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Foto: Privat
Lutz Bürgel ist Geschäftsführer der Unternehmensberatung Bürgel & Partner BDU, mit Sitz in Wien und Berlin
 
Praxis 30. April 2009

Wenn der Chef zur „Bank“ wird

Darlehen beim Arbeitgeber kann für Arbeitnehmer und Arbeitgeber zum Vorteil gereichen.

Viele Arbeitnehmer befinden sich finanziell meist doppelt in der Klemme, wenn sie Geld für einen eigenen Hausstand brauchen, besonders dann, wenn sie gerade erst in das Berufsleben eingestiegen sind. Zum einen haben sie noch keine Ersparnisse ansammeln können, und zum anderen reichen für einen Bankkredit die Sicherheiten oft nicht aus. In der heutigen Zeit reagieren die Banken da besonders zögerlich.

 

Da ist es schon eine gute Sache, wenn der Arbeitgeber seinen Angestellten und Arbeitern einen Gehaltsvorschuss oder ein Arbeitgeberdarlehen gewährt. Abgesehen davon, dass es schon eine große Erleichterung für den Angestellten sein kann, zu dem notwendigen Geld für seine Anschaffungen zu kommen, und dass der Arbeitgeber auf diesem Weg wohl dessen Loyalität erwirbt, ist die steuerliche Behandlung dieser Darlehen einigermaßen großzügig.

Grundsätzlich müssen alle Zuwendungen von Sachbezügen aus Dienstverhältnissen versteuert werden, genauso wie alle Geldbezüge. Sachbezüge sind Einnahmen. Steuerrechtlich korrekt heißt das „geldwerter Vorteil“, und als solcher sind sie in Geld umzurechnen und zu versteuern.

Für Sachbezüge gibt es eine Fülle von Möglichkeiten. Um zeitaufwendige Diskussionen mit den Steuerzahlern zu vermeiden, hat die Finanz in einem umfassenden Katalog die steuerliche Behandlung von Sachbezügen festgelegt, z.B. für die Privatnutzung des Firmenautos oder die Dienstwohnung, für Incentivreisen oder verbilligte bzw. kostenlose Bahn- und Busfahrkarten.

Für die Versteuerung von Arbeitgeberdarlehen oder unverzinslichen Gehaltsvorschüssen sehen die Steuerrichtlinien vor, dass Beträge bis 7.300 Euro überhaupt nicht zu versteuern sind. Bei höheren Beträgen wird der Sachbezug nur vom Betrag gerechnet, der 7.300 Euro übersteigt. Für diesen Betrag muss der Angestellte 3,5 Prozent Zinsen pro Jahr als Sachbezug versteuern. Verrechnet der Arbeitgeber einen Zins, der unter 3,5 Prozent liegt, wird seitens der Steuer nur der Zinsunterschied verrechnet.

Die Gewährung von Arbeitnehmerdarlehen hat für den Angestellten noch zusätzliche Vorteile: Zumeist müssen keine Sicherheiten beigebracht werden, wie sie die Banken verlangen. Die Kreditsteuer, die die Banken verrechnen müssen, entfällt ebenfalls. Ein Vertrauensvorschuss ist ein Gehaltsvorschuss allemal. So etwas fördert in der Regel die Motivation und steigert die positive Arbeitseinstellung.

Für Unternehmen ist die Gewährung von Mitarbeiterdarlehen nicht nur ein Akt der Menschenfreundlichkeit. Viele Firmen sehen darin auch eine Chance, wertvolle Mitarbeiter längerfristig an das eigene Unternehmen zu binden. Sie gehen da von der berechtigten Einschätzung aus, dass Mitarbeiter, die größere Darlehen beim eigenen Betrieb haben, nicht so schnell mit Abwanderungsgedanken hausieren gehen. Ein Darlehen ist natürlich auch „preiswerter“ als eine Gehaltserhöhung, weil es vom Mitarbeiter wieder zurückbezahlt wird. Aus diesem Grunde ist der Kredit eher in die Kategorie der Sozialleistungen einzuordnen. Allerdings kann ein zu großes Darlehen von der eigenen Firma für den einzelnen Mitarbeiter zum Problem werden, dann nämlich, wenn er durch diese Bindung lukrative Angebote am Arbeitsmarkt ausschlagen muss.

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