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Praxis 30. August 2011

Der strahlende Krisengewinner

Der Goldpreis hat in fünf Jahren um 140 Prozent zugelegt.

Der Goldpreis präsentiert sich weiterhin als Fels in der Brandung und setzt seine Jagd zum Allzeithoch fort. Am 26. August lag der Schlusskurs des Londoner Goldfixings bei 1.822,70 US-Dollar je Unze. Gold verringert als Anlageinstrument das Gesamtrisiko und verbessert die Performance.

 

Die Finanzwelt ist derzeit reich an Fragen, aber arm an Antworten. Gold ist hingegen bei vielen Experten eine der wenigen erfolgsversprechenden Investment-Alternativen. Im Gegensatz zu Aktien oder Anleihen ist es an keine Verbindlichkeiten oder Versprechungen geknüpft und empfiehlt sich daher zur Diversifikation: „Rund 5-10 Prozent des Gesamtvermögens kann man in Gold veranlagen. Wir gehen weiterhin davon aus, dass der Goldpreis am Ende des Bullenmarktes zumindest auf das inflationsbereinigte Allzeithoch des Jahres 1980 bei 2.300 US-Dollar je Unze steigen wird“, prognostiziert Ronald Stöferle, Goldexperte der Erste Group. Möglicherweise könnte sich dieses vor drei Jahren formulierte Langfristziel aus heutiger Sicht als konservativ erweisen. Die monetäre Bedeutung von Gold dokumentiert sich in der Tatsache, dass Zentralbanken Gold weiterhin als zentrale Reserve halten und im Vorjahr erstmals seit 20 Jahren Nettozukäufe tätigten. Daher ist damit zu rechnen, dass der Wechselkurs zwischen Gold und Papiergeld weiter steigt. „Bis zum Juni 2012 rechne ich mit einem Kursziel von 2.000 Dollar“, so Stöferle.

Goldene Renaissance

2000 belief sich die Investmentnachfrage von Gold auf knapp 4,8 Prozent der Nachfrage, im Vorjahr waren es bereits 40 Prozent. Dies markiert eine neue Phase des Bullenmarktes. Es ist davon auszugehen, dass institutionelle Investoren wie Versicherungen und Pensionsfonds verstärkt Gold nachfragen werden. „Gold wurde niemals wertlos und führte stets die Liste des ultimativen Geldes an. Es bleibt als Antagonist ungedeckter Papiergeldwährungen eine exzellente Absicherung gegen Worst-Case-Szenarien“, betont Stöferle. Außerdem bestehe eine enge Korrelation zwischen Goldpreis und Vertrauen. Ein fallender Goldpreis müsste demnach mit steigendem Vertrauen und einer Stabilisierung der Märkte einhergehen. Da das durch die Krise weiterhin angeschlagene Investorenvertrauen noch nicht wieder hergestellt werden konnte, sei ein exzellentes Chance-Risikoverhältnis für Gold zu erwarten. Nachdem ein Großteil der Staatsschulden weder getilgt noch abgeschrieben ist, bleibt die Überschuldung vieler Staaten weltweit ungelöst. Dadurch wird das Realzinsniveau auch in den kommenden Jahren niedrig bleiben. Gleichzeitig ist der Handlungsspielraum gegenüber den hohen Staatsverschuldungen gering. Mögliche Szenarien wären drastische Ausgabenkürzungen und rigide Haushaltskonsolidierungen oder das Anheben der Steuerquoten, Inflationierung, Währungsabwertungen bis hin zum Staatsbankrott. „Wir gehen davon aus, dass Gold in praktisch all diesen Szenarien profitieren würde“, sagt Stöferle. Häufig werde auch vergessen, dass China und Indien die treibenden Kräfte auf der Nachfrageseite seien.

Goldaktien haben Aufholpotenzial

„Der Goldpreis ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, Gold-Aktien haben diese Entwicklung jedoch nicht mitgemacht“, betont Nick Price, Fondsmanager von Fidelity International. Gerade in Südafrika gäbe es attraktive Gold-Unternehmen wie „Anglogold Ashanti“ und „Harmony Gold“. Das letztgenannte Unternehmen steht für einen der größten Goldfunde der vergangenen 30 Jahre. Einerseits werde dies von den Märkten noch nicht entsprechend gewürdigt, andererseits die Forschungs- und Entwicklungskosten für Abbau und Veredelung überbewertet. „Anleger haben hier die Chance, bei höheren Goldpreisen von gleichbleibenden Kosten zu profitieren“, so Price. Das KGV (Kursgewinn-Verhältnis) der 16 im Gold Bugs Index notierten internationalen Goldproduzenten liegt für 2011 bei 14. Im nächsten Jahr sollte es auf 12 absinken. In den letzten zehn Jahren lag das durchschnittliche KGV bei 33. „Dies ist eine extrem günstige Bewertung und bestätigt die Tatsache, dass der Goldmarkt alles andere als euphorische Erwartungen einpreist“, kommentiert Stöferle. Während die günstige Bewertung eindeutig für den Kauf von Goldaktien spricht, gilt die geringe Ausschüttungsquote der Branche als größte negative Eigenschaft des Sektors. Während die Versorger und Energieunternehmen 80 bzw. 67 Prozent ihrer Erträge ausschütten, liegt die Quote bei den Goldminen bei 19 Prozent. Dennoch scheint auch hier ein Umdenken stattzufinden.

Das heimische Interesse an Goldveranlagungen nahm seit 2007 deutlich zu. Waren es damals sieben Prozent der Österreicher, die Gold als Investmentmöglichkeit interessant fanden, sind es nun laut jüngster GfK-Umfrage vom Juli bereits 17 Prozent. „Und es ist sehr wahrscheinlich, dass das Vertrauen in die Krisenwährung Gold aufgrund der jüngsten Ereignisse in Griechenland, Irland und Italien weiter steigt“, so die Umfrage. Fazit: Die Österreicher scheinen mehr Gold denn je zur Seite legen zu wollen, selbst wenn die Kosten dafür hoch sind.

 

Von M. Strausz , Ärzte Woche 35 /2011

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