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Praxis 30. April 2009

Fallende Decken

Der größte Teil unserer Räume schwebt zumeist unbeachtet über uns.

Im Raumdoktor war schon von verschiedensten Wandgestaltungen die Rede, von Böden, geschmackvollen Textilien, Licht und elegantem Mobiliar. Doch ein wichtiges Grundelement unserer Räume bleibt meist dezent im Hintergrund, obwohl es völlig unverstellt bleibt: die Zimmerdecke. Dieses Raumelement, das einst den großen Baumeistern der Sakralarchitektur als beliebte Spielwiese diente, ist in unserer Zeit zum Objekt zweiten Ranges herabgesunken – zu Unrecht.

 

Die Kuppel des Florentiner Doms Santa Maria del Fiore von Brunelleschi gilt als eines der ersten Meisterwerke der Renaissance. Das Pantheon in Rom und die Hagia Sophia in Istanbul sind vor allem wegen den Dimensionen ihrer Gewölbe atemberaubende Zeugnisse historischer Architektur. Dem Berliner Reichstag wurde sogar noch in jüngerer Zeit ein technisches Meisterwerk in altbewährter Form aufgesetzt. Die großen Kuppeln der Architekturgeschichte ziehen uns in ihren Bann, sie lassen den begeisterten Besucher mit nach oben gerichtetem Blick all die anderen Verzierungen dieser weltberühmten Bauten vergessen.

Einst waren Decken nicht nur ebene, farblose Flächen. Schon vor Jahrtausenden wurden Tempel und Gräber mit farbenprächtigen Symbolen an der Decke ausgestattet, hohe Würdenträger versunkener Hochkulturen verließen das Haus nicht ohne reich verzierten Baldachin. Doch weder müssen Sie darauf warten, verfrüht das Zeitliche zu segnen, noch von blauem Blut sein, um die Vorzüge schöner Decken genießen zu dürfen.

Nicht jeder hat das Privileg, eine Altbauwohnung mit stuckverzierter Decke zu besitzen. Doch auch das mehr oder weniger rechteckige Weiß am oberen Rand dekorloser Räume lässt sich zum Blickfang machen, der Ihre Besucher die drohende Nackenstarre bei der Bewunderung der „fünften Wand“ vergessen lässt.

Generell sollte man sich zwischen einer flächigen und einer plastischen Deckengestaltung entscheiden. Plastische Eingriffe oberhalb Ihres Kopfes eigenen sich besonders für hohe Räume, in denen man über einen großen Spielraum verfügt. Dadurch kann die Akustik verbessert werden, und auch der Verlust von einem Meter Raumhöhe schmerzt dann nicht. Im Gegenteil, kann man doch so einer als überhöht empfundenen Räumlichkeit wieder angenehme Dimensionen verleihen.

Ebenso lässt sich allein mit flächig gesetzter Farbe ein schöner Effekt erzielen. In hohen Räumen sind kräftige und dunkle Farben möglich. Auch diese holen die Decke optisch ein wenig herab und stellen angenehme Proportionen her. In sehr kleinen Räumen, die als Durchgang dienen, wie etwa der Eingangsbereich oder der Flur, darf man den satten Farbstift ebenfalls getrost ansetzen. Das kann auch ein dunkles Violett sein, das dem Raum etwas Magisches verleiht, oder ein sattes Grün, das die Natur hereinzuholen scheint.

Auch bei Dachschrägen, sofern sie sehr hoch und steil sind, darf man mit Farben experimentieren. Dies kann in Form von aufgemalten Ornamenten oder einem Tapetenstreifen mit auffälligem Muster geschehen, der sich über Wand und Schräge nach oben schlängelt.

Neuer Glanz in alten Räumen

Sollte die Decke in Ihren Räumlichkeiten nicht über den Charme, sehr wohl aber über das Alter archaischer Bauten verfügen, kann der Einbau einer Spanndecke sinnvoll sein. Diese Form der Raumdecke eignet sich besonders für stark sanierungsbedürftige Gebäude, da sie ohne großen technischen Aufwand neuen Glanz in alte Räume zaubert. Dieses „Decke-unter- Decke-System“ besteht aus einer speziellen PVC-Folie, die von Wand zu Wand gespannt wird und dadurch darüber liegende Schönheitsfehler kaschiert. Durch exakte Planung beim maßgefertigten Einbau, werden Falten und Schlieren vermieden, die zweite Decke wirkt wie aus einem Stück gegossen. Die Vielfalt der Oberflächen in vielen Farben reicht von hochglänzend bis seidenmatt. Bei niedrigen Raumhöhen lässt eine glänzende Oberfläche den Raum großzügiger und modern erscheinen, mit einer matten Folie kann eine klassisch verputzte Decke imitiert werden.

Möchte der Bewohner mehr Licht in seine Arbeits- oder Wohnräume zaubern, empfiehlt sich der Einbau einer Lichtdecke. Dadurch wird die gesamte Decke zum magischen Beleuchtungskörper. Auch diese Variante besteht aus einer lichtdurchlässigen Folie, die hinterleuchtet wird, eine ausreichende Raumhöhe ist für den Einbau dabei aber notwendig. Dadurch wird für eine gleichmäßige, sanfte Beleuchtung gesorgt, die sich besonders für Empfang und Warteraum einer Arztpraxis eignet. Sie sorgt für eine freundliche Atmosphäre, und man hat das Gefühl, man säße unter freiem Himmel.

Ist Ihnen eine gesunde Raumatmosphäre wichtiger als die rein ästhetische Komponente, gibt es auch hierfür eine wirksame Lösung. Durch den Einbau von speziellen, mit mineralischen Wirkstoffen versehenen Gipskartonplatten können Schadstoffe und störende Gerüche aus der Luft gefiltert und um bis zu 50 Prozent reduziert werden. Raumgifte wie Formaldehyd, die sich in manchen Farben und Holzwerkstoffen verstecken, werden so innerhalb kürzester Zeit aus der Luft entfernt. Besonders in medizinischen Einrichtungen und Krankenzimmern ist dieser Effekt, der für gesündere, frischere Luft sorgt, eine Überlegung wert.

Schön fürs Auge, gut fürs Ohr

Eine Variante, die für mehr Plastizität im Raum sorgt, sind abgehängte Deckenelemente. Das können Holzwolleplatten sein, die in sehr hohen Räumen für etwas mehr Behaglichkeit und eine verbesserte Akustik sorgen. Wie ein schwebendes Segel können diese Platten in vielfältigen Dimensionen auch über integrierte Beleuchtung verfügen. Wie bei einem Baldachin werden Raumpartien in Szene gesetzt. Es entstehen einzelne „Deckeninseln“, etwa über einer gemütlichen Sitzgruppe im Wartebereich einer Arztpraxis oder über dem Besprechungstisch im Behandlungsraum. Sind die eigentlichen Decken und Wände in Weiß oder Sichtbeton ausgeformt, können diese Deckensegel auch in Farbe getaucht oder mit originellen Mustern versehen werden und schaffen dadurch aufregende Kontraste.

High Tech über den Köpfen

Auch multimedial lässt sich eine Decke verschönern. Innovative Designer wollen etwa mit Projektionen an der Schlafzimmerdecke unsere Einschlafgewohnheiten revolutionieren. Auf Knopfdruck können Motive wie hopsende Schäfchen oder vorbeiziehende Wolken auf die Decke geworfen werden. Vorstellbar wäre dieses System aber auch im Warteraum einer Ordination, in der wichtige Informationen und Bilder über Wand- und Deckenflächen laufen und so der aufkommenden Langeweile bei längeren Wartezeiten entgegenwirken. Dadurch wird die Decke zum spannenden Informations- und Bildträger.

Wir haben verlernt, die Raumdecke als mögliches dekoratives Meisterwerk zu betrachten. Sie kann mehr sein als ein bloßer Schutz gegen Regen, Wind und Sonne. Richten Sie Ihren Blick wieder ein wenig nach oben und entdecken sie die Chancen einer unbefleckten Leinwand, die darauf wartet, mit neuen Ideen gefüllt zu werden. Ob Stuck, Malerei, Licht und Projektion, Farbe oder Deckensegel – lassen Sie die Besucher Ihrer Räumlichkeiten nicht mehr schamhaft zu Füßen blicken, sondern belohnen Sie den selbstbewussten Blick mit einer schönen Aussicht!

Von DI. Niel Mazhar, Ärzte Woche

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