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Praxis 23. Mai 2012

Test zu Generika-Verkauf in Wiener Apotheken

Kunden, die kostenbewusst einkaufen möchten, wird dies nicht leicht gemacht.

Die Liste der in Österreich am häufigsten verkauften, nicht rezeptpflichtigen Medikamente zeigt, dass teure Originalpräparate ganz oben rangieren. Für zahlreiche Präparate gibt es aber meist deutlich günstigere, qualitativ gleichwertige Nachahm-Präparate, sogenannte Generika. Der Kunde selbst hat in der Regel keine Möglichkeit zum Preisvergleich und ist auf die Auskunft in der Apotheke angewiesen. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat bei 20 Wiener Apotheken erhoben, ob dem Wunsch des Kunden nach einem günstigeren und gleichwertigen Medikament nachgekommen wird.

 

Konkret wurde nach Alternativen zu einem Schmerzmedikament und einem Fieberblasenmittel gefragt.

Teure Originalpräparate bevorzugt angeboten

Das Ergebnis der Erhebung: Kunden, die kostenbewusst einkaufen möchten, wird dies nicht leicht gemacht. In 33 von 40 Fällen wurden teure Originalpräparate angeboten. Selbst, als die Testperson nochmals nach einer günstigeren Alternative fragte, gingen viele Apotheker nicht darauf ein. In 17 von 40 Fällen blieben die Apotheker beim Originalpräparat - meist mit dem nicht korrekten Hinweis, es gebe kein billigeres Produkt.

Beispiel ASS gegen Kopfschmerzen

Aspirin zählt in Österreich seit Jahren zu den meistverkauften, nicht rezeptpflichtigen Medikamenten. Das Präparat der Firma Bayer kostete zum Testzeitpunkt in der 20-Stück-Packung 4,75 Euro (Tabletten 500 mg).

Die ebenfalls erhältlichen wirkstoffidenten Generika von Ratiopharm und Genericon waren mit 1,60 Euro beziehungsweise 1,15 Euro in gleicher Packungsgröße deutlich billiger.

Nur zwei von 20 Apotheken boten der Testperson auf Anfrage sofort das günstigste Generikum an. Erst auf weitere Nachfrage hin wurde in 15 Apotheken ein billigeres, aber ansonsten identes Präparat verkauft.

In einer Apotheke wurde ASS Hexal 100 mg angeboten, das mit Aspirin 500 mg nicht ident ist. Die Kunden müssten für dieselbe Wirkung fünf Tabletten einnehmen und damit letztlich auch mehr zahlen. Hier unterblieb auch jeglicher Hinweis auf die unterschiedliche Dosierung.

Beispiel Fieberblasensalbe

Die Fieberblasensalbe Zovirax Creme 5 % kostete in der Zwei-Gramm-Tube 5,55 Euro. Die beiden günstigsten Alternativen waren Aciclovir 1A Pharma-Creme und Aciclovir Genericon-Creme 5 % um jeweils fünf Euro.

Bei Zovirax wurde zunächst 17 Mal das Originalprodukt angeboten. Trotz erneuter Preis-Nachfrage wurde 14 Mal das Original ausgehändigt. In einer Apotheke wurde zwar ein Generikum verkauft, jedoch war dieses teurer als Zovirax selbst.

Generika können im freien Handel auch teurer sein als das Original

"Also Achtung: Generika können auch teurer sein als Originalpräparate, da rezeptfreie Arzneimittel keiner Preisregulierung unterliegen", so Dr. Klepp.

Keine Freude mit sparsamen Kunden?

"Dieser Test hat uns gezeigt, dass Apotheker nicht immer Freude mit kostenbewussten, nachfragenden Kunden haben. Konsumenten sollten nichtsdestotrotz die Chance nützen, auch bei nicht rezeptpflichtigen Mitteln Kosten zu sparen. Sie haben das Recht auf eine Preisinformation durch den Apotheker und auch nur hier können sie einen Preisvergleich identer Produkte, also Generika, anstellen.

Die Preisinformation zählt ebenso zu den Aufgaben des Apothekers wie die zuverlässige Auskunft über die Wirkung und den Gebrauch von Arzneimitteln", betont VKI-Gesundheitsexpertin Dr. Bärbel Klepp.

Details zum Test gibt es auf www.konsument.at  und ab dem 24.5. im Juni-Konsument.

konsument / IS, springermedizin.at

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