zur Navigation zum Inhalt
Foto: Buenos Dias/photos.com
In Krisenzeiten werden die Röcke der Frauen zumeist immer kürzer. Weniger bekannt ist, dass die Räume in solchen Zeiten immer leerer werden.

 

 
Praxis 17. April 2009

Darfs ein bisserl weniger sein?

Minimalismus in der Innenarchitektur – ein Frühjahrsputz der anderen Art.

Diese Woche haben mir die Redakteure der Ärzte Woche Platz für nur 3.000 Zeichen zugestanden, um über Trends in der Innenraumgestaltung zu schreiben. Das bedeutet, dass ich mich diesmal besonders kurz fassen muss – ganz ohne literarische Schnörkel und witzige Bonmots. Das ist nicht immer leicht und dennoch eine gute Übung – denn nur, wenn das Nebensächliche in den Hintergrund tritt, rückt das Wesentliche ins Rampenlicht. Und das gilt genauso in der Architektur.

 

In der Innenraumausstattung muss man sich von Zeit zu Zeit von überflüssigem Ballast befreien, um eine klare Linie zu schaffen. Minimalismus soll dieses Jahr angesagt sein, die „Neue Leichtigkeit“ wird sie genannt. Einfach sollen die Räumlichkeiten wieder werden, luftig und elegant das Mobiliar, ohne kostspielig zu sein. Ob das als Antwort auf die Weltwirtschaftskrise zu verstehen oder reiner Zufall ist, ist nebensächlich – befreien wir uns ein wenig von dem schweren Gepäck, das sich in unseren Räumen angehäuft hat.

Minimalismus in der Innenarchitektur steht für das allbekannte „Weniger ist mehr“, keineswegs jedoch für einfallslose Langeweile! Möchte man den Weg der „klaren Linie“ einschlagen, muss man mit wenigen, dafür umso effektvolleren Mitteln arbeiten.

Extravaganz ist kein Tabu

Man kann leichte Materialien und helle Oberflächen für Wand, Decke und Boden wählen, dafür darf die Ausstattung und das Mobiliar formal ruhig ein wenig raffinierter und dynamischer ausfallen. Extravagante Formen und geschwungene Kurven sind dann kein Tabu! Allein die richtige Farbkombination ist entscheidend – etwa durch die Anwendung weniger fein nuancierter Farben, wie Weiß, Beigetöne und helles Holz.

Stellen Sie sich diesen Raum vor – weißes Mobiliar, weiße Wände und ein heller Boden können spannend wirken, wenn man zum Ausgleich mit fließenden und beschwingten Formen arbeitet. Der Raum wirkt besinnlich, beinahe sakral und kristallin, dominiert von Schattenspielen. Nur zart sind Konturen zu erkennen. Besonders in einer medizinischen Einrichtung kann dies eine fast überirdische Stimmung erzeugen – und stellt man sich so nicht die Heimstatt der „Götter in Weiß“ vor?

Zeitlose Eleganz

Aber daneben kann ebenso das genaue Gegenteil zum Erfolg führen. Auch mit starken Kontrasten wird reduzierte Klarheit geschaffen. Ein schlecht gehütetes Geheimnis ist, dass die Kombination von Schwarz, Weiß und einer zusätzlichen Akzentfarbe stets elegant und klar wirkt. Diese sparsam eingesetzte Akzentfarbe kann ein kräftiges Hellblau, ein zartes Grün, aber auch Rot sein. Diese Farbkombinationen schaffen zeitlose Eleganz.

Wählt man auffällige Materialien und Oberflächen, sollten diese besonders reduziert gehalten werden. Formenreinheit und klare Geometrie sind hier die Schlagworte. Materialien, die sich gut dazu eigenen, in minimalistisch gestalteten Räumen kräftige Akzente zu setzen, sind dunkles Holz am Boden, Sichtbeton an einer in Szene gesetzten Wandpartie oder dunkles Leder am Mobiliar. Die ausgewählten Akzente sollten klar voneinander abgegrenzt werden und für sich alleine stehen, damit sie gut zur Geltung kommen.

Ein reduziert gestalteter Raum kann so nicht nur stilvoll, sondern auch befreiend wirken. Vor allem zu klein geratene Räume wirken dann großzügiger. Lassen Sie freie Entfaltung und Interpretationen des Nutzers zu. Kurz und knapp. Mehr bleibt nicht zu sagen. Genau 3.000 Zeichen... und aus.

DI Niel Mazhar, Ärzte Woche

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben