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Prof. Dr. Markus Lehner Leitung der Studiengänge Sozial- und Verwaltungsmanagement und Services of General Interest, Dekan der Fakultät für Gesundheit und Soziales der FH OÖ
 
Praxis 11. September 2011

Integrierte Versorgung braucht IT-Unterstützung

Grundlagen und Anwendungsbeispiele zum Thema e-Health.

e-Health ist keine technische Spielerei, sondern ein notwendiges Fundament zur Entwicklung einer integrierten Versorgung im Gesundheits- und Sozialbereich. Dies ist die zentrale Botschaft einer aktuellen Publikation in der Forschungsreihe Leben im Alter. In „e-Health – Die IT-Basis für eine Integrierte Versorgung“ geben 18 Autoren unterschiedlicher wissenschaftlicher Herkunft einen fundierten Überblick über (informations-) technische, organisatorisch-politische wie auch rechtliche Rahmenbedingungen und veranschaulichen Umsetzungsmöglichkeiten anhand aktueller Forschungsprojekte und Pilotstudien.

 

Die beiden Herausgeber, Herwig Mayr und Josef Altmann, geben zunächst eine Einführung in die Thematik e-Health. „e-Health ist die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnik für Gesundheitszwecke, um gleichen, leistbaren und universellen Zugang zu Gesundheitsleistungen für das Wohlergehen aller Bürger zu erreichen“, diese Definition der WHO hat programmatischen Charakter. Franz Pfeiffer und Martin Tiani bieten anschließend einen Überblick über globale, EU-weite und nationale Initiativen in dieser Richtung.

Der zweite Teil widmet sich den Rahmenbedingungen für die IT-Unterstützung der Integrierten Versorgung. Eher auf technischer Ebene ist der Beitrag von Barbara Franz und Jürgen Brandstetter über IT-Standards und deren Umsetzung angesiedelt. Das politische Umfeld der relevanten öffentlichen Stellen, Interessensvertretungen und Organisationen wird von Dieter Böhm dargestellt. Die aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen auf übernationaler und nationaler Ebene werden von Christian Szücs und Benedikt Aichinger aufbereitet, wobei auch die zentralen Diskussionspunkte des nun bereits in Begutachtung gegebenen ELGA-Gesetzes thematisiert werden.

Stand der Realisierung

Anschließend bieten Erfahrungsberichte aus Forschungsprojekten im e-Health-Bereich einen Einblick in den Stand der Realisierung sowie typische Herausforderungen und Beschränkungen. Das Projekt „IHExplorer“ zeigt die technischen Herausforderungen im Bereich Interoperabilität auf. Es muss garantiert sein, dass IT-Systeme unterschiedlicher Hersteller problemlos und störungsfrei zusammenarbeiten. Dies stellt hohe Anforderungen an die Technik, wovon die Nutzer, seien es Ärzte, Pflegekräfte oder Patienten, nach Möglichkeit nichts merken sollen.

Im Projekt „e-Care – Patientenorientierte Pflegeinformation“ wurde der Austausch von Pflegeinformationen zwischen Alten- und Pflegeheimen, Mobilen Diensten und den Pflegekräften im Krankenhaus auf IT-Basis organisiert. Die bisher mitgegebenen papierenen Pflegebegleitschreiben, die häufig nicht bei den richtigen Adressaten ankommen, werden damit überflüssig.

Am Beispiel des Projekts „Virtueller Blindenhund“ wird die Problematik dargestellt, wie alte und/oder schwer sehbehinderte Menschen mit Computern interagieren können.

Neue Chancen durch e-Health

Welche Chancen e-Health für eine verstärkte Integration der Versorgung bietet, wird zunächst am Beispiel des Einsatzes Mobiler Systeme dargestellt. Moderne Smartphones mit Internetzugang bieten völlig neue Möglichkeiten der orts- und zeitunabhängigen Verfügbarkeit von Informationen, die zur optimalen Betreuung von Patienten benötigt werden. Ein Anwendungsszenario des Projekts IHExplorer beschäftigt sich mit dem Thema Kollaborationsnetzwerke. Dieses analysiert und visualisiert den Informationsfluss zwischen Ärzten bei der Behandlung eines Patienten. Genutzt werden kann e-Health auch zur Analyse klinischer Pfade. Ein Beispiel aus dem Bereich der Radiologie, das Integrationsprofil „Scheduled Workflow“, zeigt auf, wie der Weg des Patienten durch die Organisation dargestellt werden kann. Eine Analyse dieser individuellen Patientenpfade kann eine evidenzbasierte Basis für Optimierungen bereitstellen. Neben der bereits erwähnten technischen Interoperabilität stellt die semantische Interoperabilität eine weitere große Herausforderung im Bereich e-Health dar. Wenn Informationen unterschiedlicher Systeme ausgetauscht werden, muss sichergestellt werden, dass die verwendeten Begriffe überall dieselbe Bedeutung haben, um Missverständnisse zu vermeiden.

Positiv an dieser Publikation ist, dass sie zum einen ein realistisches Bild des Entwicklungsstandes und der Potenziale von e-Health bietet und zum anderen auch die großen Herausforderungen und Probleme in diesem Bereich nicht klein redet. Es ist auch für Nicht-Informatiker lesbar – wenn man nicht den Anspruch hat, alle informationstechnischen Details bis in die Tiefe verstehen zu wollen. In jedem Fall kann man nach der Lektüre mit vielen Fachbegriffen etwas anfangen.

In einem abschließenden Ausblick fassen die Herausgeber die Chancen und Risiken der IT-Unterstützung im Gesundheitswesen zusammen: „Spätestens die Internet-Generation der heute unter 30-Jährigen wird die zeit- und ortsunabhängige elektronische Verfügbarkeit ihrer Daten bei Arzt oder Spital einfordern... Doch die Umsetzung der e-Health-Initiative bleibt komplex. Professionelles Projektmanagement und intensive Abstimmung zwischen den Akteuren sind für eine erfolgreiche Umsetzung von Anfang an nötig. Damit die Bearbeitung medizinischer Daten legitim ist, braucht es adäquate Maßnahmen zu deren Schutz. Lebensnotwendige Informationen nützen jedoch nichts, wenn der Datenschutz so hoch ist, dass die Unterlagen nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort zugreifbar sind.“

 

Näheres: Herwig Mayr / Josef Altmann (Hrsg.): e-Health. Die IT-Basis für eine Integrierte Versorgung, Wagner Verlag, Linz 2011

Von M. Lehner , Ärzte Woche 36 /2011

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