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Franz Floss Geschäftsführer des VKI

Qualität muss nicht immer vom Preis abhängen, was beispielsweise bei vielen Kosmetik- und Pflegeprodukten der Fall ist.

 
Praxis 17. April 2012

Sparen ohne Qualitätsverlust

Einsparungspotenziale von bis zu 92 Prozent sind im Haushalt möglich, so der Verein für Konsumenteninformation.

Das Sparpaket des Staates kommt und zwingt viele Menschen, noch genauer auf ihr Geld zu schauen. Die Experten des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) zeigen, was beispielsweise beim Thema Autoversicherung alles möglich ist.

 

„Viele Leute sind mit ihrem Versicherungsvertreter seit ewig verheiratet. Hier gibt es aber enormes Einsparungspotenzial. Bei Kfz-Polizzen liegt daher das Geld buchstäblich auf der Straße“, erklärt VKI-Chefredakteur Gerhard Früholz. So ließen sich zwischen 100 und 250 Euro im Jahr sparen, bei Polizzen mit Teilkasko seien bis zu 400 Euro, bei Vollkasko-Versicherungen sogar bis zu 560 Euro drin.

Hauptfälligkeit und Kündigungsfrist

Der größte Aufwand liegt für viele Autofahrer darin, die Versicherungsunterlagen regelmäßig hervorzuholen. Kfz-Haftpflichtversicherungen lassen sich jährlich mit einem Monat Kündigungsfrist beenden. Stichtag ist der Zeitpunkt, zu dem die Versicherung abgeschlossen wurde und die neue Jahresprämie fällig wird, die so genannte Hauptfälligkeit. Jährlich kündbar ist auch die Kaskoversicherung, allerdings beträgt die Kündigungsfrist je nach Vertrag bis zu drei Monate. Wichtig ist daher, rechtzeitig aktiv zu werden, sei es per Online-Suche oder mithilfe unabhängiger Makler, indem man seinen Versicherungsvertreter kontaktiert oder sich telefonisch oder per Mail direkt an mehrere Versicherer wendet. Selbst wenn ein Wechsel denkbar unproblematisch ist, lohnt es sich, mit dem bestehenden Versicherer nachzuverhandeln. Wer auf ein günstigeres (möglichst schriftliches) Konkurrenzoffert verweisen kann, hat gute Karten, die bestehende Prämie nach unten anpassen zu können.

Selbstbehalte und jährliche Zahlungsweise

Ein gutes Feld für Einsparungsmöglichkeiten sind Selbstbehalte. Hohe Selbstbehalte reduzieren die Prämie deutlich. Ob dies im Einzelfall Sinn macht, ist letztlich Abwägungssache. „Bei einem Kaskovertrag für ein nicht mehr neues Fahrzeug sollten Sie jedenfalls prüfen, was ein Umstieg von Voll- zu Teilkasko finanziell bringt“, rät Früholz. Die Kfz-Versicherungsprämie ist immer jährlich fällig. Wenn Sie Ihre Prämie unterjährig „abstottern“, darf der Versicherer einen Zuschlag verlangen. Auch die motorbezogene Versicherungssteuer ist bei halbjährlicher (6%), vierteljährlicher (8%) oder monatlicher Zahlungsweise (10%) teurer. Das Einsparungspotenzial kann bei starken Autos bis zu 50 Euro betragen.

Kfz-Insassenversicherung und Reparaturkosten

Zu jenen Polizzen, bei denen Sie den Rotstift ansetzen können, gehören Kfz-Insassenunfallversicherungen. Vom Deckungsumfang gibt es viele Überschneidungen mit anderen Versicherungen (z.B. Kfz-Haftpflicht, gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung, Unfallversicherung, Risikolebensversicherung). Zum Tragen kommt sie nur bei Unfällen, bei denen kein Schuldiger ermittelt werden kann, sowie bei selbstverschuldeten Unfällen für den Lenker, da dieser keine Ansprüche an seine eigene Kfz-Haftpflicht stellen kann. Anstatt eine Insassenunfallversicherung abzuschließen, empfiehlt es sich, Angebote über eine private Unfallversicherung einzuholen. Die sind umfassender und gelten im gesamten Freizeitbereich.

Noch relativ neu in Österreich ist eine Reparaturkostenversicherung. Sie kann aber nur in Verbindung mit einer Kaskoversicherung abgeschlossen werden und erhöht dadurch die Prämie deutlich. Das Auto darf außerdem bei Versicherungsabschluss maximal sechs Jahre alt sein und nicht mehr als 120.000 km auf dem Tacho haben. Und die Versicherungsleistung ist auf 2.000 Euro im Jahr beschränkt. Dazu kommen Selbstbehalt und jede Menge Ausschlüsse bestimmter Mängel und Fahrzeugteilschäden. Auch Beleuchtung, Reifen, Batterie und vieles mehr sind nicht inkludiert. „Fazit: Kostet zwar nicht viel, bringt aber auch nicht viel – das können Sie sich sparen“, so der VKI-Experte. Manche Versicherer bieten zudem Serviceleistungen oder Soforthilfe im Schadensfall an.

Wenn Sie Mitglied in einem Autofahrerclub sind, könnte sich der Abschluss eines so genannten Assistance-Pakets erübrigen. Oder vielleicht haben Sie für Ihr Fahrzeug ohnehin eine werkseitige Mobilitätsgarantie; auch in diesem Fall gibt es möglicherweise Handlungsbedarf, um doppelten Schutz und Mehrkosten zu vermeiden.

Energiesparen – ganz einfach

Sparen ohne geringsten Komfortverlust lässt sich, wenn der PC und die Zusatzgeräte bei Nichtgebrauch abgedreht werden. Hier kann die Jahresstromrechnung um 25 Euro oder mehr sinken. Drucker werden im Privathaushalt selten bzw. nur kurz verwendet, verbrauchen im Standby-Modus aber nahezu gleich viel Strom wie im Betrieb. Zudem verbrauchen auch Ladegeräte, die dauerhaft angesteckt bleiben, Strom. Bei TV-Geräten bringt ein Umstieg von Röhrengeräten auf – etwa gleich große – Flachbildschirme in der Regel eine Kostenersparnis mit sich. Im Fall der Neuanschaffung eines TV-Gerätes ist es zudem ratsam, sich am Energielabel, das über den Stromverbrauch Auskunft gibt, zu orientieren. Einen hohen Stromverbrauch weisen auch Haushaltsgeräte wie Waschmaschine, Geschirrspüler und Kühlschrank auf. Daher:

  • Geräte nach Betrieb ausschalten: Waschmaschinen, Geschirrspüler oder Trockner verbrauchen sonst im Standby-Betrieb unnütz zusätzlichen Strom. Auch bei der Startzeitprogrammierung befindet sich das Gerät im Standby-Modus.
  • Energiesparend kochen: Deckel auf den Topf geben, Resthitze der Kochfelder nutzen und Kleingeräte verwenden, z.B. Wasser mit einem Wasserkocher statt auf dem Herd zum Kochen bringen.
  • Leerraum auffüllen: Wenn Kühl- und Gefriergeräte zu etwa zwei Drittel gefüllt sind, entweicht weniger kalte Luft beim Öffnen. Auch Dämmmaterial wie Styropor oder Karton ist eine Spar-Option.

Weiterführende Tipps biete das Konsument-Buch Energiesparen – ganz einfach.

Muss es immer Marke sein?

Einfach wird sparen dort, wo man ruhigen Gewissens auch zu einem Billigprodukt greifen kann, da erwiesen ist, dass Qualität nicht immer vom Preis abhängt. Das ist beispielsweise bei vielen Kosmetik- und Pflegeprodukten wie Lusux-Wimperntuschen oder getönten Tagescremen der Fall. Hier zeigt ein aktueller Konsument-Test vom Februar, dass der Preisunterschied zwischen dem teuersten und besten „guten“ Produkt bei rund 67 Euro pro 100 ml betrug. Aber auch bei Lebensmitteln lässt sich gut und gerne für ein Markenprodukt das Doppelte ausgeben, das die gleichen Inhaltsstoffe aufweist wie die günstigere Konkurrenz. „Sparen ohne Qualitätsverlust ist möglich, wie wir anhand unserer Tests immer wieder zeigen“, betont VKI-Geschäftsführer Franz Floss. „Ein von uns erstellter Überblick zu Einsparungspotenzialen – basierend auf Testergebnissen der letzten Monate – zeigt: Zwischen dem jeweils teuersten und dem jeweils besten ‚guten‘ Produkt waren Ersparnisse bis zu 92 Prozent möglich – bei teils besserer Qualität.“

Von M. Strausz , Ärzte Woche 16 /2012

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