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FH-Prof. Stefan Sauermann Studiengangsleiter Biomedical Engineering Sciences an der Fachhochschule Technikum Wien, Vorsitzender des ON-K 238 „Medizinische Informatik“ am Austrian Standards Institute, Leiter des Redaktionsteams für die Arbeitsgruppe „Laborbefund“ bei der Harmonisierung der ELGA CDA Dokumentleitfäden

 
Praxis 22. November 2011

Harmonisierung medizinischer Dokumente

Was bisher erreicht wurde und wie es weiter geht.

Seit 2007 laufen die Arbeiten an österreichweit abgestimmten Dokumenten im Rahmen der Elektronischen Gesundheitsakte ELGA. Ranghohe medizinische Experten haben in drei Arbeitsgruppen die Inhalte für ärztliche und pflegerische Entlassungsinformationen, Radiologiebefunde und Laborbefunde diskutiert und zusammen mit Redaktionsteams Leitfäden erarbeitet, die nun zur Erstellung dieser Dokumentarten verwendet werden können.

 

Am 11. Oktober 2011 wurden nun die Ergebnisse klar sichtbar: In einer Präsentation wurden allen beteiligten Experten die erstellten Leitfäden vorgestellt. In mehreren Beispieldokumenten kann man schon klar erkennen, wie diese Dokumente in Zukunft aussehen werden.

Die von den Arbeitsgruppen fertiggestellten Leitfäden sind zur öffentlichen Kommentierung freigegeben. Momentan läuft eine Begutachtungsphase, in der vor allem die Ärzteschaft und auch die breite Öffentlichkeit eingeladen sind, bis Ende des Jahres Kommentare und Verbesserungsvorschläge einzusenden.

Die Lesbarkeit der Dokumente wurde gezielt untersucht und an vielen Stellen verbessert und optimiert. In mehreren Befragungen und Testläufen wurden Ideen zur besseren Gestaltung erhoben und untersucht, die auch in den Dokumenten umgesetzt sind. Ein Inhaltsverzeichnis ganz am Beginn der Dokumente erleichtert die Orientierung. So können auch in langen Befunden rasch die gesuchten Inhalte aufgefunden werden.

Informationen, die für die Behandlung kritisch sind, können besonders hervorgehoben werden. Beispielsweise finden die Befundempfänger in den Entlassungsinformationen ganz am Anfang des Dokuments einen klar sichtbaren, farblich hervorgehobenen Verweis zu Allergien oder Medikamentenunverträglichkeiten. Ein Mausklick auf diesen Verweis führt dann direkt zu den Details. Informationen zur Patientenverfügung können ebenso gekennzeichnet werden. In den Laborbefunden sind Testergebnisse außerhalb der Normbereiche rot eingefärbt und so auch rasch erkennbar.

Rein technisch basieren die österreichischen Leitfäden auf internationalen Vorbildern, die schon vielfach in der Praxis erprobt sind: Als Dokumentenformat dient die „Clinical Document Architecture“ (CDA) der „Health Level 7“ (HL7). Dieses Format wurde 2007 in einem Beschluss der Bundesgesundheitskommission für die Verwendung im österreichischen Gesundheitswesen empfohlen. Die Leitfäden kommen nun auch formal in den Normungsprozess im Komitee „Medizinische Informatik“ (ON-K 238) des Österreichischen Normungsinstituts und in HL7.

Die praktische Umsetzung der Dokumente hat bereits vor der Veröffentlichung begonnen, und unmittelbar nach der Vorstellung der Leitfäden im Oktober zeigen immer mehr Hersteller von Arztsoftware und Krankenhaussystemen bereits Dokumente, die mit den gängigen Softwareprodukten erstellt wurden. Auch ein Austausch der Dokumente über die bereits vorhandene Befundkommunikation zwischen Krankenhaus und niedergelassenem Arzt wurde bereits erfolgreich umgesetzt. In mehreren Klinikverbünden in Österreich beginnt ebenfalls bereits die Umsetzung im klinischen Betrieb. Es ist also damit zu rechnen, dass bereits in naher Zukunft österreichische Ärzte und Patienten den Entlassungsinformationen, Radiologiebefunden und Laborbefunden im neuen Format vielfach begegnen werden.

 

 Die Leitfäden, die Beispieldokumente und ein Link, über den Kommentare eingereicht werden können, sind verfügbar unter http://www.elga.gv.at/index.php?id=28

Von S. Sauermann , Ärzte Woche 47 /2011

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