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Foto: photos.com

Heinz Bednar
Geschäftsführer der Sparinvest

Bernd Lausecker Projektleiter für Finanzdienstleistungen im Verein für Konsumenteninformation (VKI)

 
Praxis 3. April 2012

Nachhaltige Anlage – sauber verdientes Geld

Das Angebot an ethisch-ökologischen Anlageprodukten steigt kontinuierlich. Bei der Auswahl ist daher viel Eigeninitiative erforderlich.

In Österreich können Investoren zwischen Sparbüchern, verschiedensten Investmentfonds und Aktien bzw. Anleihen zur Finanzierung von nachhaltigen Projekten wie beispielsweise Windparks auswählen. Zunehmend wird es jedoch schwierig, das Angebot zu überblicken.

 

„Die mittlerweile recht vielfältige und umfangreiche Produktpalette ist insgesamt erfreulich, gleichzeitig wird es für den durchschnittlichen interessierten Anleger schwierig, das gesamte Angebot zu durchschauen und das Passende zu finden. Schließlich sollte neben der gewünschten Ausrichtung auch die Rendite passen. Und wie in allen Lebensbereichen werden mit zunehmender Vielfalt auch zweifelhafte Produkte unters Volk gebracht“, warnt Bernd Lausecker, Projektleiter für Finanzdienstleistungen im Verein für Konsumenteninformation (VKI).

Was sind nachhaltige Geldanlagen?

Vereinfacht ausgedrückt, versteht man darunter Anlagemöglichkeiten, die folgende Kriterien erfüllen: Sie sind ökologisch (z.B. Investitionen in erneuerbare Ressourcen, Wiederverwendung gebrauchter Stoffe), sozial-kulturell (Entwicklung des Human-, Sozial- und Kulturkapitals) und ökonomisch (langfristige Zielsetzungen anstelle kurzfristiger Gewinnmaximierung, Verzicht auf Korruption).

Da die Kriterien sehr unterschiedlich ausgelegt werden können, wurde bereits 2004 von einer Expertengruppe ein Grundlagenkatalog erstellt, der die genauen Kriterien definiert. Die so genannte „Darmstädter Definition“ geht dabei nach dem Ausschlussprinzip vor. Das bedeutet, dass bestimmte Kriterien wie etwa Gentechnik oder Waffenproduktion zu einer Negativbewertung des Anlageproduktes führen und somit zum Ausschluss aus der Palette nachhaltiger Investments.

Eine andere Herangehensweise stellt das „Best-in-Class-Prinzip“ dar: Die Wahl fällt dabei auf jenes Unternehmen, das im Branchenvergleich in ökologischer, sozialer und ethischer Hinsicht die höchsten Standards anstrebt.

Daneben gibt es eine Reihe weiterer Selektionskriterien, etwa nach internationalen Normen und Werten oder anhand des Engagements von Unternehmen für nachhaltigen Umgang mit Ressourcen, Mitarbeitern und Aktionären (Corporate Social Responsibility, CSR). Die überwiegende Zahl der heimischen Finanzdienstleister wendet eine Kombination aus Ausschlusskriterien und Best-in-Class-Prinzipien an.

Seriöse Informationsquellen

Der erste Schritt für einen am nachhaltigen Investment interessierten Anleger ist, festzulegen, wo der persönliche Schwerpunkt liegen soll – etwa bei erneuerbaren Energien oder im sozialen Umfeld. „Danach wird es aber kompliziert, denn selbst bei eingehender Recherche lässt sich für den individuellen Anleger nur schwer durchschauen, ob beispielsweise bei der Auswahl und Zusammensetzung eines Öko-Investmentfonds alles mit rechten Dingen zugeht oder ob der Anbieter seinem Durchschnittsprodukt einen Öko-Anstrich verpasst hat“, erklärt Lausecker. Gewisse Orientierungshilfen bieten hier „Qualitätssiegel“ und Nachhaltigkeitsindizes. Auf der sicheren Seite ist man zweifelsfrei mit dem Umweltzeichen (www.umweltzeichen.at) des österreichischen Umweltministeriums in Kooperation mit dem VKI. Es steht für Qualität und Nachhaltigkeit. Ausgeschlossen sind etwa Fonds, die in Atomkraft, Rüstungsindustrie oder den Handel damit investieren. Ebenso tabu sind Geschäftspraktiken, die gegen Menschen- oder Arbeitsrechte verstoßen.

Bei Staatsanleihen wiederum wird die Einhaltung von politischen, sozialen und Umweltstandards überprüft. Nur Anbieter, die im umfangreichen Prüfungsverfahren mindestens 60 Prozent der maximalen Punkte erzielen, erhalten das Umweltzeichen.

Wer lieber selbst eine Auswahl treffen möchte, kann sich am Nachhaltigkeitsindex VÖNIX (www.voenix.at), der auf Initiative der VINIS/VKV Pensionskassen AG erstellt wird und an der Wiener Börse gehandelte Aktientitel bewertet, orientieren. In diesen Index werden jährlich – beginnend mit Juli – jene Titel der Wiener Börse aufgenommen, die als nachhaltige Investments geeignet sind und eine entsprechende Bonität aufweisen. Zu den Ausschlusskandidaten zählen Unternehmen mit einem Naheverhältnis zu Nuklearenergie, Rüstung, Suchtmittel, Gentechnologie und Glücksspiel. Ein weiterer Index ist der NX-25 des Börseninformationsdienstes Ökoinvest.

Eine Informationsplattform für ethisch-ökologische Veranlagungen bietet auch „Grünesgeld.at“, die von der ÖGUT (Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik) betreut wird und sich die Förderung für ethisch-ökologische Veranlagung zum Ziel gesetzt hat.

Keine Garantie gibt es freilich für den Ertrag eines Investments, denn die Renditeaussichten stehen nicht auf dem Prüfstand. „Allerdings sollten bei Öko- oder Ethikanlagen, die über Newsletter oder Anzeigen angepriesen werden und überdurchschnittlich hohe Renditen versprechen, wie generell bei solchen Investmentangeboten die Alarmglocken schrillen“, so der VKI-Experte.

Gelebte Nachhaltigkeit bei der Erste-Sparinvest

Als mittlerweile führender Anbieter nachhaltig ausgerichteter Investmentfonds in Österreich mit einem Gesamtvolumen von etwa 630 Millionen Euro legt die Erste-Sparinvest strenge Kriterien bei der Auswahl der in Frage kommenden Investments an den Tag. Themen wie Atomkraft, Kinderarbeit, Rüstungsindustrie, Pornografie sind ein Ausschlussgrund für nachhaltige Fonds. Zuletzt wurde mit Wolfgang Pinner ein neuer Chief Sustainability Investment Officer etabliert, der die Leitung des Nachhaltigkeits-Teams der Sparinvest innehat. Seine Rolle wird es sein, strategische Zusammenarbeiten mit Unternehmen oder Institutionen aus dem Bereich Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln, Voting-Strategien auszuarbeiten, nachhaltige KPI´s (Key Performance Indicators) zu erarbeiten und grundsätzliche Ausschlusskriterien zu entwickeln. Seit Jahresbeginn hat sich die Sparinvest verpflichtet, in allen von ihr selbst aktiv gemanagten Investmentfonds auf Unternehmen, die im Bereich „Geächtete Waffen“ aktiv sind, zu verzichten.

Die nachhaltige Rating Agentur Oekom Research (http://www.oekom-research.com) unterstützt die Gesellschaft, aus dem Investmentuniversum all jene Unternehmen herauszufiltern, die in dieser Hinsicht eine „schwarze Weste“ aufweisen. Die Vereinten Nationen sehen die Wirkungsweise verschiedener Waffensysteme als dermaßen menschenverachtend an, dass bereits diverse Konventionen zur Ächtung dieser Waffen formuliert wurden. Am bekanntesten ist die „Oslo-Konvention“. „Das Ausschlusskriterium ,Geächtete Waffen‘ schließt alle bedenklichen Waffentypen ein und wird für alle aktiv gemanagten Mandate zwingend vorgeschrieben“, berichtet Heinz Bednar, Sparinvest-Geschäftsführer. „Wir sehen diese Vorgangsweise als notwendig für eine verantwortungsvolle Investmentpolitik an.“

Der größte in Österreich gemanagte nachhaltige Aktienfonds „ESPA Vinis Stock Global“ orientiert sich am Weltaktienindex MSCI World. Die in Frage kommenden Titel werden in einem vierstufigen nachhaltigen Investmentprozess ausgewählt. Das Investment-Universum wird im Hinblick auf Umwelt-, Stakeholder- und Corporate Governance-Kriterien gefiltert, über die Aktienauswahl wird letztendlich in einem Beirat entschieden.

 

 Informationsquellen für nachhaltige Geldanlage:

www.umweltzeichen.at

www.voenix.at

www.gruenesgeld.at

www.software-systems.at

www.oesfx.at

Von M. Strausz , Ärzte Woche 14 /2012

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