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Praxis 22. November 2011

Bewährungsprobe Praxis-TV

Wartezimmer-TV kann sinnvoll sein: Es kurbelt unter anderem die Nachfrage nach „Individuellen Gesundheitsleistungen“ (IGeL) in der Praxis an. Das hat eine deutsche repräsentative Studie dazu ergeben.

Für die meisten Patienten ist ein Wartezimmer-TV-Angebot in der Praxis eher eine Bereicherung als eine Belastung.

 

Das ist ein Fazit, das sich aus der „repräsentativen Studie zum Einfluss von Medien auf Patientenbedürfnisse“ (EMPAT) ziehen lässt. Die EMPAT-Studie hat das Deutsche Zentrum für Medizinmarketing im Auftrag des Unternehmens TV-Wartezimmer durchgeführt. Das Unternehmen ist nach eigener Aussage Europas Marktführer in der audiovisuellen Patientenkommunikation.

Rund 1.500 Patienten gaben ihr Urteil zum Praxis-TV ab

Rund 400 Praxen hatten sich um die Studienteilnahme beworben. In den zum Zuge gekommenen Vertragsarztpraxen – mehr als ein Dutzend über ganz Deutschland verteilt – wurden über einen Zeitraum von zwölf Monaten 1.476 Patienten vor und nach der Installation eines entsprechenden Wartezimmer-TV-Systems befragt. Unter anderem ging es um die Informationsbedürfnisse der Patienten und um ihre Einschätzung des Fernsehangebotes im Wartezimmer.

Das Wartezimmer wird angenehmer

Prinzipiell scheinen Patienten aufgeschlossen für die Information auf dem Monitor zu sein. So stimmten bereits 64,4 Prozent der Aussage „Ich finde Wartezimmer-Fernsehen informativ“ zu, als das Angebot noch gar nicht installiert war. Dieser Anteil erhöhte sich nach der Installation des Wartezimmer-Fernsehens auf 78,2 Prozent.

Das Infotainment wirkt bei Patienten anscheinend auch unterhaltend während des Wartens auf Einlass in das Behandlungszimmer. So bejahten vor der Installation 66,6 Prozent der Probanden die Frage „Die Wartezeit in dieser Praxis ist angenehmer als die Wartezeit in anderen Praxen“, danach steigerte sich dieser Wert auf 81,5 Prozent.

Im exakt gleichen Verhältnis fiel die Bestätigung der Aussage „Wartezimmer-Fernsehen hilft, die Wartezeit angenehmer zu gestalten“ aus.

Besserer Informationsgrad zum Thema IGeL erreicht

Auf die Frage, ob sich die Patienten gut über Selbstzahlerleistungen informiert fühlten, antworteten vor dem Fernseh-Einsatz 53,4 Prozent. Mit einem Wartezimmer-TV-System stieg dieser Anteil auf 57,3 Prozent. Die Aussage „Ich habe solche Leistungen bei einem Arzt nachgefragt“ bejahten vor der Installation 36,5 Prozent, danach wuchs die Zustimmung um 13,4 Prozent auf 41,4 Prozent an.

Wo die Patienten die IGeL-Angebote nachgefragt haben, wurde im Rahmen der EMPAT-Studie nicht erhoben.

Die Zustimmung der befragten Patienten zur Aussage „Ich fühle mich durch diesen Arzt besser über IGeL informiert als durch andere Ärzte“, die vor der Installation in den Praxen 53,5 Prozent betrug, stieg mit dem Einsatz eines entsprechenden Systems auf 61,5  Prozent an.

Patienten offen für Arztmarketing

Wie die Studie außerdem ergab, sind Patienten generell offen für Marketing-Aktivitäten von Vertragsärzten, wie Projektleiter Jens Stadler hervorhebt. Sie konstatieren hier sogar eine Art Defizit-Situation. Denn: Unabhängig vom Vorhandensein eines Wartezimmer-TV-Angebotes bejahten drei von vier befragten Patienten die Aussage „Arztpraxen sollten stärker für sich werben“.

Ebenso verhalte es sich mit der Einstellung der Patienten zur medizinischen Werbung im Allgemeinen. So stimmten fast neun von zehn befragten Patienten der Aussage „Werbung für medizinische Dienstleistungen und Produkte ist informativ“ zu – unabhängig von einem TV-System in der Praxis. ÄZ/FH

EMPAT-Studie

Die EMPAT-Studie ist ein medizinisch-betriebswirtschaftlich ausgerichtetes Forschungsprojekt. Es hat geprüft, wie durch den Einsatz von Wartezimmer-Fernsehen die Nachfrage nach Selbstzahlerleistungen in der Praxis angekurbelt werden kann und welche Wirkungen das Angebot auf die Zufriedenheit der Patienten und auf die Inanspruchnahme von Vorsorgeleistungen hat.
Die Untersuchung wurde vom Deutschen Zentrum für Medizinmarketing im Auftrag des Freisinger Unternehmens TV-Wartezimmer organisiert. Beworben hatten sich um die Studienteilnahme knapp 400 Praxen.

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