zur Navigation zum Inhalt

Susanne Höllinger
Leiterin des Private Banking der Erste Bank Österreich

 
Praxis 21. März 2012

Selbst ist die Frau

Finanzen werden oft als Männersache betrachtet – die Realität sieht anders aus.

Eine repräsentative Umfrage zum Finanzverhalten von Frauen, durchgeführt vom Marktforschungsinstitut Integral im Auftrag der Erste Bank, zeigt: Obwohl nur 18 Prozent der Frauen Finanzgeschäfte für Frauensache halten, entscheidet immerhin jede zweite Frau bei Geld- und Finanzangelegenheiten selbst.

 

Österreicherinnen sorgen im Durchschnitt mit 253 Euro für sich vor. Das sind nur fünf Prozent weniger, als Männer zur Seite legen, nämlich 266 Euro. Und das, obwohl Frauen ein durchschnittlich um 40 Prozent geringeres Einkommen zur Veranlagung zur Verfügung steht. 70 von 100 Frauen haben außerdem Extraausgaben für private Gesundheitsleistungen.

Nur 16 Prozent der Gesamtbevölkerung betrachten die Themen Geld und Finanzen als weiblich behaftet, wie aus einer repräsentativen Integral-Umfrage hervorgeht. Doch doppelt so viele der Befragten sind der Meinung, dass Finanzangelegenheiten immer noch Männersache sind. Für 49 Prozent sind beide Partner gleichermaßen zuständig.

„Frauen sollen das Thema Geld und Finanzen nicht den Männern überlassen. Wir etablieren uns im Beruf und bringen ihn mit der Familie unter einen Hut. Die Finanzen sollen da nicht auf der Strecke bleiben“, so Susanne Höllinger, Leiterin des Private Banking der Erste Bank Österreich. Nur jede fünfte Frau findet, Finanzen wären Frauensache, doch jeder dritte befragte Mann ordnet Finanzen dem männlichen Kompetenzbereich zu.

Die tatsächlichen Entscheidungen in Sachen Geld trifft die Mehrheit der befragten Österreicher und Österreicherinnen schlussendlich aber selbst. Mehr Männer als Frauen geben an, selbst zu entscheiden (54 Prozent vs. 47 Prozent): Frauen wiederum beziehen lieber als Männer den Partner in ihre Finanzentscheidung mit ein (42 Prozent vs. 36  Prozent).

Frauen sind Sparmeisterinnen

In den durchschnittlich 253 Euro, die Österreicherinnen für ihre Vorsorge aufwenden (13 Euro weniger als Männer), sind alle Vorsorgeleistungen wie Pensionsvorsorge, Zusatzkrankenversicherung oder das, was noch aufs Sparbuch wandert, enthalten. „Frauen verabschieden sich damit immer mehr vom Klischee der finanziell abhängigen Frau“, analysiert Höllinger.

Dies bestätigt auch eine aktuelle Umfrage des Deutschen Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Bank of Scotland. Demnach glauben 47 Prozent der deutschen Frauen, dass sie „sehr gut“ mit Geld umgehen können (Männer: 40 Prozent). Gleichzeitig ist aber der Anteil der Frauen, die nach eigener Einschätzung manchmal den Überblick verlieren und öfters mehr Geld ausgeben, als ihr Budget hergibt, mit neun Prozent höher als bei Männern (6 Prozent). 42 Prozent der deutschen Frauen gaben an, einigermaßen gut mit ihrem Geld zurechtzukommen (Männer: 53 Prozent).

Frauen agieren konsequenter

Bei der gewählten Veranlagungsform stehen die Klassiker an erster Stelle: 65 Prozent der befragten Frauen haben ein Sparbuch, gefolgt von Bausparvertrag (60 Prozent) und Lebensversicherung (46 Prozent). Risikoreiche Anlagen wie Aktien, Anleihen und Fonds besitzen hingegen nur 16 Prozent der Frauen. „Aktien und Fonds haben bei Frauen einen deutlich geringeren Zuspruch als bei Männern, das sagt aber noch nichts über den dauerhaften Anlageerfolg aus“, betont Höllinger.

Frauen behalten ihre Anlagestrategien konsequenter bei. „Das wirkt sich in der Regel langfristig positiv aus, während Männer öfter das Ruder herumreißen und dadurch viel Geld vernichten. Ich will das gar nicht werten. Es ist einfach ein anderer Ansatz. In stark boomenden Märkten ist eine schnellere Strategie vielleicht wieder besser“, so Höllinger. Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Risikoverhalten sei allerdings nur ein Phänomen in der Durchschnittsbevölkerung: „Sämtliche Unterschiede fallen weg, sobald sich Frauen intensiver mit Finanzen beschäftigen.“

Wo wird Information und Rat eingeholt

Den Rat bezüglich Geld und Finanzangelegenheiten holen sich beide Geschlechter vorrangig beim Bankberater (45 Prozent), gefolgt von Familienmitgliedern (28 Prozent). Bei Frauen steht der Partner, wenn es um Geldfragen geht, an dritter Stelle (26 Prozent), bei Männern steht die Frau in Finanzfragen erst auf Platz vier.

Drei Bausteine

Einen Zusammenhang zwischen dem Einkommen und der Gesundheit sehen 46 Prozent der befragten heimischen Bevölkerung. Je höher das Haushalts-Nettoeinkommen, desto mehr Befragte sehen diesen Zusammenhang. „Drei Bausteine für ein sorgenfreies Leben sind Gesundheit, Liebe und Finanzen. Einen davon auszuklammern, ist ein großer Fehler“, warnt Höllinger. „Frauen haben mehr Bedarf nach privaten Gesundheitsleistungen. Dafür sollte vorgesorgt sein.“ Immerhin 70 Prozent der Frauen haben private Gesundheitskosten zu tragen. Jede zweite dieser Frauen hat Ausgaben für private Massagen oder Physiotherapien, gefolgt von Alternativmedizin und Privatärzten (Abbildung 2). Je höher das Einkommen, desto mehr wird auch für private Gesundheitsleistungen ausgegeben (Abbildung).

Von M. Strausz , Ärzte Woche 12 /2012

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben