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Fotos (3): photos.com
 
Praxis 31. Oktober 2011

„Den idealen Schreibtischstuhl gibt es nicht“

Menschen haben verschiedene Sitzbedürfnisse. Ein moderner, ergonomisch guter Stuhl muss sinnvolle Einstellmöglichkeiten besitzen.

Dynamisches Sitzen, der richtige Abstand zum Bildschirm, die Optimierung von Arbeitsabläufen mit Hilfe der EDV – das steht bei der Beratung in Arztpraxen zu ergonomischen Themen im Vordergrund. Ewald Pencz, Experte für Ergonomie und Arbeitssicherheit, erläutert, worauf es ihm ankommt.

 

Herr Pencz, sind Ärzte oder generell im Gesundheitswesen tätige Personen anspruchsvoller hinsichtlich der ergonomischen Gestaltung ihrer Arbeitsumgebung?

Pencz: Was die Ärztinnen und Ärzte betrifft, so haben wir bei unseren Beratungen festgestellt, dass die Praxiseinrichtung in erster Linie funktional und repräsentativ ist, während ergonomische Gesichtspunkte nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dies zeigt sich etwa bei den Schreibtisch- und Arbeitsstühlen. Unser Fazit: Aus sicherheitstechnischer und ergonomischer Sicht stehen Arztpraxen nicht besser da als andere Unternehmen.

 

Worauf ist bei der Neuanschaffung von Schreibtischstuhl, Schreibtisch und Bildschirm denn generell zu achten?

Pencz: Jeder Mensch ist verschieden, auch in seinen Sitzbedürfnissen. Folglich gibt es nicht den idealen Schreibtischstuhl. Ein moderner, ergonomisch guter Stuhl muss sinnvolle Einstellmöglichkeiten besitzen. Er muss der Größe, dem Gewicht und in gewissem Maße auch dem Sitzverhalten des Nutzers angepasst werden können.

Wenn möglich, sollten die späteren Nutzer vor der Anschaffung auf dem Stuhl Probe sitzen, im Idealfall für mehrere Stunden. Die Möglichkeit, dynamisch zu sitzen – ein Standard bei modernen, guten Bürostühlen –, und der Wechsel vom Sitz- zum Steharbeitsplatz durch höhenverstellbare Arbeitstische sind technische Mittel, um die Rückengesundheit zu fördern.

Einen idealen Abstand zum Bildschirm gibt es dagegen nicht, immerhin aber Richtwerte für Mindestabstände. Dazu muss der Schreibtisch jedoch die entsprechende Tiefe aufweisen.

 

Wie lassen sich Workflows in der Arztpraxis ergonomischer gestalten?

Pencz: Diese Frage betrifft die Arbeitsorganisation und geht daher über den engeren Bereich der Ergonomie hinaus. Hier sind die räumlichen, zeitlichen und personellen Schnittstellen betroffen sowie die Zuordnung von Mitarbeitern, Räumen und Ressourcen.

In einer Arztpraxis muss das Personal zum Teil sehr häufig zwischen Anmeldung, Sprechzimmer, Labor und sonstigen Räumen hin- und hergehen, sodass Abfolge und Länge der Wege bereits beim Einrichten einer Praxis optimiert werden können.

Die Verfügbarkeit von Patientendaten in verschiedenen Räumen und der rechnergestützte Auftrag vom Arzt an die medizinischen Fachangestellten sind weitere Beispiele, die eine Beschleunigung der Arbeitsabläufe herbeiführen können. ÄZ

 

Das Gespräch führte Sabine Heißen

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