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Praxis 8. April 2009

Qualitätszirkel stärken das Selbstbewusstsein

Langfristiges Ziel: Zwei Drittel der Ärzte organisieren sich in Qualitätszirkeln.

Die Entstehung neuer Qualitätszirkel soll weiter unterstützt werden – gerade auch durch regelmäßige Schulungen der Moderatoren. Damit sollen sowohl die Abläufe in den Ordinationen als auch die Qualität der regionalen Gesundheitsversorgung verbessert werden.

 

Ärztliche Qualitätszirkel haben in Österreich bereits eine fast 20-jährige Tradition. „Gerade auch für Allgemeinmediziner brachte und bringt die Teilnahme an diesen Zirkeln eine Stärkung von Selbstverständnis, Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Deutlich verbessert hat sich zudem die Kooperation zwischen den Ärzten“, analysiert Dr. Erwin Rebhandl, Obmann der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM). Spürbare Effekte haben Qualitätszirkel sowohl für die Ordination der teilnehmenden Ärzte als auch für die Qualität der Gesundheitsversorgung in vielen Regionen. „In Österreich gibt es etwa 200 Qualitätszirkel mit Allgemeinmedizinern bzw. Fachärzten sowie eine wachsende Zahl von interdisziplinären Zirkeln“, freut sich Rebhandl. Ziel sei aber nach wie vor, die Entstehung weiterer Zirkel zu fördern, gerade auch durch die Ausbildung von Moderatoren: Über 400 Ärzte wurden inzwischen von der ÖGAM geschult. Die zweimal jährlich stattfindenden Kurse sind immer gut besucht. Die ÖGAM organisiert zudem einmal im Jahr ein Treffen der Moderatoren, bei dem Erfahrungen ausgetauscht und aktuell anstehende Themen diskutiert werden.

Als künftiges Ziel formuliert Rebhandl, dass sich zumindest zwei Drittel der Allgemeinmediziner und auch niedergelassenen Fachärzte in Qualitätszirkeln organisieren. „Davon sind wir leider noch ein deutliches Stück entfernt“, so Rebhandl. Die Kooperation in Qualitätszirkeln macht jedenfalls auch die Entstehung verschiedener Formen der Zusammenarbeit wie von Gruppenpraxen wahrscheinlicher, „wobei dies vor allem durch die sehr, sehr engen Rahmenbedingungen der Kassen momentan noch in einem sehr überschaubaren Rahmen geschieht“, wie Rebhandl bedauert.

Individualität bleibt wichtig

Wissenschaftliche Daten über die Arbeit von Qualitätszirkeln gibt es kaum, existente Ergebnisse sind über zehn Jahre alt. „Es wäre durchaus sinnvoll, auch die Arbeit in Qualitätszirkeln als Beitrag zur medizinischen Forschung sowie zur Stärkung des ärztlichen Alltagshandelns zu analysieren“, meint Rebhandl. Aus seiner Sicht wäre es wünschenswert, in medizinischen Universitäten die Forschungsbudgets zu erhöhen sowie die Rahmenbedingungen etwa durch mehr Personal zu verbessern. Neue Akzente könnte in diesem Zusammenhang die rasche Umsetzung der seit Jahren fertig ausgearbeiteten Pläne für den Facharzt für Allgemeinmedizin bringen.

Dr. Reinhold Glehr, ÖGAM-Referent für Qualitätssicherung, unterstützt diesen Ansatz, weist aber auch darauf hin, „dass es eben nicht darum geht, dass alle Ärzte in ganz Österreich nach bis ins kleinste Detail einheitlichen Leitlinien handeln - man kann eben nicht bei einem medizinischen Problem einfach wie bei einem Getränkeautomaten auf einen Knopf drücken.“ Medizin müsse immer ein Stück weit vom Eingehen auf individuelle Lebensgeschichten und aktuelle oder anstehende Lebenssituationen geprägt sein. „Auch die Arbeit im Qualitätszirkel selbst ist ein gegenseitiges Lernen, wovon ich dann bestimmte Anteile ganz konkret in meine Art des Arzt-Seins umsetze“, erklärt Glehr. Im Vordergrund steht also etwa die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse auf bestimmte Situationen und Abläufe.

Um den Austausch zwischen Qualitätszirkeln in Österreich zu fördern, wird derzeit mit der ÖQmed verhandelt, wo einerseits Kontaktdaten aller Zirkel sowie die in ihnen bearbeiteten Themen zu finden sein sollen. Der Zugriff soll den Moderatoren vorbehalten bleiben. „Kontaktdaten von Qualitätszirkeln und Moderatoren sind ebenso bei den Landesärztekammern zu finden – diese unterstützen deren Arbeit vor allem im administrativen Bereich, etwa durch Aussendungen“, ergänzt Rebhandl.

Gute Erfahrungen mit gemischtem Qualitätszirkel

Welche Vorteile ein „gemischter“ Qualitätszirkel erzielen kann, zeigt der von Glehr initiierte und seit zehn Jahren bestehende Kreis in der Steiermark, an dem sieben Allgemeinmediziner und zwei Internisten teilnehmen. „Diese Kooperation bringt eine viel bessere Rollenklarheit und unterstützt die gute gegenseitige Zusammenarbeit“, berichtet Glehr. So werde darauf geachtet, dass Langzeitpatienten regelmäßige Kontrollen beim Internisten durchführen lassen und der Facharzt nicht mit „Banalitäten“ überlaufen wird.

Gleichzeitig haben die Internisten ein klareres Bild von den Qualitäten und Möglichkeiten der Hausärzte. Erfreuliches Ergebnis laut Glehr: „Es ergibt sich ein wirklich gemeinsames Arbeiten an verschiedenen Patienten.“ Im Qualitätszirkel geht es um sehr unterschiedliche Themen, nicht zuletzt etwa um Haftungsfragen, wozu ein Medizinjurist einmal als Experte eingeladen wurde. In der Steiermark existierte einige Zeit auch ein Arbeitskreis Qualität, der allerdings im Vorjahr aufgrund der sehr intensiven Diskussionen zur „Gesundheitsrefom“ eingeschlafen ist. In diesem wurden unter anderem Ergebnisse von Qualitätszirkeln vorgestellt. „Das wäre für die Zukunft sicher wieder wünschenswert. Allerdings steht für die Kollegen nach wie vor das Thema der immer schwieriger werdenden Rahmenbedingungen für die Arbeit im Vordergrund“, so Glehr.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 15/2009

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