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Praxis 30. August 2011

Richtlinien der Organvergabe

In Österreich gilt die Widerspruchslösung. Organtransplantationen werden in sechs verschiedenen Zentren vorgenommen, koordiniert von der Eurotransplant.

Die Materie der Organvergabe ist in Österreich, im Gegensatz zu Deutschland, nicht in einem eigenen Gesetz geregelt. Die §§62a – 62c Krankenanstalten- und Kuranstaltengesetz (KAKuG) enthalten die wesentlichen Bestimmungen zur Entnahme von Organen und Organteilen Verstorbener zum Zwecke der Transplantation. In Österreich gilt die Widerspruchslösung, die in § 62a KAKuG normiert ist.

Unterschiedliche Regelungen

Diese Norm besagt, dass die Entnahme von Organen zulässig ist, wenn keine ausdrückliche Erklärung des Patienten vorliegt, womit dieser die Organentnahme verweigert hat. Ein zentrales Widerspruchsregister (geführt vom Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheit) führt all jene Personen auf, die solch eine Erklärung zu Lebzeiten abgegeben und sich somit gegen eine Organentnahme ausgesprochen haben.

Die österreichische Regelung steht im Gegensatz zur Zustimmungslösung, bei der jeder, der als Organspender fungieren will, einen Organspenderausweis bei sich tragen muss.

Ungleichgewicht bei Organvergabe

Die unterschiedlichen Lösungsansätze in den europäischen Ländern führen dazu, dass ein gewisses Ungleichgewicht bezüglich der Organvergabe vorliegt. Diesem Problem versucht die Organisation Eurotransplant zu begegnen, indem sie auf eine optimale Vergabe von Spenderorganen schaut. In den sieben Mitgliedsstaaten (Benelux-Länder, Deutschland, Österreich, Slowenien und Kroatien) der Stiftung wird der internationale Austausch von Organen vermittelt und koordiniert.

Bedeutende Kriterien für Eurotransplant

Der zu erwartende Erfolg der Transplantation, medizinische Parameter (z.B. Gewebeverträglichkeit und Größe des Organs), Dringlichkeit, Wartezeit und die Entfernung zwischen Spender und Empfänger. Kriterien, die Geschlecht, Ethnie oder finanziellen Status betreffen, dürfen laut Statut keine Auswirkungen auf die Zuteilung der Organe haben.

Aufgrund der großen Anzahl der Patienten, die bei Eurotransplant eingetragen sind, der zentralen Warteliste und einem gemeinsamen Spender-Meldesystem ist häufig das „Perfect Match“ möglich.

Der Ablauf einer Organvergabe

Die Daten der Patienten, die sich zu einer Transplantation entscheiden, werden von Eurotransplant aufgenommen und in einer zentralen Warteliste registriert. Gleichzeitig mit der Anmeldung werden potenzielle Organspender, mit denen Übereinstimmungen vorherrschen, ausfindig gemacht und ebenfalls in der dafür vorgesehenen Datenbank festgehalten.
Tritt nun der Fall des Todes eines potenziellen Organspenders ein, wird das nächstgelegene Transplantationszentrum verständigt und der Transplantationskoordinator angehalten, alle notwendigen Untersuchungen zu veranlassen.

Sechs Zentren in Österreich

In Österreich gibt es sechs verschiedene Zentren, in denen Organtransplantationen vorgenommen werden, unter anderem das AKH Wien, die Univ.-Klinik Innsbruck und die Univ.-Klinik Graz. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden an Eurotransplant weitergeleitet und mit den Daten der möglichen Empfänger verglichen. Falls keine Übereinstimmung in der Datenbank vorliegt, werden die Transplantationszentren anderer Länder (UK Transplant, Swiss Transplant) verständigt.

Um einen möglichst kurzen Zeitraum zwischen Organentnahme und Transplantation zu gewährleisten, ist jeder Organempfänger mit einem Piepser ausgestattet.

Nur mit Hilfe dieser eindeutigen Kriterien und den genau vorgesehenen Abläufen kann eine erfolgversprechende Organtransplantation sichergestellt werden.

Zur Person
Mag. Hannes Havranek LL.M.

Der Autor des Beitrages ist geschäftsführender Gesellschafter der Wiener Kanzlei PHH Prochaska Heine Havranek Rechtsanwälte OG und hauptsächlich im allgemeinen Vertrags- und Arbeitsrecht tätig.
Die Mitautorin, Teresa Hofer, ist juristische Mitarbeiterin bei PHH.

Prochaska Heine Havranek Rechtsanwälte OG (PHH) Julius-Raab-Platz 4 / Eingang Franz-Josefs-Kai 1, 1010 Wien Tel.: +43 1 714 24 40 Email: Web: www.phh.at;
www.facebook.com/phh.rechtsanwaelte

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