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Foto: Erste Group

Fritz Mostböck Chef-Analyst der Erste Group

Foto: K. Keinrath

Peter Brezinschek Chef-Analyst der Raiffeisenbank International (RBI)

Foto: Erste Group

Hans Engl Analyst Internationale Aktien der Erste Group

Foto: RCB

Stefan Maxian Chefanalyst der Raiffeisen Centro Bank (RCB)

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Mildred Hager Fixed Income Analystin der Erste Group

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Günther Artner Analyst der Erste Bankt

 
Praxis 3. Mai 2012

Leichte Aufhellung am globalen Börsehimmel

Heimische Analysten sind vorsichtig optimistisch und empfehlen, selektiv in Aktien und Gold zu investieren.

Im Rahmen der Pressekonferenz „Kapitalmarktszenario Österreich & CEE“ am 10. April 2012 in Wien erörterten Experten ihre Börse-Prognosen für das zweite Quartal .

 

„Seit den Wintermonaten hat sich die Erwartung der Unternehmer in Zentral- und Osteuropa (CEE) und Österreich zu bessern begonnen“, berichtete Peter Brezinschek, Chef-Analyst der Raiffeisenbank International (RBI). Brezinschek rechnet daher 2012 mit einem durchschnittlichen BIP-Wachstum für die CEE-Länder von 2,6 Prozent, Anfang Dezember 2011 wurden noch zwei Prozent prognostiziert. „Stellt man dieses Wachstum der Rezession in der Eurozone in Höhe von 0,5 Prozent gegenüber, wird klar, dass CEE einmal mehr die Wachstumsregion Europas ist.“ Auch Fritz Mostböck, Chef-Analyst der Erste Group, sieht eine deutliche Verbesserung des Risikoumfelds im 1. Quartal 2012, will aber noch keine Entwarnung geben: „Im Kontext der Verschuldungskrise bleiben die Renditen der Benchmark-Anleihen niedrig und globale Aktien sowie Gold attraktiv. Daher ist ein selektives Vorgehen weiterhin ratsam. Insgesamt sehe ich Chancen in ausgewählten Aktienmärkten (USA, CEE, Brasilien, Russland, Indien), dem Gesundheits- und Technologiesektor sowie der Goldanlage.“

„Globale Aktien konnten im laufenden Jahr großteils zweistellige Kursentwicklungen verzeichnen“, sagte Hans Engl, Analyst Internationale Aktien der Erste Group. Dennoch sieht Engel keine nachhaltige Bestätigung des Aufwärtstrends, weil die Handelsvolumina an den Börsen um 20 bis 25 Prozent geringer ausfielen als im 1. Quartal des Vorjahres. „Bis zur Jahresmitte erwarten wir zwar leicht positive Märkte, aber keine brüllende Hausse.“

US-Aktien weisen gegenüber 10-jährigen US-Staatsanleihen einen Renditevorsprung von 397 Basispunkten auf (Europa: 502 BP). US-Aktien (S&P 500) dürften weiter zulegen können, während die europäischen Indizes (wie DJ Stoxx Index) unter der starken Gewichtung von Finanzwerten leiden und sich daher im laufenden Quartal leicht negativ entwickeln werden. „Brasilien und Russland sind unsere Favoriten unter den BRIC-Ländern. In Summe erwarten wir einen moderaten Anstieg des MSCI-Weltaktienidex um fünf Prozent“, so Engel.

Im Zuge der Liquiditätsschöpfung der Europäischen Zentralbank (EZB) hat sich das freundliche Börsenklima von Kerneuropa auch auf die CEE-Börsen übertragen. „Paradoxerweise haben die mit großen Problemen konfrontierten Länder Rumänien und Ungarn zweistellige Kurszuwächse, während die fundamental stärkeren Länder wie Polen, Tschechien und Russland darunter liegen“, sagte Brezinschek. Er rechne daher für die gesamte CEE-Region im zweiten Quartal mit durchschnittlichen Kurssteigerungen von sechs bis elf Prozent und halte an seiner generellen Kaufempfehlung für die CEE-Börsen auf drei bis sechs Monate weiterhin fest.

Die CEE-Favoriten der RBI sind „Bogdanska“, der effizienteste und am günstigsten bewertete Produzent thermischer Kohle in Polen (jährlicher Ausstoß: 6 Mio. Tonnen). Im polnischen Mediensektor wird „Cyfrowy Polsat“ bevorzugt, die Aktie sollte vom Pay-TV-Geschäft und von der Erholung des polnischen Zloty profitieren. Eine weitere Empfehlung betrifft den russischen Telekomwert „MTS“. Steigende Reallöhne und frei verfügbare Einkommen sollten sich auf die Telekomumsätze positiv auswirken.

Die TOP-Picks der Wiener Börse

Die Analysten der Raiffeisen Centro Bank (RCB) rechnen heuer mit einer um Einmaleffekte bereinigten Gewinnsteigerungsrate der ATX-Unternehmen von 14 Prozent. Mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von 10,1 für 2012 bleibt die Bewertung unter dem langjährigen Durchschnitt. „Die gesetzten Liquiditätsmaßnahmen der EZB und die Verbesserung der Börsestimmung sollten zu einer zufriedenstellenden Geschäftsentwicklung führen. Ich rechne mit einem ATX-Stand von 2.350 Punkten bis Ende Juni und einem Jahresschlusskurs von 2.450 Punkten“, so RCB-Chefanalyst Stefan Maxian. Im Immobiliensektor bevorzugt der Analyst die Immofinanz, weil das Unternehmen seine Dividende aus den operativen Erträgen ohne Immobilienverkäufe erwirtschafte. Im Industriebereich empfiehlt die RCB die Unternehmen AMAG und Mayr-Melnhof. Für ersteren spreche die steigende Aluminiumnachfrage, für den Papierhersteller der Abbau der Lagerbestände in der Kartonindustrie und die steigende Nachfrageentwicklung. Das starke Passagierwachstum Anfang des Jahres (+9,6%) veranlasst Maxian zudem zu einer Kaufempfehlung für den Flughafen Wien. Das hohe Ölpreisniveau und die Wiederaufnahme der Förderung in Lybien sowie die Verbesserung der Raffineriemargen in Rumänien sprächen für eine positive Kursentwicklung der OMV-Aktie.

Die aktuellen Top-Empfehlungen von Erste-Bank-Analyst Günther Artner heißen Lenzing, Immofinanz, RHI, OMV und voestalpine und außerhalb des ATX die Polytec. Weniger optimistisch als sein RCB-Kollege äußert sich Artner zu den Kursaussichten des ATX: „Ich rechne mit einem ATX-Stand von 2.100 Punkten zur Jahresmitte und mit einem Schlusskurs am Jahresende von 2.300 Punkten.“ Begründung: Der ATX sei erst vor kurzem unter die 200-Tageslinie gefallen, die nach wie vor deutlich sinke. Daher werde es noch einige Zeit dauern, bis der ATX nachhaltig steigen könne.

Glänzende Aussichten

Gold und Silber entwickelten sich im 1. Quartal des neuen Jahres klar positiv. Gold tendierte um sieben Prozent fester, während Silber sogar um 16,9 Prozent an Wert zulegen konnte. „Wir gehen davon aus, dass die Korrektur, die im Herbst 2011 einsetzte, nun weitgehend beendet ist“, berichtete Mostböck. Für die Fortsetzung des langfristigen Aufwärtstrends sprächen die Realzinsen, die sowohl in den USA als auch in Europa wohl über einen längeren Zeitraum im negativen Terrain bleiben werden. Erst ab einem positiven Realzins von drei Prozent sei das Umfeld für Gold unattraktiv. Auch die fragile Verfassung der Finanzmärkte und die zunehmende Skepsis bezüglich ungedeckter Papiergeldwährungen sowie die anhaltende Staatsschuldenproblematik sollten den Goldpreis weiterhin unterstützen. „Wir bleiben bei unserem positiven Ausblick und erwarten bis Juli 2012 einen Goldpreis von 2.000 Dollar sowie langfristig das Überschreiten des inflationsbereinigten Allzeithochs von 2.300 US-Dollar je Unze“, so der Erste Group Chefanalyst.Auch beim Ölpreis sollte sich der Aufwärtstrend sehr zum Leidwesen der heimischen Autofahrer fortsetzen. Die schwelenden politischen Risiken in Nigeria, Irak, Jemen, Syrien und Sudan seien im derzeitigen Ölpreis zu gering diskontiert. „Bis zum März 2013 rechnen wir daher mit einem durchschnittlichen Ölpreis (Brent) von 123 US-Dollar je Barrel“, so Mostböck.

Letzte Frage: „Wer ist stärker?“

Da die EZB den europäischen Banken ausreichend Liquidität zur Verfügung stellt, ist die Verschuldungsthematik kurzfristig in den Hintergrund gerückt. Davon hat auch der Euro profitiert. „Aber die besseren Wachstumsaussichten in den USA sprechen für einen stärkeren Dollar im Jahresverlauf“, sagte Mildred Hager, Fixed Income Analystin der Erste Group. Die wichtigsten Risiken diesbezüglich blieben auf Seiten der Eurozone eine Wiederaufwallen der Staatsschuldenkrise. Daraus errechne sich ein „fairer Wert“ von 1,27 Dollar für einen Euro.

Von M. Strausz , Ärzte Woche 18 /2012

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