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Peter Bosek Privat- und Firmenkundenvorstand der Erste Bank Österreich

Gudrun Egger
Makroanalystin der Erste Group

 
Praxis 28. Februar 2012

Sparpaket beeinflusst Investmentverhalten

Erste Bank empfiehlt Investmentfonds als Sparbuchalternative.

Die Experten der Erste Bank rechnen aufgrund des Sparpakets der Bundesregierung mit stagnierenden Spareinlagen und sinkenden Neuabschlüssen bei Bausparverträgen sowie einem Comeback von Unternehmensanleihen und Investmentfonds.

 

Seit Jahren ist das Sparbuch das beliebteste Anlageinstrument der Österreicher. Im Vorjahr haben sich die gesamten Spareinlagen von 282 auf 283,9 Milliarden Euro erhöht. Aktuell liegt die Sparquote mit 7,3 Prozent um 0,1 Prozent unter der von Februar 2011.

Trotz der Wirtschaftsentwicklung gibt es im Vergleich zu 2009 (12,5 Prozent) kein Ansteigen der Sparquote, sondern eine Stagnation auf hohem Niveau. „Aktuell empfehlen wir den Sparern, sich vorerst für ein Jahr zu binden und die weitere Marktentwicklung abzuwarten“, so Peter Bosek, Privat- und Firmenkundenvorstand der Erste Bank Österreich. Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Nationalbank (EZB) schlägt sich auf die trüben Sparzinsen nieder, daher sollten sich Sparkunden vor einem möglichen Absinken des für die Höhe der Sparzinsen verantwortlichen 3-Monats-Euribors (Euro Interbank Offered Rate: durchschnittlicher Zinssatz, zu dem sich 57 europäische Banken Anleihen in Euro gewähren) noch die höheren fixen Sparzinsen sichern. Neben einem „finanziellen Basislager“ von 3-Monatsgehältern stellt sich daher immer stärker die Frage nach möglichen Veranlagungsalternativen. Diese wurden teilweise durch das jüngst verabschiedete Sparpaket der Bundesregierung weiter eingeschränkt.

Vorsorgebereich am stärksten betroffen

Durch die Halbierung der staatlichen Bausparprämie von derzeit 36 Euro bei einer Einzahlung von 1.200 Euro pro Jahr erwartet die Erste besonders bei Verlängerung von auslaufenden Verträgen einen Rückgang bei der aktuell in der Beliebtheitsskala an zweiter Stelle liegenden Veranlagungsform. Derzeit verfügen 5,2 Millionen Österreicher über einen Bausparvertrag. Die Sparer erhalten künftig für ihr einbezahltes Kapital nur noch insgesamt zwischen 18 und maximal 48 Euro jährliche Prämie. „Ich rechne zwar nicht mit vielen vorzeitigen Kündigungen von seit 2010 abgeschlossenen Verträgen, aber durch die Kürzung der staatlichen Prämie stehen viele Verlängerungen auf dem Spiel“, so Bosek.

Rotstift auch bei Zukunftsvorsorge

Bei der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge sind rund 1,5 Millionen Österreicherinnen und Österreicher von den staatlichen Kürzungen betroffen. Die bisherige Förderleistung belief sich auf 8,5 bis 13,5 Prozent, davon 5,5 Prozent Basiszuschuss. Weil auch hier der Rotstift angesetzt wurde, wird der Basiszuschuss auf 2,75 Prozent sinken. Der Staat fördert diese Vorsorgeform ab 2012 nur noch mit bis zu 198 Euro. „Überhaupt scheint mir durch die Kürzungen der staatlichen Zukunftsvorsorge der Vorsorgebereich durch das Sparpaket überproportional betroffen zu sein. Ich hoffe auf eine vorübergehende Aktion, habe aber als geübter Österreicher so meine Zweifel“, so Bosek.

Beim Investmentverhalten geht der Trend eindeutig in Richtung Sicherheit, Mindestertrag und Sachwerte. Wer in Immobilien investieren möchte und vor den teilweise sehr hohen Preisen bei (Vorsorge-)Wohnungen zurückschreckt oder auch gar nicht das nötige Kleingeld zur Verfügung hat, ist mit einem offenen Immobilienfonds gut beraten. „Der Erste-Immobilienfonds investiert beispielsweise in gemischte Objekte im mittleren Preissegment in Österreich und Deutschland und hat bereits ein Fondsvolumen von rund 338 Millionen Euro“, erklärt der Privatkundenvorstand.

Überhaupt erwartet Bosek ein Comeback von Investmentfonds. Auf der Aktienseite sollte man sich, sofern man in Einzeltitel investieren möchte, wirklich gut auskennen und das Risiko achten, denn auch das wirtschaftliche Umfeld wird 2012 sicherlich volatil bleiben. Hier bieten sich gemanagte Aktienfonds an, um eine möglichst breite Streuung des Risikos zu erzielen.

Auch im Anleihebereich gibt es neben breit gestreuten Fonds interessante Möglichkeiten: „Es wird wieder ein Jahr der Unternehmensanleihen, wo die Anleger direkt in die heimische Wirtschaft investieren können, mit teils wirklich guten Renditen“, weiß Bosek. Besonders wenn man in Betracht ziehe, dass die Bonität von Unternehmen teilweise höher bewertet wird als die einzelner Staaten. Auch variabel verzinste Anleihen waren im Vorjahr ein Renner und werden auch 2012 verstärkt nachgefragt.

Gesteigerte Nachfrage nach Gold

Was Investments in Gold betrifft, rechnet die Erste Bank heuer mit einer gesteigerten Nachfrage. Als Faustregel gelte, nicht mehr als etwa fünf Prozent des Gesamtvermögens in Gold zu investieren. Gold wirft keine Zinsen oder Dividenden ab und ist als Versicherung des eigenen Depots zu sehen und im Sinne einer breiten Streuung eine sinnvolle Beimischung. Die Anlageexperten rechnen für 2012 mit einem Anstieg des Goldpreises auf 2.200 Euro je Unze.

Moderates Kreditwachstum

Die Zinsen werden 2012 niedrig bleiben, aber die Wirtschaftsprognosen stimmen die Unternehmen abwartend. „Ich rechne heuer mit einer Leitzinssenkung auf 0,5 Prozent, die Wahrscheinlichkeit für weitere Zinsschritte ist hingegen zurückgegangen“, prognostiziert Gudrun Egger, Makroanalystin der Erste Group. Österreich werde sich in diesem Umfeld weiterhin gut behaupten und mit 0,9 Prozent stärker wachsen als die Eurozone.

Für 2013 erwartet Egger wieder ein Wachstum von 2,0 Prozent „Wir gehen davon aus, dass der private Konsum und die Nettoexporte moderat ansteigen werden. Die Investitionstätigkeit dürfte nicht deutlich zunehmen, wenngleich wir aufgrund des Stimmungsumschwungs in den letzten Monaten eine Überraschung nach oben nicht ausschließen“, so Egger. Die Inflation sollte im Umfeld niedrigen Wachstums moderat bleiben und sich in Österreich bei etwa 2,4 Prozent einpendeln. Angesichts dieses Szenarios rechnet die Erste Bank mit einem moderaten Kreditwachstum im Ausmaß von ein bis zwei Prozent.

„Unser Kredithahn ist offen, allerdings bemerken wir besonders bei heimischen Unternehmen aktuell keine ausgeprägte Investitionslust“, berichtet Bosek.

Bei den privaten Wohnbaufinanzierungen gab es 2011 eine gesteigerte Nachfrage (plus 6 Prozent gegenüber dem Jahr 2010) und dieser Trend sollte sich auch dieses Jahr fortsetzen.

Boseks Appell an alle (Erste-) Fremdwährungskreditnehmer bleibt auch in diesem Jahr aufrecht: „Nützen Sie jetzt die Gelegenheit, ohne Mehrkosten in einen Eurokredit zu konvertieren, solange die Schweizer Nationalbank die Marke von 1,20 Franken verteidigt.“ Demnach haben seit Beginn dieser Offensive im Herbst 2011 rund 1.500 Kunden der Erste Bank diese Chance ergriffen und ihren Frankenkredit in Euro gewechselt.

Insgesamt vergab die Sparkassengruppe im Vorjahr im Inland 10,4 Milliarden Euro an Neukrediten, eine Steigerung von 33 Prozent gegenüber 2010. Damit beträgt das Verhältnis zwischen Kredit und Einlagen 78 Prozent. Vom Gesamteinlagenvolumen von 283,9 Milliarden Euro entfielen auf die Sparkassengruppe 54 Milliarden Euro. Die Kundenanzahl konnte im Vorjahr netto um 76.000 gesteigert werden, auch heuer will die Sparkassengruppe im selben Ausmaß wachsen. Damit betrug der Kundenanteil von Erste Bank und Sparkassen im Vorjahr 30 Prozent. Bei den Klein- und Mittelbetrieben beträgt der Kundenanteil der Sparkassengruppe rund 25 Prozent, das mittelfristige Ziel liegt bei einem Drittel.

Von M. Strausz , Ärzte Woche 9 /2012

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