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Foto: photos.com / Ärzte-Woche-Montage
 
Praxis 11. Oktober 2011

Banken warnen vor CHF-Fremdwährungskrediten

Bei einem bestehenden Kredit sollte – bei Ablehnung eines Wechsel in Euro – zumindest eine Umstellung vom endfälligen in einen tilgenden Kredit angedacht werden.

Die Erste Bank vollzieht in ihrer Haltung zu den Fremdwährungskrediten einen Kurswechsel und rät ihren 16.000 Schweizer-Franken(CHF)-Kredit-Kunden, aus dem Franken auszusteigen. Die Raiffeisenbank International (RBI) warnt vor der Aufnahme neuer Franken-Kredite.

 

Der Auslöser dafür ist die Währungspolitik der Schweizer Nationalbank, die angekündigt hat, den Wechselkurs zum Euro bei mindestens 1,2 halten zu wollen. Im August stand der Franken nach seinem Höhenflug bekanntlich schon auf 1,0. Das bedeutete, dass sich das Kreditvolumen etlicher Franken-Kreditnehmer schlagartig um 20 Prozent erhöht hatte. Wie lange der Kurs tatsächlich bei 1,2 gehalten werden kann, darüber sind sich Währungsexperten uneinig. „Erstens dürfte der CHF seinen Aufwärtstrend längerfristig fortsetzen und zweitens kann nie ausgeschlossen werden, dass die Euro-Schuldenkrise derart eskaliert, dass für die Schweizer Nationalbank die Wechselkursuntergrenze nicht mehr haltbar ist“, warnt Matthias Reith, RBI-Währungsanalyst. Die Erste Bank rät ihren Kreditnehmern nun zu einem Wechsel vom schwankenden Frankenkredit in einen fixverzinsten oder gedeckelten Euro-Kredit. Und die RBI empfiehlt ihren Kunden, angesichts der aktuellen Entwicklungen bei Neukrediten keine Fremdwährungskredite aufzunehmen (trotz des recht tiefen Wechselkursniveaus), sondern im Euro zu bleiben.

Achtung vor Währungs- und Zinsschwankungen

Erste-Bank-Vorstandsmitglied Peter Bosek warnt erneut vor dem doppelten Risiko der Währungs- und Zinsschwankungen und rät zum Handeln: „Wir raten unseren Kunden dringend, dieses Zeitfenster zu nutzen. Es ist 5 vor 12.“ Um Mehrkosten abzufedern, bietet die Bank eine Konvertierung in einen Euro-Kredit mit 3,75 Prozent Fixzinsvereinbarung oder einen variablen Euro-Kredit mit einen Zinsdeckel (Zinscap) bei 4,75 Prozent auf zehn Jahre an. Für den Kunden fallen dadurch keine Mehrkosten an. Peter Bosek: „Das derzeitige Umfeld bietet vielleicht guten Boden für Spekulanten, nicht aber für Häuslbauer. Wir sehen es als unsere Verantwortung, flächendeckend auf das Risiko hinzuweisen, damit die Gesamtrechnung nicht noch teurer ausfällt. Wer keinen Wechsel in Euro will, sollte trotzdem handeln und zumindest über eine Umstellung vom endfälligen in einen tilgenden Kredit nachdenken.“ Dabei könnte die Anspar-Rate für den Tilgungsträger in eine Kreditrate für den Kredit umgelenkt werden. Der Tilgungsträger selbst kann ohne Nebenkosten stillgelegt werden. Die Bank wird nun auch alle Kreditnehmer mit einem Schreiben kontaktieren.

Für diese Aktion spielt die Erste Bank auch Berater in den Filialen frei: Die Anzahl der Fremdwährungsexperten wird in den Filialen erhöht. Und für jene Kunden, die nicht in die Filiale kommen können, bietet die Bank Web-Beratung übers Internet an. Im Juni 2011 startete sie dazu einen Pilot. Innerhalb von nur drei Monaten nahmen bereits 400 Kunden diese Online-Beratung in Anspruch. Geplant sind weiters Informationsveranstaltungen zum Thema Zins- und Währungsabsicherungen.

Facts & Figures

In Österreich ist jeder vierte Privatkredit ein Frankenkredit. Das bedeutet, dass rund 210.000 Österreicher von der derzeitigen Situation betroffen sind. Insgesamt ist von Privatpersonen ein Volumen von 34,5 Milliarden Euro in Schweizer Franken aushaftend, in YEN sind es zwei Milliarden Euro.

In der Erste Bank haben rund 16.000 Privatpersonen einen Fremdwährungskredit mit einem aushaftenden Volumen von rund 2 Milliarden Euro. Der Anteil im Gesamtmarkt liegt, gemessen am Volumen somit bei knapp 6 Prozent. Das durchschnittlich aufgenommene Kreditvolumen pro Person lag bei umgerechneten 150.000 Euro. Inzwischen hat sich das Volumen aufgrund der Wechselkursschwankung auf 195.000 Euro erhöht. Bei der Parität zum Schweizer Franken waren es aber auch schon rund 235.000 Euro.

Insgesamt hat die Gruppe Kredite in der Höhe von 134 Milliarden Euro vergeben, davon rund 63 Milliarden Euro in Österreich. Davon sind wiederum zwei Milliarden Euro in Schweizer Franken an Privatpersonen und Kredite in der Höhe von 700 Millionen Euro an Firmenkunden vergeben worden.

Von M. Strausz , Ärzte Woche 41 /2011

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