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Foto: photos.com

Walter Hager Experte des Vereins für Konsumenteninformation

 
Praxis 15. Juni 2011

Prämiengeförderte Zukunfts- vorsorge – derzeit kein Hit

Laut dem Verein für Konsumenteninformation sind Zukunftsvorsorgeprodukte „derzeit zu vergessen“. Die Begründung: Die Produkte sind kompliziert, intransparent und teuer.

Die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge, im Jahr 2003 eingeführt, versprach Verlockends: staatliche Förderung, Steuerfreiheit, Kapitalgarantie und hohe Renditen durch hohen Aktienanteil. Acht Jahre später folgt die Ernüchterung.

 

Seit der Einführung der prämiengeförderten Zukunftsvorsorge (PZV) im Jahr 2003 wurden fast 1,5 Millionen Verträge abgesetzt. Die Verkaufsargumente waren überzeugend: staatlich gefördert, steuerfrei, mit einer Kapitalgarantie ausgestattet und durch einen gesetzlichen Mindest-Aktienanteil von 30 Prozent Aussicht auf höhere Renditen. Doch dann kam die Krise und der Kombipack „Risiko mit Sicherheit“ – sprich: Aktienbeteiligung mit Kapitalgarantie wollte nicht mehr so richtig funktionieren. Die Verträge wurden zur Absicherung der Kapitalgarantie häufig ausgestoppt (der Aktienanteil kurz- oder mittelfristig auf null reduziert), Informationen an die betroffenen Konsumenten flossen spärlich. In der Folge zeigte sich, dass die PZV ein höchst kompliziertes, intransparentes und nicht zuletzt teures Produkt ist.

Der Vergleich macht Sie unsicher

Für die Juni- Ausgabe des Testmagazins Konsument sollte daher ein Vergleich der aktuell abschließbaren PZV-Produkte für Durchblick im Chaos sorgen. Doch ein solcher ist derzeit selbst für die Veranlagungsexperten des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) nicht möglich: Zu unterschiedlich sind die einzelnen Produkte aufgebaut, zu verschieden die Veranlagungsstrategien, Laufzeiten und Kostenstrukturen. So reichen die gesamten Abschlusskosten bei den getesteten Produkten von 600 Euro (OÖ-Versicherung) bis 1.800 bei Bank Austria Versicherung und s-Versicherung.

Die Verwaltungskosten liegen zwischen 19,80 (BA Versicherung) und 109,50 Euro (Generali). Garantiert erfassbar ist daher nur eines: die Undurchschaubarkeit von prämiengeförderten Zukunftsvorsorge-Produkten. Eine Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen sei daher dringend nötig. „Prämiengeförderte Zukunftsvorsorge-Produkte sind derzeit so gestaltet, dass wir eher davon abraten. Allerdings werden zurzeit Änderungen diskutiert, die sinnvollere Produkte erwarten lassen. Außerdem haben einzelne Anbieter damit begonnen, die Produkte zu verbessern – insbesondere, was die Kosten und die Transparenz betrifft“, so VKI-Experte Walter Hager. „Unser Tipp: abwarten“.

Wer jedoch einen laufenden Vertrag habe, sollte bei seinem Versicherer so schnell wie möglich abklären, unter welchen Bedingungen dieser die nächsten Jahre weitergeführt oder auch gekündigt werden kann. Eine Kündigung ist allerdings oft mit gravierenden finanziellen Nachteilen verbunden – was zum Teil aber auch für die Prämienfreistellung gilt. So verrechnen manche Anbieter u.a. einen Abschlag, wenn der Vertrag prämienfrei gestellt wird. „Derzeit können wir nur raten, gemeinsam mit dem Anbieter nach alternativen Lösungen zu suchen bzw. eventuelle Kosten wegzuverhandeln“, empfiehlt der Experte.

Hauptkritik und Lösungsvorschläge

Das Potential der PZV sei derzeit aufgrund der Kapitalgarantie und der Mindestaktienquote von vornherein beschränkt, daher seien hohe Renditesprünge nicht zu erwarten. Auf der anderen Seite stehen hohe Veranlagungs-, Abschluss- und Verwaltungskosten gegenüber. Ein Beispiel: Ausgehend von einer Gesamtprämiensumme von 30.000 Euro ergaben sich beim Test riesige Unterschiede. Bei einem Anbieter mit ein Prozent Veranlagungskosten ergab sich eine Belastung von 3.900 Euro, bei einem anderen mit zwei Prozent stolze 7.800 Euro – und das bei einer angenommenen Performance von Null Prozent. Die gesamten Abschluss- und Verwaltungskosten fallen hingegen mit 3.427,50 bzw. 3.062,50 Euro geringer aus. „Um diese Kosten wieder zu verdienen, wäre schon eine atemberaubende Performance nötig“, so die Konsumentenschützer. Dies führt zu steigendem Unmut bei den Kunden.

Ziel wäre neben den VKI-Forderungen (siehe Kasten), dass sich die Produktunterschiede auf die Performance beschränken. Beispielhaft seien hier der „Tarif P55“ von Uniqua/FinanceLife/Raiffeisenversicherung sowie ein vom Versicherungsmakler EFM gemeinsam mit der Hypo-Versicherung entwickeltes Produkt, die auf dem Sektor Kostentransparenz und -struktur in die richtige Richtung weisen. „An den zwei wichtigsten Auswahlkriterien für PZV sollten die angehenden Kunden immer festhalten: geringe Kosten und Kostentransparenz“, rät Hager. Solange diese Rahmenbedingungen nicht erfüllt seien, sei es sinnvoller, ein anderes Anlageprodukt zu wählen oder noch abzuwarten. „Denn Vorsorgegeld in ein undurchschaubares Projekt mit ungewissem Ausgang zu stecken, ist schon in Zeiten ohne Krise wenig zukunftsträchtig“, so der Experte.

 

Prämiengeförderte Zukunftsvorsorge derzeit:

 

  • Die jährliche staatliche Prämie liegt zwischen 8,5 und 13,5 Prozent des Einzahlungsbetrages (2011: 8,5% von maximal 2.313,36 Euro = Maximalprämie: 196,64 Euro).
  • Mindestens 30 Prozent sind in Aktien der (Wiener) Börse zu veranlagen.
  • Kapitalgarantie ist zwingend vorgeschrieben
  • Anlagedauer: mindestens 10 Jahre, bei manchen Anbietern mehr, vorzeitige Kündigung ausgeschlossen
  • Keine Steuer, außer bei Barauszahlung: Kapitalerträge sind mit 25 Prozent zu versteuern und die Hälfte der staatlichen Prämie ist zu refundieren.
Forderungen des Vereins für Konsumentenschutz für die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge neu:
• Staatliche Förderung beibehalten
• Geringere oder keine Mindestaktienquote
• Aufhebung der Veranlagungsbeschränkungen auf bestimmte Börsen
• Volle Kostentransparenz und Deckelung der Kosten
• Einfache, nachvollziehbare Garantiemodelle
• Einheitliche, vergleichbare Voraussetzungen – Unterschiede nur bei Performance

Von Mag. Michael Strausz , Ärzte Woche 24 /2011

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