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Ein Ziel der e-Health 2011, die dieses Jahr in Wien stattfand, war, Brücken zwischen Forschung und den Nutzenrn dieser Technologien zu schlagen.
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Dr. Johannes Kriegel, MBA MPH Professur für Gesundheitsmanagement, Fakultät für Gesundheit und Soziales/FH OÖ

 
Praxis 5. Juli 2011

eHealth in die Praxis bringen

Die eHealth 2011 baut Brücken zwischen Wissenschaft und Anwendung.

Where’s the beef? Wo ist der Mehrwert der auf den ersten Blick recht vielversprechend anmutenden e-Health-Anwendungen? Der Mehrwert liegt auch hier im Auge des Betrachters und somit des Anwenders. Dies wurde auf der diesjährigen eHealth 2011 in Wien deutlich und intensiv diskutiert.

 

Die Grenzen und Begrenzungen im Gesundheitswesen sind vielfältig. Sie betreffen u.a. den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen, die Leistungserbringung, die Informationstransparenz sowie den Verantwortungsübergang. Dabei werden durch die beteiligten Akteure unterschiedliche Interessen verfolgt und „Sprachen“ gesprochen. Daher war das Motto „Grenzen überwinden – Continuity of Care“ der diesjährigen e-Health 2011, der größten einschlägigen Fachtagung in Österreich, gut gewählt. Bundesminister Dr. Alois Stöger stellte in seinem Grußwort auch klar, um welche Frage es letztlich gehen muss: „Was nutzen neue Technologien am Ende des Tages dem Patienten?“

Preisträger ET Award 2011 und Studentenwettbewerb

Die Frage nach der Alltagstauglichkeit und der sinnvollen Unterstützung transparenter Leistungsprozesse war ebenfalls Gegenstand der auf der eHealth 2011 ausgezeichneten e-Health-Projekte. Den erstmalig vergebenen E.T. Award für den Einsatz innovativer Informations- und Kommunikationstechnologien zur Unterstützung der Kommunikation zwischen den Partnern im Gesundheitswesen erhielt dabei das Projekt „Gesundheitsdialog diabetes mellitus“ der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB). Hier werden zur telemedizinischen Betreuung von Diabetikern (Typ 1 und Typ 2) durch eine e-Health-Anwendung die fortlaufende und konsequente elektronische Dokumentation der Messwerte und Therapiedaten unterstützt und somit den Ärzten eine nachhaltige Kontrolle und Abstimmung der notwendigen Therapie ermöglicht. Ziel ist es, Folgeschäden zu vermeiden bzw. deren Entstehung zu verzögern.

Auch der Sieger des Studentenwettbewerbs, das Projekt „Anforderungen und Erwartungen niedergelassener Ärztinnen und Ärzte zur Einführung von e-Health-Funktionen in Österreich“ der Johannes Kepler Universität Linz, fokussierte sich auf die relevanten Erwartungen und möglichen Ängste von potenziellen e-Health-Anwendern. Hierbei wurde deutlich, dass das persönliche Informationsgefühl der Health Professionals einen starken Einfluss auf die Technologieakzeptanz hat.

Nutzen von e-Health

Um nicht in die Technologie-Falle (Old Organization + New Technology = Expensive Old Organization) zu geraten, gilt es, den eigentlichen und angestrebten Nutzen der e-Health-Unterstützungsleistung fest im Blickfeld zu behalten. Daher ist es von höchster Bedeutung, e-Health-Anwendungen und telemedizinische Dienstleistungen stets durch eine zielgerichtete und anforderungsorientierte Geschäftsmodellentwicklung sowie systematische Identifizierung aktueller und zukünftiger Probleme und möglicher Verbesserungspotenziale und -ideen zu begleiten. Ziel ist es, den patientenorientierten und anwenderbezogenen Mehrwert sowie das mögliche Innovationspotenzial der zukünftigen e-Health-Dienstleistung frühzeitig einzugrenzen und zu spezifizieren. Dabei sollten nicht nur die Probleme, wie unproduktives Warten auf das IT-System oder die Leistungskomprimierung im Gesundheitswesen, im Fokus stehen, sondern auch die Perspektive der Health Professional berücksichtigt werden. Daher sagte Dr. Peter Sögner von der Österreichischen Wissenschaftlichen Gesellschaft für Telemedizin und eHealth (ASSTeH) als Arzt und Radiologe in seinem Grußwort: „Vergessen Sie nicht das Bodenpersonal!“ Soll heißen: Wie im Flugverkehr gilt es zu prüfen: Was wird durch IT und e-Health für die Health Professionals und Patienten gewonnen?

Eine eHealth-Bestandsaufnahme

Die Konferenz bot eine Gelegenheit, sich nicht nur über internationale Entwicklungen (u.a. Schweden, Dänemark, afrikanische Länder), sondern auch über den Entwicklungsstand in Österreich zu informieren. In einem „Bundesländer Benchmarking“ referierten Vertreter aus dem Burgenland, Oberösterreich, der Steiermark, Tirol und Wien zu aktuellen Entwicklungen in ihrer Region. Es zeigte sich eine Vielfalt einzelner Anwendungen, wirklich sektorenübergreifende Lösungen im Sinne einer „Continuity of Care“ sind jedoch erst in Ansätzen vorhanden. ELGA als das österreichische „eHealth-Leitprojekt“ hat Potenziale in dieser Richtung. Die Präsentation des aktuellen Entwicklungsstands bot u.a. einen Einblick in die intensiven Vorkehrungen in Richtung Datensicherheit.

e-Health unterstützt Kooperationen

Die Gesundheitsversorgung erfolgt schwerpunktmäßig durch regionale Akteure, die in der Vergangenheit stark autonom und isoliert agierten. In Verbindung mit fehlgeleiteten Angebots- und Anreizsystemen kommt es zunehmend zu gravierenden systemübergreifenden Problemen der gemeinsamen Informationsnutzung, Kommunikation und Zielausrichtung sowie zu erhöhten Transaktionskosten. Alternative e-Health-unterstützte Kooperationsmodelle können hier zu verbesserter Qualität und Ressourcennutzung führen. Die zunehmende Vernetzung und Kooperation der unterschiedlichen Akteure im Rahmen der sektorübergreifenden Gesundheitsversorgung erfordert nicht nur die patientenfokussierte sowie qualitätsbezogene und ökonomische Gestaltung und Optimierung interner Prozesse und Strukturen. Vielmehr gilt es, auch die externen bzw. ambulanten Patientenströme und -leistungen hinsichtlich Koordination, Kommunikation und Kooperation aktiv mitzugestalten. Durch eine konzeptionelle Dienstleistungsentwicklung werden die vielfältigen Anforderungen, Einflussfaktoren und Erfolgskriterien systematisch und kontinuierlich berücksichtigt und mit einbezogen. Hierzu bedarf es einer interdisziplinären und interprofessionellen Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsversorgung, Wissenschaft und Politik, damit am Ende des Tages gesagt werden kann: Diese Technologie nutzt dem Patienten.

 

E-Mail:

Von J. Kriegel , Ärzte Woche 27/28/2011

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