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Praxis 7. Mai 2009

Daten löschen – aber richtig!

Sensible Informationen am PC sind nach herkömmlichen Löschvorgängen weiterhin rekonstruierbar.

So mancher Anwender ist überzeugt, Windows entferne alle Dateien restlos vom PC. Ein Irrglaube, aber spezielle Programme können helfen.

 

„Möchten Sie diese Elemente wirklich unwiderruflich löschen?“ – Jedes Mal, wenn man den Papierkorb seines Windows-PC leert, erscheint diese Sicherheitsabfrage. Es ist eine von jenen, die ungelesen mit einem Klick auf die Schaltfläche „Ja“ abgehandelt werden. Vielen Benutzern geht dabei durch den Kopf, dass dieses ewige Nachfragen wirklich lästig ist, der Befehl „Papierkorb leeren“ wurde doch bewusst gewählt! Doch kaum jemand hinterfragt, ob auch tatsächlich stimmt, was im Dialogfenster geschrieben steht.

Technisch gesehen ist die ausgegebene Information Nonsens. Denn Windows unternimmt weder einen Löschvorgang, noch ist die Aktion unwiderruflich. Das gilt nicht nur für einzelne Dateien, sondern auch für komplette Datenträger. Denn auch eine formatierte Festplatte ist noch lange nicht gelöscht. Bei der Datenentsorgung mit Windows werden lediglich die Dateinamen sowie eine Art „Inhaltsverzeichnis“ entfernt. Der bis dato zugeordnete Speicherplatz wird für neue Schreibvorgänge freigegeben. Die Daten selbst bleiben aber erhalten. Viel schlimmer noch: So lange die Daten nicht überschrieben werden, können sie mit einfach zu bedienender und teils kostenloser Software wiederhergestellt werden. Mit Spezialprogrammen ist eine Rekonstruktion des Originals auch nach dem Überschreiben möglich. Ein Umstand, der nur wenigen Anwendern bekannt ist, aber vor allem bei Berufen, die mit sensiblen Daten hantieren, bekannt sein sollte.

Shreddern statt löschen

Wird der PC ständig genützt, ist es keine wirkliche Tragödie, wenn man Windows weiter so tun lässt, als ob es Dokumente und Dateien tatsächlich löschen würde. Problematisch wird es nur, wenn aufgrund einer Neuanschaffung das alte Gerät weitergegeben oder verkauft werden soll. Insbesondere dann, wenn auf dem Rechner sensible Daten verwaltet wurden – wie dies etwa bei Ärzten der Fall ist.

Damit auf Datenträgern gelöschte Inhalte nicht mehr rekonstruiert werden können, gibt es nur zwei wirkungsvolle Maßnahmen: physische Zerstörung oder sicheres Überschreiben. Ersteres Verfahren umfasst mehrere Methoden zur Datenvernichtung, die von Entmagnetisierung bis hin zum Häckseln der Festplatte reichen. Dadurch werden nicht nur die Daten zerstört, sondern auch die Datenträger selbst. Ein aufwändiges Verfahren, das von Spezialunternehmen durchgeführt werden sollte und mitunter recht kostspielig sein kann.

Beim sicheren Überschreiben dagegen bleibt die Festplatte intakt. Es findet lediglich eine Vernichtung der Daten statt, indem sie gelöscht und anschließend überschrieben werden. Dabei kommen verschiedene standardisierte Methoden zum Einsatz. So etwa von US-Verteidigungsministerium und der US-Marine spezifizierte Verfahren (DoD 5220.22-M & NAVSO P-5239-26), die ein Überschreiben der Festplattensektoren in vier Durchgängen mit verschiedenen Werten vorsehen. Oder der deutsche VSITR-Standard des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), der sieben Überschreibvorgänge vorschreibt. Die Methode mit den meisten Durchgängen zum sicheren Löschen von Daten ist ein von Peter Gutmann entwickeltes Verfahren – mit bis zu 35 Überschreibungszyklen. Eine Wiederherstellung so gelöschter Daten ist dann unmöglich.

Digitale Reißwölfe

Obwohl sicheres Überschreiben sehr komplex ist, haben Anwender die Möglichkeit, mit Hilfe von sogenannter Shredder-Software Dateien, Verzeichnisse und komplette Festplatten ganz einfach zu löschen. Obwohl die Produktpalette der digitalen Reißwölfe von Freeware über Shareware bis zu kommerzieller Software reicht, bleibt eine unkomplizierte Handhabung den kostenpflichtigen Anwendungen vorbehalten. Hier eine Auswahl von drei bewährten Programmen:

Acronis Drive Cleanser 6.0

Das speziell für die Datenvernichtung entwickelte Programm von Acronis gewährleistet sicheres Löschen aller Datenbereiche und Partitionen von Festplatten. Ein übersichtlicher Assistent im XP-Look unterstützt den Benutzer während des Löschvorgangs. Mit Hilfe des Acronis-Disk-Viewers lassen sich die Ergebnisse der Datenvernichtung anschließend inspizieren. Drive Cleanser 6.0 unterstützt eine Vielzahl von standardisierten Löschmethoden, einen „Schnellen Algorithmus“ für geringe Sicherheitsansprüche wie auch die Möglichkeit, einen eigenen Löschalgorithmus für die Datenvernichtung zu erstellen. Online-Bestellung zum Preis von rund 50 Euro und Detailinfos unter: www.acronis.de/enterprise/products/drivecleanser/

O&O SafeErase 3

Die auf Systemwerkzeuge spezialisierte Berliner Softwareschmiede bietet mit SafeErase 3 eine Komplettlösung zum sicheren Löschen von Dateien. Löschvorgänge können per Rechtsklick direkt aus dem Kontextmenü gestartet werden. Zusätzlich steht ein virtueller Assistent zur Verfügung, der auch ungeübte Benutzer beim Löschen unterstützt. Die Anwendung bietet fünf Löschmethoden – darunter jene des US-Verteidigungsministeriums, des BSI sowie die Gutmann-Methode –, die der User nach individuellem Anspruch festlegt. Plus: Mit der integrierten Programmkomponente O&O TotalErase lässt sich der gesamte Rechner inklusive Systempartition komplett löschen. O&O SafeErase 3 kostet ab knapp 30 Euro und kann direkt von der Herstellerhomepage www.oo-software.com heruntergeladen werden.

Secure Eraser 3

Die dritte Edition des Datenvernichters beherrscht nicht nur fünf standardisierte Löschmethoden, sondern wurde auch mit einer Technik zum sicheren Löschen von freiem Festplattenspeicher ausgestattet. Dies ermöglicht, Dateien, die etwa mit der Windows-Methode „gelöscht“ wurden, nachträglich zu überschreiben und restlos zu entfernen. Zusätzlich verfügt das Programm über weitere Werkzeuge zum Säubern von Festplatte und Registry. Die Professional-Version von Secure Eraser 3 kostet 20 Euro. Die Standard-Edition – ohne Support und mit Werbeeinblendung – gibt es sogar als Gratis-Download unter www.ascomp.de.

Von Leopold Klein, Ärzte Woche

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