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FH-Prof. DI Dr. Stefan Sauermann Studiengangsleiter Biomedical Engineering Sciences an der Fachhochschule Technikum Wien, Vorsitzender des ON-K 238 „Medizinische Informatik“ am Austrian Standards Institute, Gründungsmitglied der IHE Austria.
 
Praxis 14. Dezember 2011

Gelebte Interoperabilität

Am ersten IHE Day diskutierten Anwender und Hersteller ihre Erfahrungen mit IHE in Österreich.

In Österreich ist elektronische Kommunikation in der Medizin bereits weit verbreitet. Sowohl in Spitälern als auch beispielsweise bei niedergelassenen Ärzten findet ein reger Austausch von klinischen Daten und Dokumenten statt. Im Juni 2007 hat die Bundesgesundheitskommission als Vorarbeit für die Errichtung der Elektronischen Gesundheitsakte ELGA technische Standards für die Kommunikation im Gesundheitswesen beschlossen, denen die seit den 1990er Jahren bestehende Initiative „Integrating the Healthcare Enterprise (IHE)“ zugrunde liegt.

 

Damit Interoperabilität von Softwaresystemen in der Medizin auch in der Praxis umgesetzt werden kann, etwa bei der Vernetzung von bildgebenden Modalitäten, Befundungsstationen und PACS-Systemen, müssen zahlreiche technische Standards erfüllt werden. In der IHE-Initiative erstellen Ärzte, IT-Verantwortliche und Softwarehersteller zusammen praxistaugliche Empfehlungen, mit denen aus standardisierten Einzelkomponenten rasch funktionierende Systeme aufgebaut werden können. Im Oktober 2007 wurde IHE Austria gegründet (siehe www.ihe-austria.at).

Der 1. IHE-Day am 8. November 2011 zeigte, dass die Hersteller diese Standards mittlerweile hervorragend beherrschen. Seit dem ersten österreichischen Connect-a-thon 2009 in Wien zeigen jährlich Softwarehersteller ihr Können auch in der Praxis. An diesem „IHE Austria Day“ konnten Anwender und Hersteller über ihre Erfahrungen mit IHE in Österreich berichten und diskutieren.

Anwender aus großen österreichischen Klinikverbünden berichteten über mehrere IT-Projekte zur organisationsübergreifenden Behandlung von Patienten durch Spitäler und niedergelassene Ärzte auch mit Beteiligung der Pflege. Die einhellige Meinung war, dass diese Projekte ohne die IHE-Profile entweder gar nicht zustande gekommen wären oder zumindest wesentlich größeren Aufwand verursacht hätten. Nur durch die bereits in IHE verfügbaren Prozessbeschreibungen und die dazu passenden technischen Lösungswege war es möglich, unter allen Beteiligten rasch Konsens über die nötigen Abläufe herbeizuführen und diese dann auch entsprechend umzusetzen.

Ähnliche Erfahrungen wurden am IHE-Day durch Charles Parisot (IHE International) auch aus dem internationalen Bereich berichtet. IHE-Profile finden in letzter Zeit verstärkt Verwendung in zahlreichen Projekten, wie z.B. in der Beschaffung. Hier helfen IHE-Profile sowohl bei großen Projekten als auch bei Projekten, wo kleinere Gesundheitsdiensteanbieter zusammenarbeiten, den geforderten Leistungsumfang für alle Beteiligten klar verständlich zu beschreiben.

Die Showcases am Nachmittag zeigten dann typische Behandlungsabläufe über mehrere Softwareprodukte verschiedener Hersteller. Die Palette wurde erweitert, so konnte der Austausch von Dokumenten zwischen verschiedenen Affinity Domains gezeigt werden. Besonders hervorzuheben ist auch die Integration der IHE-Funktionalität in bestehende Arztsoftwaresysteme. Es wurden bereits Lösungen gezeigt, mit denen auch niedergelassene Ärzte in größerem Umfang voll in die Kommunikation eingebunden werden können.

Ebenfalls neu war, dass beim 1. IHE-Day verstärkt detaillierte medizinische Abläufe gezeigt wurden – von der Anforderung über die Durchführung der Untersuchungen, von der Nachverfolgung der Aufträge bis zur Befundung. Für die Teleradiologie, den Laborbereich und die Vernetzung von Medizingeräten für Telemonitoring existieren bereits praktikable Lösungen.

Welche Fortschritte die IHE in Österreich in den letzten fünf Jahren gemacht hat, wurde am IHE Day auch in der Podiumsdiskussion klar sichtbar. Die anfängliche Skepsis auf allen Seiten wurde in zahlreichen großen und kleinen Abstimmungsprozessen und Kooperationen rasch abgebaut. Mittlerweile hat sich IHE für die technische Interoperabilität bereits herumgesprochen und für weite Bereiche etabliert.

Aber es ist noch viel zu tun. Einerseits werden bestehende IHE-Profile für die verbesserte Behandlung der Patienten eingesetzt, andererseits werden laufend neue Bereiche erschlossen. Die Anwender und Softwarehersteller, die sich international und nun auch in Österreich in der IHE-„Community“ gefunden haben, gestalten diesen Prozess aktiv mit und tragen mit ihrem jeweiligen Expertenwissen wesentlich dazu bei.

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