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Praxis 14. Dezember 2011

Wer eine Tropen-Reise plant, sollte sich impfen lassen

Bei der Beratung von Reisenden in exotische Länder sollten neben dem Impfstatus und der Reiseart auch Angaben zu vorliegenden Krankheiten und dem persönlichen Schutzbedürfnis erhoben werden.

Die Beratung in einem reisemedizinischen Zentrum gehört zum Pflichtprogramm vor einer Tropenreise. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat 19 Einrichtungen in ganz Österreich getestet, der Testsieger „Traveldoc“ kommt aus Wien.

 

Knapp zehn Prozent der 2009 in Österreich gebuchten 8,2 Millionen Auslandsreisen führten zu einer Destination außerhalb Europas. Allerdings drohen besonders in attraktiven exotischen Gefilden gesundheitliche Gefahren wie Malaria, Typhus oder Gelbfieber. Besonders wichtig ist daher, dass der Gang zum Reisemediziner zwei bis drei Monate vor Reiseantritt erfolgt, da zwischen bestimmten Impfungen zeitliche Abstände eingehalten werden müssen. „Für unseren Test haben wir auf Reisemedizin spezialisierte Institutionen ausgewählt, die über eine fachspezifische Website verfügen – also leicht zu finden sind – und als offizielle Gelbfieberimpfstellen anerkannt sind“, so die Konsumentenschützer. Um diese Impfungen vornehmen zu dürfen, müssen bestimmte Standards erfüllt sein und eine behördliche Genehmigung vorliegen.

Zwei Szenarien im Test

Die 19 getesteten Einrichtungen wurden mit zwei als unterschiedlich riskant eingestuften Szenarien konfrontiert. Bei einer „Niedrig-Risiko-Reise“ begibt sich eine Mutter mit ihrem 5-jährigen Sohn im Jänner auf einen zweiwöchigen Cluburlaub nach Koh Samui,Thailand. Die Testerin gab an, noch nie in den Tropen gewesen zu sein, und wollte einen optimalen Schutz für ihr Kind, unter Beachtung möglicher Impfnebenwirkungen. Das Kind verfügte über alle Impfungen laut österreichischem Kinderimpfplan, die Mutter verfügte nur über einen Tetanusschutz.

Im „Hoch-Risiko“-Szenario begeben sich zwei junge Männer im Jänner auf eine viermonatige Reise nach Ostafrika. Die Reise erfolgt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, übernachtet wird in einfachen Unterkünften. Beide Reisende verfügen über eine Diphtherie/Tetanus-Immunisierung, ihre Hepatitis-A-Impfung liegt acht Jahre zurück, ein Typhusschutz fehlt. Die Testpersonen wollen sich ausschließlich auf absolut notwendige Impfungen beschränken.

Testsieger ist Traveldoc in Wien

Wie bereits beim ersten VKI-Test im Jahr 2005 wurde das Reisemedizinische Zentrum „Traveldoc“ (www.traveldoc.at) in der Favoritenstraße 32 im 4. Bezirk Testsieger. Nur das Wiener Unternehmen erreichte sowohl im komplizierteren Hoch-Risiko-Szenario ein „Sehr gut“ (86/100 Punkte) als auch im Niedrig-Risiko-Szenario (83/100 Punkte). Bei allen anderen Zentren offenbarten sich mehr oder weniger große Lücken. „Teilweise wurden notwendige Impfungen nicht empfohlen, in einigen Fällen kam es zu Überimpfungen“, so der VKI.

Neben Informationen zur Reise (Ziel, Dauer, Reisezeit und -art wie Cluburlaub oder Trampen) sind für eine seriöse Information auch Angaben zur Person (Alter, vorliegende Erkrankungen, persönliches Schutzbedürfnis, Reiseerfahrung und Impfstatus) notwendig. Lediglich der Impfstatus kam überall zur Sprache und die Reiseumstände waren zumeist ein Thema. Doch bereits die obligatorische Frage nach vorliegenden Erkrankungen fiel häufig flach. „Dies ist ein schweres Versäumnis. Bestehende Krankheiten können das Risiko für andere Erkrankungen deutlich erhöhen und bestimmte Impfungen sind dann problematisch“, sagen die VKI-Experten. Für die Reiseerfahrung der Testpersonen interessierten sich überhaupt nur vier, für das persönliche Schutzbedürfnis nur zwei Mediziner. Tipps zu wichtigen Hygienemaßnahmen im Alltag oder zur Selbstbehandlung (etwa von Durchfall-Erkrankungen) fehlten fast vollständig. Auch auf das Angebot, eine Reiseapotheke zu erstellen – was bei Szenario 2 von Bedeutung gewesen wäre –, warteten die Testpersonen zumeist vergeblich.

Die wichtigsten Impfungen

Die unbedingt erforderliche Hepatitis-A-Impfung für die Niedrig-Risiko-Reise wurde in 17 Einrichtungen für beide Reisenden empfohlen, auf die Hepatitis-B-Impfung für die Mutter wurde hingegen in vier Fällen vergessen. Die ebenfalls dringend anzuratende Typhus-Prophylaxe wurde im „Zentrum für Reisemedizin“ und im Tropenzentrum (beide Wien) sowie beim Magistrat St. Pölten und bei der BH in Dornbirn nicht empfohlen. Auch bei der Kinderlähmung (Poliomyelitis) – die Mutter hätte eine Auffrischung nötig – ließen vier Einrichtungen (Magistrat St. Pölten, Zentrum für Tropen-, Reise-, und Geomedizin Salzburg, BH Dornbirn und Gemeinschaftspraxis für Reisemedizin Innsbruck) aus. Auch der fehlende Diphtherie-Schutz für die Mutter wurde in vier Fällen „vergessen“. In diesem ersten Szenario erhielten 12 Zentren ein „Gut“, „Traveldoc (83/100), Zentrum für Reisemedizin (NÖ) und „Gemeinschaftspraxis für Reisemedizin“ Innsbruck (jeweils 82/100) ein „Sehr gut“.

Im Hoch-Risiko-Szenario wurde die notwendige Empfehlung für die Gelbfieberimpfung überall abgegeben, auf die ebenfalls unverzichtbare Malaria-Prophylaxe aber im Amt der Salzburger Landesregierung, in der BH Dornbirn und im Magistrat St. Pölten verzichtet. Zur Überversorgung kam es am häufigsten bei der Hepatitis-A-Impfung: ganze neun Institute ignorierten den vorhandenen Schutz und rieten zur Impfung. Obwohl die Testpersonen über einen Polioschutz verfügten, wurde gleich in sechs Zentren zur Impfung geraten, in sieben Fällen wurde trotz vorhandenem Diphtherie-/Tetanusschutz eine Impfung empfohlen. Im zweiten Szenario landeten drei Institute mit einem „Weniger zufriedenstellend“ – das „Tropenzentrum Wien“ (38/100), das „Impfservice und Reisemedizinische Beratung MA15“, Wien (38/100) und die „Gemeinschaftspraxis für Reisemedizin“ in Innsbruck (39/100) auf den letzten drei Plätzen. Ein „Gut“ erhielten Magistrat Linz und TravelMed Zentrum (OÖ), Zentrum für Tropen-, Reise- und Geomedizin Salzburg und die Reisemedizinische Impf- und Beratungsstelle Steiermark.

Von M. Strausz , Ärzte Woche 50 /2011

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