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Foto: Zürich Versicherung

Mag. Irmi Mac Guire Kommunikationsleiterin der Zürich Versicherung

 
Praxis 24. Jänner 2012

Der richtige Zeitpunkt, Bilanz zu ziehen

Welche Versicherung brauche ich wirklich?

Der Jahreswechsel ist der ideale Zeitpunkt, seine Versicherungspolizzen auf Aktualität und Notwendigkeit zu untersuchen. „Dabei empfiehlt es sich nach dem GAU-Prinzip, also nach den ,größten anzunehmenden Unglücksfällen‘, vorzugehen“, rät Susanne Spreitzer, Versicherungsexpertin des Vereins für Konsumenteninformation (VKI).

 

Das bedeutet für Sie etwa, sich zu überlegen, wo die tatsächlich existenzbedrohenden Risiken liegen. Die meisten dieser Risiken lassen sich relativ günstig durch eine (Berufs-)Haftpflicht-, Unfall- und Rechtsschutzversicherung abdecken. Auch die gesetzlichen Pflichtversicherungen bieten einen gewissen Schutz, allerdings nicht für den Freizeitbereich, wo die meisten Unfälle passieren. „Sparen lässt sich hingegen bei Risiken mit geringen finanziellen Folgen oder bei Versicherungen, die im Schadensfall nur geringe Leistungen bringen“, so Spreitzer. Doppelversicherungen sollte man kündigen. Sparen lässt sich auch, wenn man bei jährlich kündbaren Versicherungen wie der Kfz-Haftpflicht günstigere Alternativen (Internetvergleich) findet. Nicht jede Polizze bietet rundum Schutz, daher sollte man beim Polizzen-Check jährlich überprüfen, ob die Versicherung der tatsächlichen aktuellen Risikosituation entspricht. Auch die Höhe der Deckungssumme ist an die aktuelle berufliche und private Situation anzupassen, sonst besteht die Gefahr einer Unterversicherung. Bei der privaten Unfallversicherung ist besonders darauf zu achten, dass die finanziellen Folgen eines Unfalls für den Extremfall (völlige Invalidität) abgefedert werden.

Berufliche Ärzteversicherungen

Die Berufshaftpflichtversicherung ist für alle niedergelassenen, freiberuflich tätigen Ärzte und Gruppenpraxen verpflichtend vorgeschrieben und muss den gesetzlichen Mindestanforderungen betreffs des Deckungsumfangs entsprechen. Die Vorlage einer Deckungsbestätigung an die ÖÄK und/oder Zahnärztekammer ist erforderlich. „Die fehlende Versicherung ist eine Berufspflichtenverletzung und wird vorerst einmal mit einer Disziplinaranzeige von Seiten der Ärztekammer geahndet. Sollte dies bis zum 31. Jänner 2012 aus Gründen, die der Arzt zu verantworten hat, nicht der Fall sein, wird die ÖÄK frühestens nach diesem Zeitpunkt Disziplinaranzeige machen, bei beharrlicher Weigerung auch mit der Konsequenz eines Berufsverbotes“, warnt Thomas Holzgruber, Kammeramtsdirektor der Wiener Ärztekammer. Doch sich so lange Zeit zu lassen wäre grob fahrlässig, da die Schadenersatzzahlungen bei Fehlbehandlungen rasch in Millionenhöhe gehen können.

Eine Ärztehaftpflichtversicherung muss folgende Kriterien erfüllen: eine Mindest-Versicherungssumme von 2 Mio. € pro Schadensfall, wobei die Haftungshöchstgrenze pro Jahr für freiberufliche ärztliche Tätigkeit mindestens 6 Mio. €, für Gruppenpraxen in der Rechtsform einer GmbH und für private Krankenanstalten eine Mindestversicherungssumme von 10 Mio. € nicht unterschreiten darf.

Die Prämien richten sich nach dem Fachgebiet des Arztes. Während Allgemeinmediziner, Kinderärzte oder Psychiater mit einer durchschnittlichen Jahresprämie von 200 bis 350 € das Auslangen finden (bei einer Versicherungssumme von 4-5 Mio. €), kommen Internisten, Urologen, HNO-Ärzte oder Dermatologen schon häufig auf die doppelte Summe. Noch tiefer in die Tasche greifen müssen Radiologen, Zahnärzte, Gynäkologen, Orthopäden und Chirurgen, denn operative Eingriffe erhöhen das Risiko.

Die Betriebsunterbrechungsversicherung (BUFT) ist eine Art Ertragsausfallsversicherung, die dazu dient, existenzbedrohende Schäden oder Situationen, die durch länger andauernde Ordinationsschließung entstehen, finanziell abzusichern.

Produktions- und Leistungsausfälle durch unvorhersehbare Ereignisse verursachen im Unternehmen zumeist großen finanziellen Schaden. Durch einen längeren Betriebsstillstand kann es auch zu gravierenden Wettbewerbsnachteilen kommen. Bei der BUFT handelt es sich um eine Sachversicherung, die zeitlich begrenzt (1-2 Jahre) die Kosten für den Betriebsstillstand oder den vorübergehenden Ausfall des Unternehmers übernimmt. Versichert wird dabei der so genannte Deckungsbeitrag (Betriebsertrag minus der variablen Kosten) bei einer teilweisen oder gänzlichen Unterbrechung der Ordination. Die fortlaufenden Fixkosten wie Mieten, Gehälter, Steuern, Kredit- und Leasingraten sowie der entgangene Betriebsgewinn werden im Rahmen der BUFT ersetzt.

Die Ordinationsversicherung

Die berufliche Haushaltsversicherung des niedergelassenen Arztes ist seine Ordinationsversicherung. Diese wird zumeist bei Gründung der Arztpraxis abgeschlossen, bei den anderen Versicherungsverträgen abgelegt und dort zumeist jahrelang vergessen, während sich die Ordinationseinrichtung im Laufe der Zeit verändert. Es wurde in moderne Kommunikationstechnik investiert, eventuell auch umgebaut. Gleich geblieben ist hingegen die jährliche Versicherungsprämie.

Wenn nun tatsächlich ein Schadensfall eintritt, ersetzt die Versicherung den Schaden nur bis zur Höhe der ursprünglichen Versicherungssumme. Dies passiert häufig bei älteren Verträgen, denn neuere Verträge enthalten üblicherweise bereits einen teilweisen Unterversicherungsverzicht. In diesem Fall verpflichtet sich der Versicherer, im Schadensfall bis zu einem bestimmten, vorher festgelegten Unterversicherungs-Prozentsatz den Schaden dennoch zu übernehmen.

Versichert sind bei einer Ordinations-Sachversicherung die gesamte Einrichtung der Ordination und Hausapotheke inklusive Aufenthaltsräume, Heilbehelfe und Heilmittel sowie sonstige Vorräte sowie die persönlichen Sachen des Arztes und seiner Mitarbeiter zum Neuwert, sowie Medikamente zu den Wiederbeschaffungskosten. Weiters umfasst eine Ordinationsversicherung gewöhnlich eine Feuerversicherung, Einbruchdiebstahlversicherung, Leitungswasserversicherung, Sturmversicherung und Glasversicherung. „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Das gilt vor allem für Praxisgründer und Berufseinsteiger. Die Praxis gehört erst einmal aufgebaut. Das Patientenvertrauen muss vorerst gewonnen werden und die Planziffern müssen sich erfüllen. Deshalb raten wir zur Vorsicht bei Veranlagungen und Versicherungen. Was nötig ist, ist nötig. Alles andere kann langsam aufgebaut werden“, empfiehlt ÄrzteService-Geschäftsführer Gerhard Ulmer.

Die Rechtsschutzversicherung

„Zu empfehlen ist eine Rechtsschutzversicherung für niedergelassene Ärzte, Ordinationsleiter und Dienstnehmer in einer Ordination sowie für Gutachter“, rät Mag. Irmi Mac Guire, Kommunikationsleiterin der Zürich Versicherung. Im Falle von Rechtsstreitigkeiten seien damit die Anwaltskosten versichert. Als optimale Ergänzung zur Haftpflicht sei aufgrund der höheren Eintrittswahrscheinlichkeit bei Ärzten ein Strafrechtsschutz zu empfehlen. Ein umfassendes Rechtsschutzpaket sollte auch den Privatbereich wie Sozialversicherungsangelegenheiten, Kfz- und Datenschutzrechtsfragen, Erb- und Familienrechtschutz, Grundstückseigentum- und Mietenrechtschutz abdecken.

„Allgemein gilt beim Polizzen-Check für Ärzte, dass jede Situation individuell verschieden ist und daher eine genaue Analyse der eigenen Lebens- und Arbeitssituation sowie eine fundierte Beratung wichtig sind , um den Versicherungsbedarf und die richtigen Lösungen zu eruieren“, so Mac Guire.

Von M. Strausz , Ärzte Woche 4 /2012

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