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Foto: Wiener Börse
Für die Wiener Börse spricht das aktuell nierige Preisniveau.
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Günther Artner Erste-Group-Aktienanalyst

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Fritz Mostböck Research-Leiter der Erste Group

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Mag. Thomas Neuhold CFA, Leiter Aktienanalyse Österreich bei UniCredit Bank Austria

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Stefan Maxian Raiffeisen Centro Bank (RCB)-Research-Leiter

 
Praxis 15. November 2011

Europäische Schuldenkrise dominiert globale Anlagemärkte

Status quo und Aussichten für die Wiener Börse.

Neben Greichenland zählt heuer der heimische Aktienmarkt mit Verlusten von 30 Prozent zu den großen Verlierern. Dennoch bleiben die Analysten optimistisch und rechnen an der Wiener Börse mit einem ATX-Kursziel von 2.700 Punkten innerhalb eines Jahres.

 

Die extreme Unruhe im Bankensektor, die Einbrüche auf den internationalen Finanzmärkten und die Eskalation der Schuldenfrage lässt Assoziationen mit dem Herbst 2008 und Lehmann wach werden. „Wir gehen davon aus, dass die Griechenland-Thematik auch in den kommenden Monaten als treibendes Element erhalten bleibt“, erklärt Valentin Hofstätter, Research-Experte der Raiffeisenbank International (RBI). Nach der Überarbeitung der Gewinnschätzungen und Kursziele rechnen die Analysten der UniCredit dennoch mit einem ATX-Ziel von 2.700 Punkten innerhalb eines Jahres, bei einem Gesamtrenditepotenzial von 40 Prozent. „Die Kombination aus einer stabilen wirtschaftlichen Situation in Österreich und der derzeit günstigen Bewertung heimischer Aktien – die nur durch die hohen Verluste der Erste Group etwas getrübt wird – bietet langfristig orientierten Anlegern gute Einstiegsmöglichkeiten“, so Dieter Hengl, Bank Austria Vorstand Corporate & Investment Banking. Die Analystenschätzungen für das KGV (Kurs-Gewinnverhältnis) reichen von 14,8 (UniCredit) bis 16,3 (Erste Group) für 2011 und von 7,6 (Erste Group) bis 8,2 (RCB) im nächsten Jahr. Aufgrund der relativ niedrigen Wachstumsaussichten von 1,4 Prozent für 2012 sollte sich die Inflation bei 2 Prozent einpendeln und den Euro stärken. Das Gewinnwachstum der ATX-Titel schätzen Experten des Aktienresearch der UniCredit für heuer mit plus 17 Prozent, für 2012 mit plus 28 Prozent ein.

Die ATX-Top-Empfehlungen

Für die Wiener Börse spricht das aktuell niedrige Preisniveau, welches heuer nur durch die hohen Verluste der Erste Bank etwas getrübt wird. Die Experten der UniCredit sehen angesichts des turbulenten volatilen Umfeldes das beste Chancen-Risikoprofil bei den Immo-Aktien conwert und Immofinanz, Lenzing, Österreichische Post, RHI und voestalpine. „Im Spannungsfeld attraktiver Aktienbewertungen einerseits sowie hoher Unsicherheit und zunehmender konjunktureller Risiken andererseits empfehlen wir eine defensive Portfolio-Ausrichtung. Wir bevorzugen daher aktuell Aktien mit wenig konjunkturabhängigen Geschäftsmodellen, einer soliden Bilanzstruktur und hohen nachhaltigen Dividendenrenditen“, so Mag. Thomas Neuhold, CFA, Leiter Aktienanalyse Österreich bei UniCredit Bank Austria. „Wir halten einen Anstieg des ATX in Richtung 2.200 Punkte bis Jahresende für möglich. Unsere Top-Picks, die durchaus zwischen fünf und zehn Prozent Kurspotenzial bis Ende 2011 aufweisen, sind Immofinanz, voestalpine, RHI, Polytec, Lenzing, Semperit, OMV und die AMAG“, sagt Erste-Group-Aktienanalyst Günther Artner. Auf der Empfehlungsliste von Raiffeisen Centro Bank (RCB)-Research-Leiter Stefan Maxian stehen derzeit: conwert, Kapsch, AMAG, Vienna Insurance Group und Österreichische Post an vorderster Front: „Bis Ende des Jahres rechnen wir mit einem ATX-Endstand von 1.800 Punkten, am Ende des 1. Halbjahres 2012 sollte der ATX bei 2.000 Punkten liegen“, so Maxian.

Die Global Strategy

„Das Umfeld an den internationalen Finanzmärkten wird bis Jahresende fragil bleiben“, betont Fritz Mostböck, Research-Leiter der Erste Group. Daher sei ein selektives Vorgehen weiterhin ratsam. „Insgesamt gibt es Chancen in ausgewählten Aktienmärkten – USA oder CEE (Zentral- und Osteuropa) – sowie weiteren Asset-Klassen wie u.a. Gold“, so Mostböck weiter. Der US-Aktienindex S&P 500 ist aufgrund der jüngsten Korrektur mit einem KGV von 12,4 und einer Dividendenrendite von 2,3 Prozent moderat bewertet. Insbesondere gegenüber 10-jährigen US-Staatsanleihen, die eine Rendite von 1,9 Prozent bringen, sind US-Aktien klar im Vorteil.

Was CEE betrifft, empfiehlt Mostböck, den Fokus nach wie vor auf defensive Werte zu legen: „Die Tschechische Republik bietet als Markt einen eher defensiven Charakter und sollte im Auge behalten werden, für interessant halten wir auch Polen und die Türkei, auch wenn es hier volkswirtschaftliche Ungleichgewichte gibt.“ Kleinere Märkte wie Ungarn und Rumänien sollten hingegen mit besonderer Vorsicht genossen werden. „Bei Gold bleiben wir bei unserem positiven Ausblick und erwarten bis Juli 2012 einen Goldpreis von 2.000 Dollar sowie langfristig das Überschreiten des inflationsbereinigten Allzeithochs bei 2.300 Dollar je Unze“, so Mostböck. „Unter den entwickelten Märkten bevorzugen wir die USA, da die US-Notenbank Fed die Geldpolitik weiterhin expansiv halten wird“, so UniCredit-Research-Leiterin Monika Rosen.

„Weiters bekräftigen wir unsere negative Haltung gegenüber den Aktienmärkten Europa und Japan, in der Region Pazifik ex Japan bleiben wir neutral, die Schwellenländer halten wir für übergewichtet“, so Rosen. Übergewichtet werden in der UniCredit außerdem Gold, da die Euro-Schuldenkrise den Goldpreis weiter beflügeln könnte, bei Öl lautet die Einschätzung: neutral. Auch der Anleihemarkt im Euroraum bleibt vom Thema Staatsschulden dominiert: „Aber obwohl sich deren Renditen bereits auf Rezessionsniveau befinden, dürfte sich die Funktion deutscher Staatsanleihen als sicherer Hafen aufgrund der nach wie vor ungelösten Schuldenproblematik zumindest bis Mitte 2012 verlängern“, analysiert RBI-Experte Hofstätter. Bei einem möglichen Zahlungsausfall Griechenlands im 1. Quartal 2012 rechne er sogar mit vorübergehenden neuen Tiefs bei deutschen Renditen. „Unternehmensanleihen haben noch immer günstige Fundamentaldaten, kurzfristig ist aber Vorsicht angebracht, da die steigende Risikoaversion dieser Anlageklasse schaden könnte“, so Rosen.

Von M. Strausz , Ärzte Woche 46 /2011

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