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Praxis 24. August 2011

Von der richtigen Frequenz

Die meisten Pulsmessgeräte, die auf dem Markt sind, funktionieren recht gut, jedenfalls die mit Brustgurt. Die Alternativen für Jogger und Radfahrer sind laut Stiftung Warentest weniger geeignet.

Pulsmessgeräte sind eigentlich Herzfrequenzmessgeräte, denn sie messen mit Elektroden die elektrische Energie des Herzens, während man den Puls besser am Handgelenk oder an der Halsschlagader ertastet. Puls und Herzfrequenz sind bei gesunden Menschen zumeist ident.

Klassische Pulsmesser bestehen aus einem Brustgurt und einer Uhr. Im Gurt registrieren zwei Elektroden durch die Haut die elektrische Aktivität des Herzens, ein Sender übermittelt die Signale per Funk an die Pulsuhr. Im Grunde handelt es sich um einen Minicomputer, der die Pulsrate und, je nach Ausstattung, weitere Informationen errechnet und anzeigt. Insgesamt wurden von der deutschen Stiftung Warentest 15 Geräte mit und drei Geräte ohne Brustgurt getestet – von einfachen Geräten ab 30 Euro, welche die wichtigsten Grundfunktionen beherrschen, bis zu Spitzengeräten um 230 Euro, die in der Lage sind, individuelle Trainingspläne zu erstellen, und eine Auswertung der Daten auf einem PC ermöglichen.

Hervorragende Messergebnisse
Die 18 getesteten Geräte mussten sich im Vergleich mit einer EKG-Messung beweisen. Für die sportliche Prüfung trieben drei Frauen und vier Männer im Alter von 17-62 Jahren ihre Herz- bzw. Pulsfrequenz auf einem Fahrradergometer und einem Crosstrainer in die Höhen. Alle 15 Geräte mit Brustgurt erledigten die ihnen zugedachte Aufgabe mit Bravour. Es gab praktisch keine Abweichungen zur EKG-Messung. Während der Test-Gesamtsieger Polar FT60 73 von 100 Prozent erreichte, landeten die zwei Geräte ohne Brustgurt – Sanitas SPM11 (56/100) und Sportline TQR 710 (49/100) – sowie der Pulsring unter ferner liefen. Die Geräte ohne Pulsgurt eignen sich am ehesten für Sportler, die zwischendurch das Tempo drosseln oder auch stehen bleiben. Hier erfolgt die Messung, indem der Uhrenrand oder eine Taste mit dem Finger berührt wird.

Ärgerliche Schwächen
In weiteren Prüfungen wurde die Störanfälligkeit durch elektromagnetischen Störquellen wie Oberleitungen von Straßen- und Eisenbahnen untersucht, ebenso eine mögliche gegenseitige Beeinflussung. Letzteres kann bei Wettkämpfen, im Fitnessstudio oder bei Trainingsgruppen zum Problem werden. Als besonders störanfällig erwiesen sich Suunto T1C, Oregon Scientific und Ciclosport.

Auch bei der Bedienbarkeit und Übersichtlichkeit der Displays gab es große Unterschiede. Einige Geräte ließen sich recht einfach mit einer einzigen Taste bedienen, bei anderen erschweren kaum lesbare Beschriftungen, unübersichtliche Displays oder schwergängige Tasten die Bedienung. Bei manchen Geräten muss der Nutzer eine ausführliche Gebrauchsanleitung aus dem Internet herunterladen. Beim Display und der Anzeige erreichten Polar FT60 und FT1 sowie Suunto M1 ein „sehr gut", bei der Bedienbarkeit waren Polar FT60, Garmin Forerunner 110, Polar FT40 und Beurer PM62 mit einem „gut" die Klassenbesten. Das einzige „sehr gut" für die Qualität der Gebrauchsanleitung bekam Polar FT40.

Besonders ärgerlich sind Schadstoffanteile in manchen Armbändern und Brustgurten (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffen, PAK). Bei Hautkontakt können sie in den Körper gelangen. Besonders stark war die Belastung bei Sportline Duo 1060 und Ciclosport CP12 L. Diese beiden Pulsmesser belegten bei den Geräten mit Brustgurt denn auch die beiden letzten Plätze.

Gesamtergebnis der 11 Besten

Polar FT60, 73 Punkte, 160,-
Garmin Forerunner 110, 72 Punkte, 229,-
Polar FT40, 72 Punkte, 130,-
Sigma RC1209, 71 Punkte, 100-,
Polar FT1, 69 Punkte, 50,-
Sigma PC25, 69 Punkte, 60,-
Garmin FR60, 67 Punkte, 169,-
Beurer PM62, 66 Punkte, 70,-
Polar FT4, 66 Punkte, 80,-
Beurer PM25, 65 Punkte, 40,-
Suunto M1, 65 Punkte, 70,-

Trainingstipps
Grundwerte kennen. Bringen Sie zunächst Ihre Grundwerte in Erfahrung. So wissen Sie, wie stark Sie Ihr Herz antreiben können.

Rechenformeln ungenau. Beliebte Rechenformeln für Untrainierte, wie 220 minus Lebensalter, um den Maximalpuls zu ermitteln, oder 180 minus Lebensalter für den Trainingspuls, beruhen auf statistischen Durchschnittswerten.

Herz-Check erkennt Risiken. Der Maximalpuls dient als wichtige Grundlage für Trainingsempfehlungen. Die genauen Werte lassen sich bei einem Belastungstest ermitteln, am besten in Verbindung mit einem EKG. Sie sollten einen solchen Herz-Check beim Hausarzt oder Sportmediziner durchführen lassen, auch um eventuelle Risiken für das Herz-Kreislauf-System zu erkennen.

Gesundheitstraining langsam angehen. Um die Gesundheit zu erhalten und zu stabilisieren, reicht eine Herzfrequenz von etwa 60 bis 70 Prozent des Maximalpulses aus. Dieser Grad der sportlichen Aktivität wird als Basisausdauertraining, manchmal auch als Trainingszone 1 bezeichnet.

Mehr Fitness erfordert intensiveres Training. Wenn Sie Ihre sportliche Leistungsfähigkeit gezielt steigern möchten, müssen Sie Ihr Herz stärker fordern und intensiver trainieren: Bis zu 80 Prozent der maximalen Herzfrequenz sind dann angemessen, gelegentlich auch darüber. Für dieses Ziel lässt sich die individuell optimale Trainingsherzfrequenz mithilfe eines Laktattests bestimmen.

Laktattest für optimalen Trainingspuls. Laktate sind Salze der Milchsäure. Wenn die Kurve schlagartig ansteigt, erhält die Muskulatur über Lunge und Kreislauf nicht mehr genügend Sauerstoff zur Deckung des Energiebedarfs. Erfolgreiches Ausdauertraining findet genau unterhalb dieser Schwelle statt.

Quelle: Stiftung Warentest


 

Von M. Strausz, Ärzte Woche 34/2011

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