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Börsenglocke der Wiener Börse.
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Friedrich Mostböck
Leiter Group Research der Erste Group

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Handelsüberwachung in der Wiener Börse.

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Günther Artner
Co-Head of CEE-Equity-Research

 
Praxis 10. Jänner 2012

Stock Picking als Gebot der Stunde

Wiener Börseausblick 2012.

Der ATX besitzt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 8,5 ein attraktives Bewertungsniveau. Die Anlageexperten der Erste Group empfehlen Lenzing, Immofinanz, Österreichische Post und OMV zum Kauf und erwarten ein Überschreiten der 2.100-Punkte-Marke des Wiener Börsenindex für 2012.

 

„Die Staatsverschuldung, die uns bereits seit 2,5 Jahren beschäftigt, wird uns auch die kommenden (bis zu sieben) Jahre fest im Griff haben. Das Wirtschaftswachstum in den CEE-Ländern und die attraktive Bewertung sprechen aber für ein ATX-Kursziel von 2.150 Punkten bis Ende des 1. Halbjahres 2012“, zeigt sich Friedrich Mostböck, Leiter Group Research der Erste Group optimistisch für die Wiener Börse. Die Märkte Zentral- und Osteuropas sollten sich dabei relativ gegenüber großen etablierten Märkten abkoppeln können bzw. für eine gewisse Stabilisierung auf den Finanzmärkten sorgen. Österreichische Aktien sind vor allem unter Renditegesichtspunkten als deutlich attraktiver als Staatsanleihen einzustufen (870 Basispunkte höher verzinst als 10-jährige Bundesanleihen).

Verschuldung und hohe Profitabilität

Da die hohen Staatsverschuldungen wie Defizite – in einer noch dazu rückläufigen Konjunktursituation – kurzfristig nicht einzudämmen sind, werde das internationale Investmentumfeld verletzlich bleiben. Das Handelsvolumen bleibe schwach. „Es wird wie schon in den vergangenen Monaten weiter zwischen Ländern und Asset-Klassen differenziert werden. Die Krise steckt in den Staatsverschuldungen fest, deren Abbau nur zäh und langfristig vorangehen kann“, analysiert Mostböck. Doch die deutlich geringere Staatsverschuldung der westlichen CEE-Kernländer und die deutlich schlechtere Aktienkursentwicklung sollten Spielraum für eine Stabilisierung und relative Besserentwicklung der Wiener Börse im Jahresverlauf 2012 geben. „In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sollten sich die Anleger auf Unternehmen konzentrieren, die eine hohe Profitabilität erzielen und zusätzlich eine stabile Bilanz aufweisen. Dies trifft auf unsere Top-Picks zu“, erklärt Günther Artner, Co-Head of CEE-Equity-Research. Auch eine ansprechende Dividendenrendite sollte in eine Investmententscheidung mit einfließen. Dies treffe besonders auf Österreichische Post, Immofinanz und OMV zu. Bei der OMV kam zuletzt durch die geplante Aufstockung seitens IPIC über 25 Prozent hinaus eine gewisse Übernahmefantasie auf. „Von den Nebenwerten (Small/Mid Caps), die nicht im ATX notieren, empfehlen wir AMAG, Kapsch TrafficCom und Semperit. Erst wenn sich erste wirtschaftliche Erfolge abzeichneten, sei an zyklische Titel und Finanzwerte nachhaltig zu denken. „In diesem Fall würden wir auf Polytec, RHI, voestalpine bzw. Raiffeisen Bank International setzen“, sagt Artner.

Top-Picks der Erste-Analysten

Konkret sprächen folgende Argumente für ein deutliches Aufwärtspotential der empfohlenen ATX- und Nebenwerte:

Immofinanz: Die Immofinanz ist Österreichs größter und liquidester Immotitel, die Immobilien liegen jeweils zu 50 Prozent in Österreich/Deutschland und Osteuropa. Die günstige Bewertung und die Dividendenrendite von 6,5 Prozent (2013e: 8,7%) sprechen eine deutliche Sprache. Das Erste-Kursziel lautet 3,50 Euro.

Lenzing: Das Unternehmen ist sowohl hinsichtlich Qualität als auch Quantität globaler Marktführer bei Zellulosefasern, eine umweltfreundliche und nachhaltige Alternative zu Baumwollfasern. Angesichts eines weltweit stagnierenden Baumwollfaserangebots rechnen die Analysten mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten. Lenzing wird bis 2015 seine Produktionskapazitäten um 62 Prozent ausweiten. Das Kursziel lautet: 108,5 Euro.

OMV: Die Firma profitiert von den hohen Ölpreisen und dem stärker gewordenen Dollar-Kurs. Der Verschuldungsgrad liegt nach Eigenkapitalmaßnahmen nahe am Langfristziel von 30 Prozent. Die Produktion in Libyen rangiert bereits wieder auf der Hälfte des Vorkrisenniveaus. Das Kursziel liegt bei 34 Euro.

Österreichische Post: Der Titel zählt zu den dividendenstärksten in Wien (7,5%). Die gute Positionierung bei zunehmender Konkurrenz und weitere Restrukturierungsmaßnahmen sollten auch in kommenden Quartalen für positive Zahlen sorgen. Die Post gilt als bester Defensivtitel der Wiener Börse. Das Kursziel lautet: 26 Euro.

AMAG: Der Börsenneuling ist mit einem KGV von 6 aktuell sehr günstig bewertet (2012e: 9). Der Trend zur Leichtbauweise in der Transportindustrie kommt dem Unternehmen zugute, weiters auch die Kostenvorteile durch hohen Schrotteinsatz. Das Kursziel beträgt 21,30 Euro.

Semperit: Das Unternehmen besticht durch Wachstumsperspektiven im Bereich Medizin und eine Dividendenrendite über 4 Prozent. Sinkende Rohstoffpreise führen zu höheren Margen. Semperit hat 80 Millionen Euro Netto-Cash-Bestände und möchte seine hohe Weltmarktposition bei Untersuchungshandschuhen bis 2015 von 8 auf 12 Prozent ausbauen. Das Kursziel: 37 Euro

Kapsch TrafficCom: Kapsch ist Weltmarktführer bei elektronischen Mautsystemen und hält einen exzellenten Track Record bei der zeitgerechten Umsetzung von Systemaufbauten. In Slowenien und Russland winken Großaufträge. KTC besitzt einen hohen Cash Flow, eine starke Eigenkapitalbasis und einen hohen Return on Investment. Kursziel: 78 Euro.

Positive Erwartungen für 2012

Von der Strategie her sollten sich für das aktuelle Börsenjahr infolge attraktiver Bewertungsrelationen, geringerer Verschuldungsraten und höheren durchschnittlichen Wachstumspotentials in den CEE-Ländern moderate Auftriebskräfte ergeben. Das Bewertungsniveau der Wiener Börse ist sowohl historisch als auch im Vergleich zu anderen Märkten als attraktiv einzustufen (KGV 2011e: 9,2; 2012e: 8,3). „Theoretisch ist der ATX fast 40 Prozent unterbewertet“, rechnet Artner vor. Vor diesem Ausgangsszenario erwarten die Erste-Analysten ein Überschreiten der 2.100 Punkte-Marke im ATX bis Ende Juni, wobei phasenweise stärkere Kursschwankungen nicht auszuschließen seien.

Von M. Strausz , Ärzte Woche 1/2/2012

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