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Fotos (3): Dorotheum Österreich
Klassische Moderne: Alfons Walde 582.000 Euro

Klassische Moderne: Egon Schiele, 720.000 Euro

19. Jahrhundert: Waldmüller, 1,32 Mio Euro

 
Praxis 9. Mai 2012

Kunst gewinnt bei Privatanlegern an Attraktivität

Signifikanter Anstieg bei privaten Käufen.

Am internationalen Kunst- und Antiquitätenmarkt wurden im Vorjahr Umsätze von 64 Milliarden US-Dollar erzielt. Das entspricht einem Anstieg von 63 Prozent gegenüber dem Krisenjahr 2009. China hat mit einem Marktanteil von 30 Prozent erstmals die USA (29%) überholt.

Damit wurde die seit Jahrzehnten andauernde Vormachtstellung der Amerikaner beendet, wie aus einer aktuellen Studie anlässlich der 25. Kunstmesse Tefaf in Maastricht Ende März hervorgeht. Dabei lag Chinas Anteil am weltweiten Kunstmarkt 2010 erst bei 23 Prozent. Studienautorin und Kulturökonomin Clare McAndrews bezeichnet den rasanten Aufstieg Chinas „als eine der grundlegendsten und wichtigsten Veränderungen in den letzten 50 Jahren.“

Der chinesische Kunstboom hat mehrere Ursachen, vor allem den, dass privater Kunstbesitz in China jahrelang verboten war und daher nun erhöhter Nachholbedarf besteht. Kommt dazu, dass Finanzmarktkrisen von jeher Milliarden von Dollar an Fluchtkapital in den globalen Kunstmarkt spülen. Drittens beschleunigt Europa mit seinen zahlreichen gesetzlichen Vorschriften und der Steuergesetzgebung diesen Trend. So galt für den Handel mit Kunstwerken bisher ein ermäßigter Steuersatz von sieben Prozent. Geht es nach der EU-Kommission, soll der Mehrwehrtsteuersatz auf 19 Prozent erhöht werden. Schließlich hat sich herumgesprochen, dass Kunst als Anlageform durchaus stattliche Renditen abwerfen kann.

Ein Beispiel gefällig? Rembrandts frühes Brustbild eines Mannes „mit eisernem Kragen“ ging 1974 bei Christie´s um 84.000 Pfund weg. Im Juli 2012 soll es dort abermals versteigert werden und zwar zu einem Schätzpreis zwischen acht und zwölf Millionen Pfund. Und last but not least verweist die Tefaf-Studie auf die Wohlstandsentwicklung im Bereich der vermögenden Haushalte mit einem Jahresbruttoeinkommen zwischen 45.000 und 150.000 Dollar, die zu den bevorzugten Käufern von Kunst in mittleren Preisklassen zu zählen sind.

Der Haupttreiber des Kunstmarktes war neben den starken Verkäufen auf dem chinesischen Auktionsmarkt die Zunahme der Verkäufe im Bereich Freier Kunst verglichen mit denen Angewandter Kunst. Der Aufschwung der Bereiche „Kunst der Moderne“ und „Gegenwartskunst“, die für 70 Prozent des Freien Kunstmarktes verantwortlich sind, setzte sich auch im Vorjahr unvermindert fort und übertraf sogar das Volumen der Boomphase 2007/2008. „Für alle Regionen werden 2012 und die kommenden Jahre eine große Herausforderung darstellen, denn der chinesische Kunstsektor muss sich mit einem aktuell überhitzten Markt auseinandersetzen und für größere Stabilität und ein langfristiges Wachstum sorgen“, berichtet die Studienautorin. Europa hingegen müsse angesichts ständiger regulatorischer und finanzieller Verschärfungen danach trachten, seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, und die USA befinde sich in der herausfordernden Situation, im Vorjahr ihre Kunst-Vormachtstellung an China verloren zu haben.

Die Top-Auktionshäuser

Der Kunst-Auktionsmarkt wird vom US-Auktionshaus Sotheby´s und seinem englischen Counterpart Christie´s beherrscht. Sotheby´s erzielte im Vorjahr mit 5,8 Milliarden Dollar (+21% gegenüber 2010) den zweithöchsten Umsatz seiner Geschichte und überflügelte damit zum ersten Mal seit 2008 seinen englischen Rivalen, der 5,7 Milliarden Dollar (+14% geg. 2010) umsetzte. Im Vergleich dazu erzielte Dorotheum Österreich Auktionserlöse von 144 Millionen Euro, mehr als 100 Millionen davon entfielen auf Kunstauktionen.

Signifikant ist die Zunahme der Privatverkäufe bei beiden Häusern. Darunter versteht man das Geschäft, das hinter den Kulissen im verschwiegenen „Art Brokering“ abgewickelt wird. Auch hier ist Sotheby´s neuer Marktführer und hat mit 815 Millionen Dollar seinen ewigen Konkurrenten, der nur 809 Millionen Dollar verzeichnen kann, knapp ausgestochen. Der Privatanteil liegt bei beiden Marktführern bei rund 14 Prozent und damit deutlich über dem Anteil, welchen das Privatgeschäft im bisherigen Rekordjahr 2007 erzielte. Insgesamt ging aber der Weltauktionsmarktanteil der beiden Marktführer laut Preisdatenbank Artprice zwischen 2001 und dem Vorjahr von 73 auf 47 Prozent zurück. Dies ist nicht zuletzt auf die beiden chinesischen Big Player „Poly“ und „China Guardian“ zurückzuführen, die im Vorjahr jeweils 1,2 bis 1,9 Milliarden US-Dollar umsetzten. „Die boomenden chinesischen Auktionen sind der Hauptgrund für die gute Situation des Weltkunstmarktes“, sagt McAndrews. „Insgesamt investierten die Chinesen 2011 vier Milliarden US-Dollar in ihre eigene Malerei, das ist mehr, als Sotheby´s und Christie´s mit westlicher moderner Malerei aller Kategorien umsetzen konnten“, berichtete Bill Ruprecht, Sotheby´s-CEO bei der Bilanzpressekonferenz. Insgesamt erzielte das US-Auktionshaus im Vorjahr 35 Prozent seines Umsatzes in China, vier Jahre zuvor waren es erst vier Prozent. Hongkong hat sich inzwischen zum drittgrößten Auktionsmarkt der Welt gemausert. Mit ein Grund sind neben den mehr als eine Million chinesischen Euro-Millionären die ausgezeichneten steuerlichen Rahmenbedingungen. Für Kunstwerke fallen keinerlei Verkaufssteuern an, und Im- und Exporte sind zollfrei. Trotz des erhöhten Drucks aus Asien und dem Osten verspricht Sotheby’s New York weitere Rekorde: Die mit Spannung erwartete Auktion von Edvard Munchs weltberühmten Gemälde „Der Schrei“ brach mit 119,9 Mio. Dollar alle bisherigen Auktionserlöse. Am 9. Mai sollen für Andy Warhols Siebdruck „Double Elvis“ rund 50 Millionen bezahlt werden.

Alte Meister versus zeitgenössische Kunst

Kunst schaffte in den letzten zehn Jahren ein jährliches Durschschnittswachstum von 7,8 Prozent, während im Vergleichszeitraum der S&P-500-Aktienindex nur um 2,7 Prozent zulegen konnte. Der Finanzberater Deloitte spricht von einer neuen „Kunst-Finanzindustrie“, die ihre „emotionalen Investitionen“ bereits zu mehr als 20 Prozent mit Kunst abdecke. Zeitgenössische Kunst (= Contemporary Art: Kunst, die nach dem 2. Weltkrieg entstanden ist) ist gefragt wie niemals zuvor und hat die Klassische Moderne zurückgedrängt. Ihr wertmäßiger Marktanteil stieg im abgelaufenen Jahrzehnt von elf auf 28 Prozent. Wie stark die Nachfrage nach der sogenannten Contemporary Art ist, zeigt das Vorjahresergebnis von Christie´s: Vom Gesamtumsatz von 5,7 Milliarden Dollar entfielen auf Kunstwerke dieser Gattung 1,2 Milliarden Dollar, gefolgt von asiatischer Kunst mit 890 Millionen und der Moderne von 883 Millionen Dollar. Und der positive Trend setzt sich fort: die für heuer geplanten Auktionen der beiden Marktführer sind vom Volumen her doppelt so groß wie 2011. Dennoch bleibt die Nachfrage nach Alten Meistern konstant hoch. So haben die ausgezeichneten Ergebnisse der Altmeister-Auktionen Ende Jänner in New York und London gezeigt, dass dieser Markt konstant stark ist. Bei Sotheby´s in New York ersteigerte ein europäischer Sammler Tizians „Sacra Conversazione“ mit dem Apostel Lukas und Katharina von Alexandrien (um 1560) für 16,8 Millionen Dollar. Dieses Ergebnis übertraf sogar den bisherigen Rekord für ein Tizian-Gemälde aus dem Jahr 1991 mit 12,4 Millionen Dollar. „Es wird auch in Zukunft keine radikalen Veränderungen geben. Alte Schätze gelten schon immer als wertbeständige Geldanlage, und das gilt bis heute“, berichtet Georg Gordon, Experte für Gemälde Alter Meister bei Sotheby´s London. Was sich hingegen geändert habe, ist das steigende Interesse privater Käufer. Das habe auch damit zu tun, dass man für wenige 100.000 Euro bei den Alten Meistern bereits herausragende Bilder kaufen könne. „Der Markt für Altmeistergemälde hat sich in den letzten Jahren als sehr stabil und ausbaufähig erwiesen. Der Zuwachs war zwar nicht so spektakulär wie im Bereich der zeitgenössischen Kunst, dafür entwickelte sich der Altmeistermarkt umso konstanter, mit wesentlich weniger Schwankungen und Preiskorrekturen nach unten“, sagt Altmeister-Händler Konrad O. Bernheimer aus München. Selbst hoch bedeutende Gemälde seien im Vergleich zu Werken moderner und zeitgenössischer Meister immer noch teilweise unterbewertet und daher zu einem guten Preis zu erwerben.

Von M. Strausz , Ärzte Woche 19 /2012

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