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Fotos (2): H. David
Befreien sich aus ihrem Material: die Bronzeskulpturen „Blanca“ (links) und „Amphora“ (rechts).
 
Praxis 16. Mai 2012

Rudolf Schwaiger: eine runde Sache

Humor und Lebensfreude strahlen die Frauenfiguren des Salzburger Künstlers aus.

Er verführt zur Banalität, so einfach erscheint der erste Zugang zu Rudolf Schwaigers Frauengestalten. Rubens fällt einem da ein, Botero, eventuell auch Wolfgang Herzig. Allen diesen Künstlern ist gemeinsam, dass ihre Annäherung an die Frau vielleicht eine sinnliche, aber keinesfalls lüsterne war, dass sie die Frau oft nackt, aber immer würdevoll darstellten. Allerdings kamen sie auch nicht so weit wie Niki de Saint Phalle, die ihre Nanas nicht nur Weiblichkeit, sondern auch Lebensfreude, Bewegung, Selbständigkeit und Einladung ausstrahlen ließ.

 

Aber immer geht es um die pralle Weiblichkeit, wobei sich die Frage stellen sollte, warum es immer die Weiblichkeit ist, die prall ist. Kann es sein, dass wir in den letzten 25.000 Jahren – seit der Formung der Venus von Willendorf – die Idee, dass Frauen gefälligst fruchtbar zu sein haben, immer noch nicht überwunden haben?

Damit sind wir schon in der Nähe von Rudolf Schwaiger. Auch seine Frauengestalten haben Humor und Lebensfreude, fast wollen sie aus dem Stein, dem Holz, dem Metall herauskommen. Und daran sieht man auch die Besonderheit Schwaigers: die Arbeit, die er bewältigt, die Kraft, die er aufwendet, um die Persönlichkeiten aus dem Material zu befreien, ihnen den maximal möglichen Raum zukommen zu lassen. Wenn sein Studienkollege und langjähriger Freund Alfred Hrdlicka meinte, dass alle Macht vom Fleische ausgeht, so stellt Schwaiger nicht dagegen, sondern gegenüber, dass alle Persönlichkeit vom Material ausgeht. Somit hat jeder auf seine Weise den gemeinsamen großen Lehrer Wotruba verstanden und überwunden, sich von dessen tektonischem Stil entfernt und die eigene Ausdrucksform entwickelt.

Schwaiger, 1924 in Ebensee geboren, erlernte wie viele aus seiner Familie das Gewerbe des Holzbildhauers. An der Akademie in Wien bei Wotruba vertiefte er sich mit der ihm eigenen Intensität auch in die Arbeit mit anderen Materialien. Im dichten sozialen Leben der damaligen Künstlergeneration war er nicht integriert, es wäre ihm schade um die Arbeitszeit, die Tätigkeit am Werkstück gewesen.

Um den Bogen zur Banalität zu schließen: eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass jemand, der sich einer Sache zuwendet, diese auch mit Ernsthaftigkeit und Konsequenz betreibt. Wenn man es auf sich nimmt, sich den – alle mit Eigennamen versehenen – Frauengestalten anzunähern, dann lernt man auch die Unterschiede zwischen ihnen erkennen und wertzuschätzen. Und dann kann auch der Blick auf eine graphische Darstellung oder eine Skulptur einer solchen Person nicht nur zu einem einseitigen Begeilen, sondern zu einer Begegnung mit der Persönlichkeit und somit zu einer runden Sache werden. Die Ausstellung im Kunstraum Dr. David, 1130 Wien, wird am Freitag, den 1. Juni 2012, von Bezirksvorsteher DI Heinrich Gerstbach eröffnet und ist bis Mitte Juli jeweils Donnerstag frei zugänglich. Auch einsehbar unter http://www.kunstpraxis-david.at  

Von H. David , Ärzte Woche 20 /2012

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