pseudomonaden sind typische "Nass- oder Pfützenkeime". Man findet sie überall, wo es feucht ist und Spuren organischer Substanz vorkommen: Häufig in Feuchträumen, z. B. im Waschbecken, Duschen, Toiletten, Whirlwannen, Waschlappen oder Kontaktlinsenflüssigkeiten, aber auch in Blumenvasen und sogar in destilliertem Wasser, sofern noch Spuren von organischer Substanz vorhanden sind. Die Keime findet man auch in Lebensmitteln und Leitungswasser.

Die meisten Pseudomonas-Stämme bilden Pigmente. Pseudomonas aeruginosa z. B. verdankt seinen Namen der typischen grünlichen Eiterfarbe – das lateinische "aerugo" bedeutet "Grünspan". In Zeiten, als noch keine Antibiotika zur Verfügung standen, galt dieser grüne Eiter übrigens als günstiges diagnostisches Zeichen, deutete es doch darauf hin, dass die an sich harmlosen Pseudomonaden weitaus gefährlichere Eiterbakterien wie z. B. Staphylokokken verdrängt hatten.
Der grünlich-metallische Glanz, den verdorbenes Fleisch oder Wurst aufweisen, wird ebenfalls durch P. aeruginosa verursacht.

Die Bakterien-Familie der Pseudomonaden gehört zu den widerstandsfähigsten und anspruchlosesten Bakterien überhaupt. Sie sind z. B. von Natur aus gegen viele gebräuchliche Antibiotika unempfindlich.

Wann können Pseudomonaden gefährlich sein?


Pseudomonaden sind für gesunde Menschen weitestgehend harmlos. Durch sie verursachte Entzündungen des äußeren Gehörganges finden sich oft bei Leistungsschwimmern. Zum Problem können sie aber im Krankenhausbereich werden: Als so genannte opportunistische Krankheitserreger können sie eine Infektion bei schwer abwehrgeschwächten Patienten oder bei massiver Einbringung ins Gewebe auslösen. P. aeruginosa ist einer der häufigsten Ursachen für im Krankenhaus erworbene Lungenentzündungen und Harnwegsentzündungen. Eine Übertragung von Patient zu Patient ist ebenfalls möglich, v. a. auf Verbrennungsstationen oder onkologischen Abteilungen. Die Erreger können auch über feinste Wassertröpfchen (Aerosole) eingeatmet werden.

Wie kann die Erkrankung behandelt werden?


Pseudomonaden sind zwar von Natur aus resistent gegen viele Antibiotika; die meisten Stämme sind aber empfindlich gegenüber Aminoglykoside (Gentamicin, Tobramycin, Netilmicin, Amikacin) und Chinolone.

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